Tag der beiden Basel

Die Fête des Vignerons – mit unseren lodernden Chienbäse

Die Fête des Vignerons in Vevey endete am Sonntag so, wie es sich für ein gutes Menu gehört – mit einem Dessert, das noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Schon die Vorfreude war bei den Organisatoren gross, titelten sie doch ihre täglich erscheinende Fest-Zeitschrift «La Gazete» am Sonntag mit den für brauchtumsverbundene Liestaler allerdings schwer verdaulichen Worten «Bâle allume le feu». Viele Einheimische liessen sich das einmalige Spektakel des Gastkantons Baselland denn auch nicht entgehen und marschierten in grosser Zahl auf; Schätzungen differieren zwischen 10'000 und 15'000 Zuschauern.

Und die klatschten, kreischten, pfiffen und grölten, je nach Temperament und Szenerie. Aber nicht nur das Publikum, sondern auch die 88 Chienbäse-Träger und -Trägerinnen und die zwei Handvoll Männer, die drei Feuerwagen zogen, genossen den Ausnahmecharakter des Feuerzaubers im Sommer in der Fremde. Ein in die Region Vevey ausgewanderter Basler gab den Umstehenden zwar zu verstehen, dass das, was sie hier sähen, nur eine Miniaturausgabe des Originals in Liestal sei.

Aber das scherte niemanden und die Stimmung schwappte zwischen ungläubiger und leicht ängstlicher Begeisterung. So riefen zwei ältere Frauen wiederholt «incroyable, incroyable», und ein junger Sanitäter meinte: «So etwas habe ich noch nie gesehen. Ist das nicht gefährlich? Ein Träger könnte ja Feuer fangen.» Auch der Feuerwehrkommandant von Vevey sei skeptisch gewesen, als er den letzten Chienbäse-Umzug in Liestal besucht hatte, erzählen die beiden Tätschmeister Werner Fischer, Präsident der IG Chienbäse und derzeit auch Liestaler Einwohnerratspräsident, und Nic Kaufmann, zweiter Landschreiber und viel gelobter Organisator des Baselbieter Auftritts am Fête des Vignerons.

Für OK-Mitglied erfüllte sich ein Bubentraum

Ausdruck dieser - anfänglichen - Skepsis war, dass der Chienbäse-Umzug in Vevey auf einer breiten Avenue mit vielen Fluchtwegen und beim Feuerwehrmagazin vorbei verlief. Aber die Liestaler hatten einen gewichtigen einheimischen Fürsprecher im OK des Fête des Vignerons. Das gab Nic Kaufmann schon am frühen Nachmittag, als unklar war, ob wegen des Dauerregens überhaupt eine der drei geplanten Veranstaltungen Spectacle, Cortège und Chienbäse-Umzug stattfindet, eine unerschütterliche Sicherheit: «Wenn alles fällt, der Chienbäse findet statt. Es ist ein Bubentraum des OK-Mitglieds, einen Feuerwagen zu ziehen.» Was er dann auch machte und das Publikum nach dem Umzug zu einer Welle anfeuerte.

Der Hauptgang des sonntäglichen Menus fiel allerdings dem Regen zum Opfer. «Le Spectacle», das während der Fête des Vignerons zwischen 18. Juli und 11. August zwanzigmal in der eigens dafür aufgestellten, gigantischen Arena aufgeführt wird, wurde nach mehrmaligem Verschieben ganz abgesagt. Nachgeholt wird die Vorstellung mit Tausenden von Mitwirkenden kommenden Mittwoch.

Dafür blieb die auch immer wieder aufgeschobene Vorspeise auf der Menukarte - der Cortège der Gastkantone Basel-Stadt und Jura. Diese zelebrierten dabei vor allem ihre fasnächtliche Traditionen und die Basler somit auch eine verbindende Auszeichnung mit den Menschen von Vevey: Die einmal pro Generation stattfindende Fête des Vignerons figuriert wie die Basler Fasnacht auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Angeführt wurde der Cortège von «Les Fifres et Tambours de Bâle». Die zwei Dutzend Pfeifer und Trommler spielen am Fête des Vignerons eine spezielle Rolle, die weit über den Cortège hinausgeht: Sie treten auch an allen «Spectacle»-Vorstellungen auf und verhelfen jeweils abends Veveys Altstadt mit ihrem «Gässle» zu einer fasnächtlichen Ambiance.

«Les Fifres et Tambours de Bâle» holten denn zusammen mit Vertretern der «Confrérie des Vignerons» - die historische Bruderschaft ist Organisator des Fête des Vignerons – auch am Sonntag die reich bestückten Ehrendelegationen von Basel-Stadt und Baselland am Bahnhof in Vevey ab und geleiteten sie zur Arena am See. Ihre eigentliche Hauptattraktion für den Cortège mussten die Basler allerdings wetterbedingt zu Hause lassen - die fahrende, tönende, rauchende, stinkende und feuerwerkende Maschinenskulptur «Klamauk» von Jean Tinguely. Die Basler - und auch die Jurassier - liessen sich aber nicht lumpen und warteten mit etlichen zusätzlichen Darbietungen auf.

Fête des Vignerons in Vevey beginnt mit Umzug

Fête des Vignerons in Vevey beginnt mit Umzug

Nach jahrelanger Vorbereitung hat in Vevey VD die Fête des Vignerons begonnen. Auftakt des rund dreiwöchigen Volksfests bildete der Umzug der Winzerbruderschaft am Donnerstagnachmittag. Etwa 7000 Menschen versammelten sich im Städtchen am Genfersee. Die Fête des Vignerons findet nur alle 20 bis 25 Jahre statt, einmal pro Generation. Die bisher letzte Ausgabe wurde 1999 gefeiert.

Animositäten zwischen Stadt und Land

Das Unvermeidliche, wenn Basler und Baselbieter aufeinandertreffen, liess nicht auf sich warten. Basler Stimmen schnödeten darüber, dass das Baselbiet mit seiner zögerlichen Zusage und dem «schmürzeligen» Beitrag – der Landkanton wendete etwa die Hälfte des 100 000 Franken-Budgets des Stadtkantons auf - nur ein halber Gastkanton sei. Und die Ländler kreideten den Städtern an, dass sie auf ihrem Tagesprogramm den abendlichen Chienbäse-Umzug nicht einmal erwähnten.

Die Regierungspräsidenten von Stadt und Land strichen aber das Positive hervor. So sagte Elisabeth Ackermann: «Ich finde es super, dass der Cortège mit den 250 Mitwirkenden stattfinden konnte. Die Basler laufen bei jedem Wetter.» Enttäuscht sei sie über die Absage des «Spectacle». Und ihr Baselbieter Pendant Isaac Reber hob hervor, dass das zusammen Reden, Trinken und Lachen wie am Fête des Vignerons den Zusammenhalt der Schweiz fördere. Sein Fazit: «Es war ein guter Tag. Aber draussen ist man halt abhängig vom Wetter.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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