Muttenz

Die Eröffnung des Asylzentrums Feldreben verzögert sich weiter

So soll das Feldreben-Areal zukünftig genutzt werden

So soll das Feldreben-Areal zukünftig genutzt werden

Das alte Deponie-Areal Feldreben darf als temporäres Asylzentrum genutzt werden, sagt der neue Bericht zu den Schadstoffmessungen. Dennoch soll jetzt noch ein toxikologisches Gutachten folgen. Das Zentrum kann daher kaum wie angekündigt ab Ende April in Betrieb genommen werden.

Die ständigen Verzögerungen des Mega-Projekts des Bundes, auf dem Muttenzer Feldreben-Areal ein Registrierungszentrum für Flüchtlinge einzurichten, schienen vor zwei Wochen endlich passé: Als die bz einen Augenschein auf dem Gelände nahm, bestätigte Asylkoordinator Rolf Rossi, dass am 10. März die breite Öffentlichkeit informiert werde. Doch der bereits fest eingeplante Anlass wurde nochmals verschoben – auf unbestimmte Zeit.

Ist Vorgehen verhältnismässig?

Dabei wurde eine Hürde vermeintlich aus dem Weg geräumt: Am Montag schloss das Oltner Ingenieurbüro Sieber Cassina und Partner seinen Schlussbericht zu den neuen Schadstoffmessungen auf dem ehemaligen Deponie-Areal ab. Der Bericht, der der bz bereits vorliegt, bestätigt die positive Einschätzung des Zwischenberichts von vor zwei Wochen: «Es liegt keine Gefährdung für die geplante temporäre Wohnnutzung vor», heisst es in den Schlussfolgerungen.

Grünes Licht möchte der Kanton aber dennoch nicht geben: Recherchen der bz zeigen, dass nun noch ein toxikologisches Gutachten beim Kantonsarzt Brian Martin in Auftrag gegeben wurde. Bis dieses vorliegt, vergehen wiederum ein bis zwei Wochen. Die Inbetriebnahme des Asylzentrums wird unter anderem deshalb nicht wie angekündigt Ende April erfolgen können.

Das stösst auf Kritik: «Das Asylzentrum ist dringend, die Flüchtenden, die in die Schweiz kommen, brauchen einen Platz», sagt Grünen-Landrätin Rahel Bänziger. Die Präsidentin der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission fragt sich, ob das Vorgehen des Kantons, das erste entlastende Gutachten nochmals zu verifizieren, verhältnismässig ist: «Wenn man vor Bomben flüchtet, ist ein sicheres Dach über dem Kopf erst einmal das Wichtigste. Und die Flüchtlinge wären ja nur jeweils ein paar Wochen auf dem Feldreben-Areal.» Bänziger ist selbst Biochemikerin. Ob es das toxikologische Gutachten wirklich noch brauche, könne sie aus der Ferne nicht abschätzen, doch: «Der Kanton sollte nun die Inbetriebnahme des Asylzentrums vorantreiben und nicht auf ein weiteres Gutachten warten. Das kann man ja parallel dazu noch anfertigen.»

Deponiegase festgestellt

Bänziger hat aber eine These: «Es kann sein, dass der Kanton den Schadstoff-Grenzwerten nach all den Diskussionen im Landrat über das verunreinigte Trinkwasser nicht mehr ganz traut.» Das bestreitet Rolf Rossi zwar. Doch fest steht: Der Kanton will auf Nummer sicher gehen. «Wir wollen wegen der hohen Brisanz des Projekts sicherstellen, dass die Werte auch aus der Sicht eines Mediziners für den menschlichen Körper unbedenklich sind.» Kantonsarzt Martin könne dabei auch auf die Hilfe des Toxikologischen Instituts bauen.

So positiv der Schlussbericht des Ingenieurbüros auch ist, es wird durchaus deutlich, dass es sich beim Feldreben um eine ehemalige Deponie handelt. So konnten vor allem in den Untergeschossen Deponiegas-Emissionen nachgewiesen werden. Diese blieben aber jeweils deutlich unter den Grenzwerten der Altlastenverordnung und den Maximalen Arbeitskraft-Konzentrationswerten (MAK). Der Bericht schliesst mit zwei Empfehlungen: Bis das Areal richtig saniert werde – und sanierungsbedürftig sei es durchaus –, solle der «heutige bauliche Zustand der Bodenplatte» nicht verändert werden. Und: «Allenfalls müsste bei einem intensiven Personenaufenthalt in den Untergeschossen dort eine Lüftung eingerichtet werden.»

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