Hagelschäden

Die Eiszeit zog mitten im Sommer übers Baselbiet

Eine lokale Bilanz der aussergewöhnlichen Woche mit Unwetterschäden im Oberbaselbiet.

Abgedeckte Dächer, kaputte Gewächshäuser und zerstörte Obstkulturen: Ein paar Tage, nachdem der verheerende Hagelzug über Teile des Oberbaselbiets zog, sind die Schäden noch immer überall sichtbar. Besonders betroffen war der östliche Teil der Region. In Läufelfingen, Oltingen, Wenslingen und Zeglingen sind Hagelkörner mit einem Durchmesser von sechs bis sieben Zentimetern niedergegangen. Das entspricht der Grösse eines Hühnereis.

Die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) hat bisher 300 Schadensmeldungen erhalten, berichtet Peter Bächtold, Bereichsleiter Schätzungswesen. Er rechnet damit, dass die Zahl noch auf 600 bis 700 steigt, da erfahrungsgemäss einige nachgemeldet werden. Rund 70 Prozent der Schäden stammen aus dem Oberen Baselbiet. Die restlichen 30 Prozent kämen aus dem Unterbaselbiet und dem Laufental. Die Schadenssumme schätzt er auf 3 bis 3,5 Millionen Franken.

«Der Hagelzug ist das grösste diesjährige Schadensereignis», führt Bächtold aus. Mehr noch: Er ist der zweitschlimmste des vergangenen Jahrzehnts. Zum Vergleich: Im Schnitt verzeichnet die BGV 200 Hagelmeldungen – pro Jahr. Jetzt werden allein wegen des Dienstags 600 Meldungen erwartet. Den Rekord hält das Hageljahr 2005 mit 2900 gemeldeten Schäden.

Die Heftigkeit des Hagelgewitters bestätigt Andreas Buser, zuständig für die Spezialkulturen beim Zentrum Ebenrain in Sissach. «Dort, wo der Hagel niederging, ist die Ernte jetzt vorbei.» Vor allem die Zwetschgenkulturen hat es «verschlagen». Nun ist Schadensbegrenzung angesagt: Das in Mitleidenschaft gezogene Holz muss behandelt werden, damit keine Bakterien eindringen und die Gesundheit des Baumes leidet.

Ausserdem hat der Niederschlag ganze Getreidefelder umgelegt. Wenn das Getreide wieder abtrocknet, könne es jedoch trotzdem gebraucht werden, so Buser. Schwieriger sieht es beim Mais aus, der bereits unter der Trockenheit sehr gelitten hat. Kaum betroffen sind hingegen die Reben. Die Baselbieter Haupt-Rebgebiete liegen in Maisprach und Buus und damit in einem Gebiet, das vom Hagel verschont wurde. «Nur Gelterkinden wurde leicht getroffen, aber nicht gravierend», erklärt Buser.

Ebenfalls mit einem blauen Auge davongekommen ist das untere Baselbiet, wie Bauernpräsident Gregor Gschwind aus Therwil sagt. Es habe zwar stark geregnet, aber nur wenig Hagel gegeben. In Titterten, wo bz-Wetterfrosch Hansruedi Schweizer seine Station betreut, hielt sich das Unwetter in Grenzen. Der Wind erreichte maximal Spitzen von 60 Stundenkilometern.

Auffällig waren die vielen Blitze. In der Region gingen laut einer Mitteilung von Meteo Schweiz am Dienstag und Mittwoch rund 50 Blitze nieder – so viele, wie sonst während eines ganzen Jahres gezählt werden.

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