Elektra Birseck Münchenstein

Die EBM expandiert in die Region Olten

Avag ist ein Netzunternehmen ohne repräsentatives Geschäftsgebäude. Mit der Übernahme der Avag kann die EBM ihr Versorgungsgebiet erweitern.

Avag ist ein Netzunternehmen ohne repräsentatives Geschäftsgebäude. Mit der Übernahme der Avag kann die EBM ihr Versorgungsgebiet erweitern.

Die Genossenschaft Elektra Birseck Münchenstein übernimmt von der Alpiq die Mehrheit der Avag-Aktien.

Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) stösst ins Mittelland vor: Gemeinsam mit den Städtischen Betrieben Olten (SBO) und dem Investitionsfonds UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland (UBS-CEIS) übernimmt die EBM von der Alpiq deren ganzes Avag-Aktienpaket von 96,7 Prozent. An diesem Paket hält die EBM 67 Prozent. Sie ist also mit 65,4 Prozent die neue Mehrheitsaktionärin der Avag (Alpiq Versorgungs AG).

EBM zahlt 209 Millionen Franken

Die Aktien wechselten für 312 Millionen Franken die Hand. Die EBM bezahlt also 209 Millionen Franken. «Die Avag ist ein erfolgreiches, gut geführtes Versorgungsunternehmen und für uns ein Gewinn», wird EBM-CEO Conrad Ammann im Communiqué von gestern Abend zitiert. «Die Zusammenarbeit bietet enorme Chancen, da wir gemeinsam eine wichtige Grösse erreichen. Ziel ist es, die vorhandenen Systeme und Infrastrukturen optimal und kosteneffizient zu nutzen.» Die EBM mache mit dem Avag-Kauf einen «wichtigen Schritt in Richtung strategischem Wachstumsziel im Kerngeschäft».

Die EBM zeigte schon unter Ammans Vorgänger Hans Büttiker Interesse, jenseits des Juras Fuss zu fassen: So gab es Verhandlungen zum Kauf des Oberaargauer Stromproduzenten Onyx, der das Aarekraftwerk Wynau betrieb. Doch bot die BKW mehr und übernahm das Kraftwerk Wynau.

Dass die EBM jetzt die Mittel hat, ins Mittelland zu expandieren, dürfte damit zusammenhängen, dass sie sich seit Ammans Antritt als CEO auf ihr Kerngeschäft konzentriert, Unternehmensteile und auch Liegenschaften wie beispielsweise Hero Lenzburg verkauft hat.

Mit UBS-CEIS hat sich die EBM zudem mit einem Investor zusammengetan, der gemäss Communiqué für 36 Pensionskassen und Versicherungen ein Kapital von 400 Millionen Franken für Investitionen im Energiesektor verwaltet.

Die Städtischen Betriebe Olten (SBO) übernehmen rund 5 Prozent des Aktienpakets. Sie sind aber wichtig als Betriebsgesellschaft: Die Avag war bisher eine Art ausgegliederte Alpiq-Netz-Abteilung für die Versorgung von 30 000 Kunden in 18 Gemeinden im Raum Olten mit Strom, Gas und Wasser. Der Betrieb liegt bei der Aare Energie AG (A.EN), einer gemeinsamen Tochter der Avag und der SBO. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, was in den betroffenen Gemeinden mit Erleichterung zur Kenntnis genommen wird: «Ganz im Zentrum der Interessen der vierzehn neu zur EBM stossenden Versorgungsgemeinden ist das Beibehalten der Arbeitsstellen vor Ort», teilten sie gestern Abend mit.

Weitere Expansion im Blick

Wie es konkret weiter gehen soll, wird am Montag an einer Medienkonferenz in Olten mitgeteilt. Mit Blick auf eine vollständige Marktöffnung seien Effizienzgewinne realisierbar, teilten EBM, SBO und UBS-CEIS gestern mit. Insbesondere bei aufwendigen IT-Systemen. So könne man Synergien und Skaleneffekte nutzen.

Dies dürfte weitere Expansionsmöglichkeiten für die EBM eröffnen: Lokale Netzbetreiber geraten durch die Stormmarktliberalisierung unter Druck, da neue administrative Vorschriften erhebliche Investitionen erfordern. «Offen ist zum heutigen Zeitpunkt die Zukunft innerhalb der neuen Konstellation für die Elektras der Gemeinden Däniken, Dulliken, Obergösgen und Gretzenbach», heisst es dazu in der gemeinsamen Medienmitteilung der Gemeindepräsidenten. Und die Avag-Eigentümer teilen mit: «Zudem soll die Avag zusammen mit A.EN/SBO und EBM ein überregional stark verankertes Gefäss bilden, dem sich in Zukunft weitere Netzeigentümer und -betreiber anschliessen können.»

«EBM, SBO und UBS-CEIS wollen die erfolgreiche Zusammenarbeit der Avag und der A.EN langfristig und marktorientiert an den bisherigen Standorten fortführen», betonen diese. «Der neue gemeinsame Netzverbund umfasst grosse Teile des Kantons Solothurn, grosse Teile des Kantons Basel-Landschaft und einen Teil des Elsass.» Und Ernst Zingg, Verwaltungsratspräsident der SBO, erklärt: «Wir können nun die Stärken von SB/Avag und EBM als eines der schweizweit grössten Versorgungsunternehmen zugunsten unserer Kunden, den Gemeinden, Mitarbeitenden und Eigentümer optimieren.»

Dass Alpiq sich mit der Avag von ihrer eigentlichen Entstehungsregion und Wiege trennt, ist eine Folge ihrer Verschuldungs-Situation: «Mit den aus dem Verkauf der Avag-Beteiligung freiwerdenden Mitteln reduziert Alpiq die Nettoverschuldung weiter», teilte sie gestern Abend mit. Zusätzlich würden weitere Devestitionsmöglichkeiten nicht strategischer Beteiligungen geprüft. Alpiq hat sich zu lange auf das traditionelle Stromgeschäft verlassen und den rechtzeitigen Umstieg in die Energiewende, die bereits vor Fukushima einsetzte, verpasst.

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