Zwischen Soyhières und Liesberg fängt es an zu ruckeln. Werner Gysin schaut beunruhigt auf: «Das hatten wir auf der Probefahrt nicht, das muss das Getriebe sein.» Doch keine Sorge. Der Reinacher Hobby-Eisenbähnler kann sich wieder auf der 3.-Klasse-Holzbank zurücklehnen.

Die Jungfernfahrt des Nostalgie-Dampfzugs von Delémont nach Laufen verläuft ohne Probleme und auf die Minute genau. Schnaubend zieht die Lokomotive im Rückwärtsgang die angehängten drei historischen Waggons durchs sonnige Laufental. Die Rückfahrt wird sie im Vorwärtsgang bestreiten.

Abfahrt um 12.45 Uhr im historischen Lokdepot «Rotonde» in Delémont, dem Sitz der Historischen Eisenbahngesellschaft, einem Verein aus lauter «Aagfrässene» wie dem Baselbieter Gysin. Ankunft im Bahnhof Laufen um 14.18 Uhr. Dazwischen zwei längere Aufenthalte in Soyhières und Liesberg, welche die geladenen Gäste ausgiebig für Foto- und Videoaufnahmen nutzen: Die Jungfernfahrt der frisch restaurierten E 3/3 «Tigerli»-Dampflok ist ein voller Erfolg. 

2002 erwarb die Historische Eisenbahngesellschaft die 1907 gebaute E 3/3 in nicht betriebsfähigem Zustand und mit einer nachträglich grün gestrichenen Führerkabine. 2005/2006 begann die umfassende Instandsetzung durch die Vereinsmitglieder. Ziel war der exakte Originalzustand des Tigerli zum Zeitpunkt seiner ersten Indienststellung 1908 als SBB-Rangierlok.

Technische Probleme und Verzögerungen

Eigentlich hätte die neuerliche Jungfernfahrt der 35 Tonnen schweren und 500 PS starken Dampflok bereits vor einem Jahr stattfinden sollen. Aber technische Probleme und die Handfertigung benötigter Ersatzteile verzögerten das Projekt immer wieder. Als Mann für alle Fälle erwies sich hierbei der technische Leiter Rolf Lehmann (Täuffelen). Andere wie Werner Gysin legten bei der gleichzeitigen Restaurierung der Waggons Hand an.

Beim Vereinspräsidenten Thomas Pulfer (Lengnau) und seinem Vizepräsidenten Martin Gysin (Möhlin) ist darum neben der Freude über die endlich erfolgte Jungfernfahrt insbesondere auch viel Erleichterung herauszuhören: «Grossartig, dass es endlich so weit ist», sagt Pulfer, als das Tigerli an diesem Samstag auf der Drehscheibe der Rotonde Fahrt aufnimmt, um an die Waggons angekuppelt zu werden. Martin Gysin, beruflich bei den SBB unter anderem für die Ausbildung des Zugpersonals zuständig, ist inzwischen in die historische Tracht eines SBB-Zugführers von 1902 geschlüpft.

Publikumsfahrt am 21. September

Diese Liebe zur Originaltreue ist eines der Markenzeichen der Historischen Eisenbahngesellschaft. Die E 3/3 entspricht jetzt in allen Details ihrem Zustand von 1908 - wohl als einzige der noch existierenden Tigerli. Die Farbgebung wurde entsprechend zurück auf Schwarz über alles geändert. Die Haltestangen am Dampfkessel sind dagegen metallbeschichtet und nicht etwa schwarz übermalt wie bei anderen Loks.

Auf etwa 600'000 bis 700'000 Franken schätzt Präsident Pulfer die Instandsetzungskosten, die der Verein unter anderem durch Spenden und Passivmitglieder (weitere sind jederzeit willkommen) aufgebracht hat.

Nachdem das Tigerli Nr. 8485 seine wieder gewonnene Fahrbereitschaft auf Probefahrten und jetzt der Jungfernfahrt erfolgreich unter Beweis gestellt hat, steht sie auch für öffentliche Fahrtage bereit. Die erste Publikumsfahrt von Delsberg nach Laufen, für die noch freie Plätze erhältlich sind, findet bereits am 21. September 2019 statt. Reservationen und Ticketkauf für die Vormittags- und Nachmittagsfahrt können über die Homepage von SBB Historic vorgenommen werden.

Eisenbahnfans, die sich nicht damit abfinden konnten, dass die «Gedeon Thommen» der Waldenburg-Bahn nur noch ein Ausstellungsstück ist, dürften jetzt zumindest teilweise beruhigt sein: Es dampft wieder im Baselbiet.