Allschwil

Die Dorfkirche muss saniert werden – doch die Geldsuche gestaltet sich schwierig

Der Innenraum der Allschwiler Dorfkirche.

Der Innenraum der Allschwiler Dorfkirche.

Seit einem Jahr sammeln die Allschwiler Christkatholiken für die Sanierung ihres Gotteshauses. Derzeit reicht es erst fürs Flicken des Dachs.

Letzte Woche hatte der Allschwiler Einwohnerrat ein Gehör für die Christkatholiken. Er überwies ein Postulat der CVP für zusätzliche 100000 Franken an die Sanierung der Alten Dorfkirche St. Peter und Paul im Ortskern.

Diese gehört der christkatholischen Landeskirche und wird oft für Anlässe wie Konzerte, Hochzeiten und Architekturführungen genutzt. Bereits letztes Jahr sprach der Gemeinderat 100000 Franken für den Erhalt der historischen Bausubstanz. «Wir sind froh um den Zusatzbeitrag des Einwohnerrats», sagt der Kirchenratspräsident Reno Frei.

Nur sind damit die Probleme der 250 Allschwiler Christkatholiken noch lange nicht gelöst. Eine umfassende Sanierung ihrer Kirche würde 1,4 Millionen Franken kosten. Eine Viertelmillion Franken können sie aus Eigenmitteln leisten.

160'000 Franken sind bisherige Spenden aus der Bevölkerung und von Firmen. Zusammen mit den 200'000 Franken der Gemeinde sind rund 600'000 Franken in der Sanierungskasse. Damit kann man immerhin das Allerdringendste flicken: das morsche Dach.

Dieses droht nämlich einzustürzen. «Falls die Versicherungen das Risiko nicht mehr tragen, müssen wir die Kirche schliessen», sagt Frei. «Für ein öffentliches Gebäude wäre das schade.» Und mit Warten wäre die Sanierung nur noch teurer geworden. «Was gemacht werden muss, wird gemacht.»

Die Sanierung beginnt im Frühling. Damit ist dann fast das ganze zur Verfügung stehende Geld weg. Das Reinigen des Innenraums, der Ersatz der stromfressenden Heizung, der Einbau einer Tonanlage und einer Ringleitung für Hörgeschädigte: All das muss vorerst warten.

Crowdfunding, Briefmarken und eine Konzertreihe

Dabei hat die Kirchgemeinde einiges in Bewegung gesetzt, um Mittel zu finden. Sie schrieb die Bewohner und Unternehmen in Allschwil und Umgebung sowie Stiftungen und Institutionen an, dafür erstellte sie eine ausführliche Broschüre.

Eine eigens für die Dorfkirche aufgeschaltete Website informiert Spender, was ihnen als Belohnung winkt: von der Erinnerungskarte bis hin zum Premium-Platz an Konzerten in der Kirche nach der Sanierung. Ein Video erklärt die historische Bedeutung der Dorfkirche. Der Rotary Club organisiert eine Konzertreihe, bei der Musiker ihre Gage spenden.

Weiter läuft auf lokalhelden.ch ein Crowdfunding. An der Kirche hängt ein Banner, das zum Spenden aufruft. Es gibt Briefmarken zu kaufen, bei denen 50 Rappen an die Sanierung gehen. «Eine persönliche Führung mit Vertretern der Gemeinde half auch, dass der Einwohnerrat zusätzliches Geld sprach», sagt Christina Hatebur.

Die Kommunikationsexpertin half schon in Laufen, Geld für die Sanierung der christkatholischen Stadtkirche zu sammeln, und tut das jetzt auch für die Allschwiler Dorfkirche. «Die Solidarität der Bevölkerung ist da», stellt sie fest.

Grosse Hoffnung setzen die Christkatholiken auf die kantonale und die eidgenössische Denkmalpflege, denn der Bau aus dem Jahre 1698 steht unter dem Schutz des Bundes. 450'000 Franken sollen von dieser Seite fliessen. Zudem erhofft man sich einen grösseren Betrag von Stiftungen.

Die Schwierigkeit bei diesen Geldern: Sie sind abhängig davon, welche Teile der Kirche saniert werden. «Es laufen noch Gespräche», sagt Hatebur. Oft brauche es eine Führung vor Ort, um Geldgeber zu überzeugen. «Ich bin guter Hoffnung, aber wir müssen dran bleiben.»

Es braucht einen Plan B, und der bedeutet Verzicht

Doch die 1,4 Millionen als Spendenziel sind noch weit entfernt, das wissen die Christkatholiken. «Wenn kein Geld da ist, müssen wir an unserem Sanierungsprojekt halt Abstriche machen», sagt Frei. Und Hatebur meint: «Wir müssen realistischerweise einen Plan B haben und uns gegebenenfalls fragen, was die dringendsten Aufgaben sind. Aber das Ziel bleibt, 1,4 Millionen zusammenzukriegen, um das Dorfjuwel zu retten.»

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