Gemeindepräsidien

Die CVP verliert in Baselbieter Gemeinden Macht

CVP-Präsident Silvio Fareri und seine Vizepräsidentin Béatrix-Dorothée von Sury d’Aspremont

CVP-Präsident Silvio Fareri und seine Vizepräsidentin Béatrix-Dorothée von Sury d’Aspremont

Bald wird werden die Christdemokraten nur noch in einer grossen Baselbieter Gemeinde den Präsidenten stellen. Vor einiger Zeit war das noch ganz anders.

Noch vor einem Jahrzehnt war die Baselbieter CVP-Welt in Ordnung. Die Partei besetzte die Gemeindepräsidien von einigen grossen Gemeinden. So führten Toni Lauber Allschwil mit sicherer Hand. In Aesch galt Cyrill Thummel als Dorfkönig, in Muttenz hatte Peter Vogt bei Wahlen jahrelang nie Konkurrenz.

Claudio Botti war einige Jahre in Birsfelden Gemeindepräsident. Unbestritten war in Münchenstein Giorgio Lüthi. Und im katholischen Laufental wurde das Bezirkshauptstedtli von der Christdemokratischen Volkspartei angeführt.

Sitz in Münchenstein kampflos aufgegeben 

Ein viel düstereres Bild zeigt sich demnächst, wenn die neue Legislatur beginnt. Denn die CVP hat ihre Dominanz an der Spitze von grossen Baselbieter Gemeinden eingebüsst. Daran werden auch die Präsidentschaftswahlen, die voraussichtlich am 28. Juni stattfinden sollen, nichts ändern.

Sinnbildlich dafür ist Münchenstein. Nach dem Nichtwiederantritt Lüthis hat seine Partei das Präsidium im Februar kampflos aufgegeben, nachdem sie gar nicht erst versucht hatte, den einzigen Sitz im Gemeinderat zu retten.

Kantonalvorstand hat das Problem erkannt

In Aesch, traditionell katholisch, kämpfen derzeit zwar drei Gemeinderäte ums das Spitzenamt – aber keiner gehört der CVP an. Sogar Laufen wird bald freisinnig regiert (bz gestern), denn der einzige CVPler im Stadtrat verzichtet. Birsfelden und Allschwil haben Freisinnige übernommen.

Nicht rund lief es für die CVP zudem in kleinen Orten. Der Schönenbucher Hannes Hänggi trat 2019 unerwartet zurück; in Biel-Benken bleibt Peter Burch Gemeindepräsident, ist aber aus der Partei ausgetreten. 

«Dass wir kaum mehr Gemeindepräsidien besetzen, ist für uns ein schwieriges Thema», räumt Béatrix von Sury d’Aspremont, Vizepräsidentin der Baselbieter CVP, ein. «Wir müssen über die Bücher und schauen, wie wir unsere Nachwuchsförderung verbessern können.» Sie selber scheiterte 2018 sehr knapp daran, Reinacher Gemeindepräsidentin zu werden.

In die CVP tritt man nicht als junger Mensch ein

Gegen die CVP, sagt sie, spiele der Wähleranteil von rund elf Prozent, andererseits seien Präsidiumswahlen Personenwahlen. Damit sei man zwar in den Gemeinderäten mit guten Personen vertreten. Das reiche aber oft nicht für den Sprung ins Präsidium.

Eine weitere Schwierigkeit könnte in der Positionierung der Partei in der Mitte liegen. «Die Jungen fühlen sich eher zu Polparteien angezogen», sagt Parteipräsident Silvio Fareri. «Bei uns tritt man später ein. Und wenn unsere potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten dann für die Ämter in Frage kommen, sind sie oft bereits familiär oder beruflich stark eingebunden.»

Erfolg in der Nicht-Hochburg Muttenz

Nicht ganz so tragisch sieht das Vorstandsmitglied Remo Oser. «In vier Jahren sieht die Lage vielleicht ganz anders aus», sagt der Gemeindepräsident von Röschenz. «Mal gibt es mehr Gemeindepräsidenten von der einen Partei, dann mal von einer anderen.» Das habe mit den gerade zur Verfügung stehenden Personen zu tun, weniger mit der Partei. «Denn Gemeindepräsidentenwahlen sind Personenwahlen, und das ist gut so.»

Letzteres zeigte sich im vergangenen Jahr in Muttenz. Dort klappte die Szepterübergabe von Peter Vogt zu Franziska Stadelmann problemlos – und das, obwohl Muttenz, gemessen an nationalen und kantonalen Proporzwahlen, alles andere als eine CVP-Hochburg ist.

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