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Die Grenzregion Basel im Ausnahmezustand

Zollübergang Basel / Weil am Rhein. (Archivbild)

Zollübergang Basel / Weil am Rhein. (Archivbild)

Um 16.35 Uhr erlischt das Stauzeichen auf den digitalen Verkehrsschildern der Osttangente Richtung Deutschland. Wer jetzt zum deutschen Zoll kommt, hat eine Wartezeit von etwa 15 Minuten – weit weniger, als wenn um diese Uhrzeit der normale Pendlerverkehr herrschte.

Das sah Radiomeldungen zufolge am Mittag noch ganz anders aus: Dort war die Rede von kilometerlangen Staus wie schon zuvor am Montag. Auch am Autobahnzoll in Rheinfelden ist der Stau zu diesem Zeitpunkt noch weit grösser. 

«Wir haben vorhin die zweite Spur aufgemacht», erklärt in Basel einer der Bundespolizisten, die als deutsches Pendant zur Grenzwache jeden einzelnen Autofahrer um seine ID bitten. Von hier kann er das Stauende nicht sehen; aber er bemerke die kürzere Wartezeit daran, dass die Autofahrer freundlicher seien als zuvor. Offensichtlich ist am Nachmittag mehr Personal vor Ort: Nun kontrollieren drei Beamte gleichzeitig. Die meisten Fahrzeuge sind Autos mit deutschem Kennzeichen; auch ein polnisches Auto ist darunter. In den wenigen Lieferwagen mit Schweizer Nummernschild sitzen offenbar Grenzgänger, die ihren Dienstwagen mit nach Hause nehmen dürfen – nur einer muss wieder kehrtmachen. Auf der anderen Seite am Schweizer Zoll herrscht gähnende Leere: Nur alle paar Minuten kommt ein Auto angefahren – hier vor allem Schweizer Kennzeichen, wenige deutsche, ein italienisches.

Genehmigung von Eidgenössischer Zollverwaltung in Bern für Fotoaufnahmen

Die Schweizer Beamten sind nervös: Während die deutschen Polizisten vor Ort das Okay geben, Pressebilder zu machen, werden ID und Presseausweis unseres Mitarbeiters über fünf Minuten einbehalten, als er ein Bild von der Schweizer Seite macht. Ohne Genehmigung von der Eidgenössischen Zollverwaltung in Bern dürften keine Bilder gemacht werden, heisst es vom Dienstchef schliesslich – doch die Pressestelle in Bern war den ganzen Tag wegen Überlastung telephonisch nicht erreichbar.   

Schon an anderen Grenzübergängen verhielten sich die Beamten der Grenzwache heute weit strikter als die deutschen Kollegen: Die Grenzwächter geben den Journalisten vor Ort keine Silbe Auskunft, während die deutschen Beamten bereitwillig erklären, wie die Lage aussieht. Auffällig ist aber, dass alle Beamten sehr freundlich mit den Kontrollierten umgehen. Inoffiziell ist vom deutschen Zoll zu hören, dass sich wohl auch die Grenzgänger an das neue Regime gewöhnten: «Es gibt weniger Diskussionen.» 

An den anderen Grenzübergängen des Stadtkantons ist am späten Nachmittag fast gar nichts los: In Riehen-Stetten zum Beispiel sind die Schweizer Grenzwächter arbeitslos, während nach Deutschland vor allem Velofahrer einreisen. Am Hörnli wurde am Montag noch jedes zehnte Auto von den deutschen Beamten zurückgeschickt. Wie überall an den Grenzübergängen in der Nordwestschweiz kommen sowohl deutsche als auch schweizerische Passanten auf ihrer Seite, um sich mal anzuschauen, wie die Lage aussieht. Mittlerweile sind auch sämtliche Grünen Grenzen komplett abgeriegelt, auch der einzige Grenzübergang zwischen Baselland und Deutschland über das Kraftwerk Augst.

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