Ivo Corvini, die Emotionen gehen hoch, seit der Landeskirchenrat den Vertrag betreffend der Fachstelle Katholisch BL.BS gekündigt haben. Hätten Sie mit so einer Aufregung gerechnet?

Ivo Corvini: Aufregung haben wir erwartet. Überrascht hat uns nur die Heftigkeit, denn die Fachstelle stand im Baselbiet immer wieder in Kritik. Überrascht bin ich auch, wenn ich bedenke, dass es manchmal kaum Reaktionen gibt, wenn an einem Ort wirklich Leistungen abgebaut werden. Und hier geht es ja nur um einen Umbau – und nicht um einen Abbau. Wir kriegen aber auch viele positive Reaktionen, weil die Vertragskündigung endlich eine Neukonzeption ermöglicht, die den Bedürfnissen in den Baselbieter Kirchgemeinden besser gerecht wird.

Ein Grossteil der Kritik gilt weniger der Kündigung an sich, als der Tatsache, dass der Landeskirchenrat niemand anderen in die Entscheidungsfindung miteinbezogen hat. Sollten das Bistum und andere pastorale Gremien nicht mitreden können?

Wanda Bürgin: Der Bischofsvikar ist regelmässig als Gast an unseren Sitzungen dabei. An jener, an der wir entschieden haben, weilte er im Ausland. Die Fachstelle und deren Nutzen für uns waren aber immer wieder Thema. Der Entscheid kam also auch für ihn nicht aus heiterem Himmel.

Ivo Corvini: Wenn es um etwas völlig Neues oder einen grösseren Abbau gegangen wäre, hätten wir natürlich eine Vernehmlassung gemacht. Das machten wir ja etwa auch letzten Herbst, als es darum ging, eine neue Organisation für die Öffentlichkeitsarbeit in Baselland und Basel-Stadt aufzubauen.

Und das Fazit der Vernehmlassung war, dass man bei der aktuellen Öffentlichkeitsarbeit bleiben möchte. Ein paar Monate später wird sie nun doch verändert.

Ivo Corvini: Nein, aber viele Baselbieter Kirchgemeinden wollten in der Öffentlichkeitsarbeit eine Verbesserung. Basel-Stadt wollte hier eigene Wege gehen. Bei der Kündigung der Fachstelle geht es ja aber auch um die Fachbereiche Diakonie, Spiritualität und Bildung ...

… und die Öffentlichkeitsarbeit.

Ivo Corvini: Wir haben den Ausgang der Vernehmlassung aus Basel-Stadt akzeptiert und suchen nun deshalb einen Informationsbeauftragten für die Landeskirche Baselland und für die Kirchgemeinden. Die Pastorale können sich wieder eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit aufbauen. In die Neukonzeption wird die pastorale Seite einbezogen. Wir sind auch für die Finanzen zuständig. Und da sagten wir uns: Für die Kosten von 600 000 Franken, von denen wir die Hälfte tragen, muss das Baselbiet deutlich mehr Nutzen haben, als ihn die Fachstelle zurzeit bietet. Das sind wir den Steuerzahlern im Baselbiet schuldig.

Wanda Bürgin: Stadt und Land haben einfach andere Bedürfnisse. Wir haben 32 Kirchgemeinden und 74 000 Katholiken, die sich in den nächsten Jahren auf sieben Pastoralräume verteilen werden. In Basel gibt es jedoch bald nur noch einen Pastoralraum. Und das für 22 000 Katholiken.

Es geht also nur um das Bikantonale, das nicht funktioniert? Es wurde ja auch der Verdacht geäussert, dass der Landeskirchenrat – vor allem Sie als Präsident, Herr Corvini – eine konservative Richtung vertreten, während die Fachstelle eher fortschrittlich ausgerichtet ist.

