Verkehrs-Statistik

Die elektrische Gefahr: Wieder mehr Unfälle mit E-Bikes im Baselbiet

Die Baselbieter Strassen sind 2019 sicherer geworden. Doch ein Fortbewegungsmittel schert aus. Mal wieder. Um 35 Prozent stieg die Zahl der Unfälle mit E-Bikes gegenüber 2018.

Die Baselbieter Strassen sind 2019 sicherer geworden. Doch ein Fortbewegungsmittel schert aus. Mal wieder. Um 35 Prozent stieg die Zahl der Unfälle mit E-Bikes gegenüber 2018.

Unfälle mit E-Bikes werden erst seit 2011 in den Statistiken des Kantons Baselland gesondert erfasst. Seither steigen die Zahlen fast ausnahmslos Jahr um Jahr. Die Chefin der Baselbieter Verkehrspolizei, Stephanie Eymann, will jetzt Gegensteuer geben.

E-Bikes sind gefährlich. Diesen Schluss lässt die gestern publizierte Verkehrsunfall-Statistik des Kantons Baselland 2019 zu. Die Baselbieter Strassen sind im vergangenen Jahr sicherer geworden. Die Zahl der Unfälle ging gesamthaft um sechs Prozent zurück. Nur eine Fahrzeugkategorie sticht mit steigenden Unfallzahlen heraus: die Zweiräder mit elektrischer Tretunterstützung, die Velos mit Batterie am Rahmen – die E-Bikes.

Bei ihnen nahm die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent zu. Und auch wenn es sich um kleine Zahlen handelt, dürfte der Anstieg von 31 auf 42 Unfälle Anlass zur Sorge geben. Gesondert erfasst wurden die E-Bikes erstmals 2011. Seither rapportieren die Mitarbeitenden der Polizei fast jedes Jahr steigende Unfallzahlen. Der Trend ist eindeutig.

Die Baselbieter Polizei hat den Handlungsbedarf erkannt. Stephanie Eymann, Chefin der Verkehrspolizei, kündigt noch für dieses Jahr eine Präventionskampagne für E-Bikes an. «Es geht auch darum», sagt sie zur bz, «den Leuten, die sich ein E-Bike gekauft haben oder sich für eines interessieren, klar zu machen, welche Geschwindigkeiten diese Zweiräder erreichen. Wir müssen aufrütteln und die Frage aufwerfen: Was bedeutet Tempo? Wie lange wird ein Bremsweg? Schon ein Selbstunfall kann gravierende Folgen haben – dem sind sich viele nicht bewusst, vielleicht auch, weil sie denken: ‹Ist ja nur ein Velo.›»

Rechtlich ein Töffli, aber deutlich schneller

Die schnelle Variante der E-Bikes erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde. Sie sind den Kleinmotorrädern, den Töffli, gleichgestellt, obwohl die «nur» 35 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen. Bei den leistungsstarken E-Bikes braucht es den Führerausweis der Kategorie M, ein Nummernschild und es besteht Helmtragepflicht.

Sorgen bereiten der Verkehrspolizei neben den E-Bike-Fahrern die Kinder. Bei den unter 15-Jährigen sind die Unfallzahlen gestiegen, aber nur, wenn sie als Fussgänger unterwegs waren. Es wurden 19 Unfälle registriert (2018: 11). Die Kategorie Fussgänger umfasst auch Vorkommnisse mit sogenannten FäG, die Abkürzung steht für Fahrzeugähnliche Geräte: Trottinette, Rollbretter, Rollschuhe. Auch im Bereich der FäG und der elektrisch betriebenen Untersätze plant die Polizei eine Präventionskampagne. Dabei geht es um neue Phänomene wie etwa Smartwheels, E-Trottis und Monowheels – die Entwicklung ist unübersichtlich, fast im Monatstakt kämen neue Produkte auf den Markt, sagt Eymann: «Es kam auch schon vor, dass jemand mit einem Gerät an mir vorbeigefahren ist, das ich selber noch nie gesehen habe.» Flyer zum Thema gibt es bereits. Sie klären etwa darüber auf, dass etliche FäG im öffentlichen Raum gar nicht erlaubt sind.

Wegen der Coronakrise: Häufig leere Strassen

Neben diesen beiden negativen Punkten durfte Eymann gestern fast durchs Band erfreuliche Zahlen vermelden. 2019 wurden 1030 Unfälle gezählt, im Vorjahr waren es 1100 Unfälle. Bei fast jedem zweiten Unfall (455) wurde jemand verletzt. Doch auch diese Zahl liegt tiefer als im Vorjahr, 2018 waren 490 Personenschäden registriert worden (-7 Prozent). 51 Personen wurden schwer verletzt (2018: 66). 2019 waren – wie schon im Vorjahr – fünf Todesopfer zu beklagen.

Die Verkehrsunfall-, aber auch die Kriminalstatistik 2019 wurden, anders als die Statistiken in den Vorjahren, nicht an einer Pressekonferenz präsentiert, sondern per E-Mail zugestellt – eine Folge des Corona-Lockdowns. Die vom Bundesrat beschlossenen Einschränkungen beobachtet die Polizei auch auf den Strassen. Laut Eymann ist deutlich weniger Verkehr zu beobachten, vor allem abends und nachts.

Nur, weil es auf den Strassen etwas mehr Platz gebe, heisse das aber nicht, dass man etwa die Tempolimits nicht mehr einhalten müsse, sagt Eymann: «Wir beobachten solche Fälle, müssen jedoch alle warnen: Wir halten unsere Kontrolltätigkeit in einem angemessenen Ausmass aufrecht.»

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