Ivo Corvini: Und deshalb habe ich die Fachstelle ganz alleine abgeschafft? Die Mitglieder des Rats vertreten die verschiedensten Strömungen, aber alle sind katholisch. Es spielt keine Rolle, welche theologische Einstellung ich habe. Ich bin Jurist von Beruf und ich halte mich in meiner Funktion als Landeskirchenratspräsident an das, was das Gesetz sagt. Zudem wurde die Vertragskündigung auch von progressiven Leuten begrüsst. Beim Landeskirchenrat ist keine theologische Absicht vorhanden, sondern eine geografische auf das Baselbiet und eine nutzenorientierte. Alles andere ist Diffamierung.

Die Steigerung dieses Vorwurfs ist, dass sogar eine persönliche Animosität hinter der Kündigung steckt: Sie, Herr Corvini, sollen sich nicht mit dem Öffentlichkeitsbeauftragten der Fachstelle verstehen.

Ivo Corvini: Ich verstehe diesen Vorwurf schon deshalb nicht, weil nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit bei dieser Fachstelle angesiedelt ist. Wäre es wirklich nur darum gegangen, dass ich mich mit einer Person nicht verstehe, hätte der Landeskirchenrat dem nie zugestimmt. Mir scheint, als würden jene, die den Verlust der Fachstelle bedauern, nun einfach nach jedem Vorwurf greifen, der ihnen einfällt. Es geht gar nicht mehr um die Sache.

Es gibt ja auch Personen, die glauben, Sie hätten extra abgewartet, bis der Bischofsvikar nicht an der Sitzung ist, um über die Kündigung zu entscheiden.

Ivo Corvini: Solche Sachen meine ich. Dem ist absolut nicht so. Die gemeinsame Sitzung mit der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt wurde ja schon vor Monaten vereinbart.

Aber die Erklärung über die Zusammenarbeit von Landeskirchenrat und Bistum hält fest: «Der Landeskirchenrat und die Bistumsregionalleitung wollen die anstehenden Aufgaben auf der Grundlage der offenen und rechtzeitigen Information, der gegenseitigen Konsultation und der gemeinsamen Entscheidungsfindung lösen.» Wurde das nicht verletzt? Der Bischofsvikar wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ivo Corvini: Nein. Wir haben versucht, ihn im Ausland zu erreichen, um ihm den Entscheid mitzuteilen. Wir sind der Ansicht, dass wir das korrekt gehandhabt haben, weil es sich um einen Umbau und nicht einen Abbau handelt. Meines Wissens ist es das erste Mal, dass es da ein Auslegungsproblem gibt, seit die Erklärung vor rund sechs Jahren in Kraft trat. Vielleicht sind wir dieses Mal einer anderen Meinung, das darf auch einmal sein.

Aber Sie glauben nicht, dass das Ihr Verhältnis belasten oder zu einem Vertrauensverlust führen wird?

Ivo Corvini: Nein, wegen einem Vorfall wäre das auch übertrieben. Da sind in den letzten zehn Jahren kritischere Sachen passiert. Wenn ich zum Beispiel an den Fall Sabo denke – der hatte eine grössere Tragweite. Und auch das haben wir überstanden.

Esther Sartoretti, die bis vor Kurzem als Pastoralvertreterin im Landeskirchenrat sass, meinte gegenüber der bz, das sei ein altes Problem. Der Rat übergehe die Pastorale immer wieder.

Ivo Corvini: Drei von sieben Mitgliedern des Landeskirchenrats sind Vertreter des Pastorals. Dass Pastoralvertreter im Landeskirchenrat mitbestimmen dürfen, kennen viele Kantone nicht. Schon deshalb kann ich diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. Bei dieser Abstimmung gab es bezeichnenderweise sogar keine Gegenstimme, und schliesslich stehen auch viele Pastoralvertreter hinter dem Entscheid. Ich frage mich, ob die Pastoralkonferenz mit ihrer Medienmitteilung, welche die Kündigung verurteilt, nicht gegen den Willen vieler ihrer Mitglieder gehandelt hat.