Rock am Bärg

Die Hoffnung versank im Schlamm

Das miese Wetter zwingt die Organisatoren des Festivals «Rock am Bärg» im Schwarzbubenland zur Aufgabe. 2012 war wohl die letzte Ausgabe des Openairs. Schade, denn die Besucher bekamen einiges geboten.

«Dieses Mal muss es klappen, sonst war es das letzte Rock am Bärg.» So äusserte sich Festival-Direktor Pascal Jeker vor dem Open Air in einem Interview gegenüber der bz. Schon am Freitag machte sich bei den Organisatoren Ernüchterung breit: Der Regen drohte, den Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Pünktlich zum Festival-Start öffnete der Himmel seine Schleusen und setzte das Areal in der Nähe des solothurnischen Büsserach im Nu unter Wasser. Auf 800 Zuschauer hatte Jeker für den Donnerstag gehofft. Knapp 1000 fanden den Weg ins Schwalbennest. Dennoch sollte die Rechnung am Schluss nicht aufgehen. Damit wird Jeker wohl einen Schlussstrich unter das Open Air setzen: Die Ausgabe 2012 wird das letzte Rock am Bärg gewesen sein.

Dabei bekamen die Besucher eigentlich einiges geboten: The Tarantinos verbreiteten freitags gute Laune und trotzten der schlechten Wetterlage. Am Samstag kam es aber, was das Wetter angeht, noch dicker: Von sechs bis halb acht Uhr goss es in Strömen am Fusse des Passwangs. Das war mehr, als der gesättigte Boden aufnehmen konnte: Binnen Minuten stand das Wasser vor der Bühne knöcheltief und verwandelte die vormals grüne Festivalwiese in eine riesige Schlammlandschaft. Damit nicht genug: Die Security wies auch Staff-Mitarbeiter an, nicht mit dem Auto bis zum Gelände zu fahren. Ein Bach hatte sich gebildet, der quer über den Platz führte. Eine Katastrophe. Der Regen kam zur ungünstigsten Zeit: «Am Vorabend, das ist genau dann, wenn sich noch viele entscheiden, an den Event zu gehen», ärgerte sich Jeker. Diese fehlenden Ticketeinnahmen entscheiden am Schluss über Erfolg oder Misserfolg. «100 Leute weniger bedeuten, den Konsum eingerechnet, ungefähr ein Minus von 15000 Franken», schätzt er. Obwohl auch am Samstag wieder zirka 1000 Zuschauer kamen, befürchtete er schon jetzt ein Verlustgeschäft.

Dennoch gute Stimmung

Da half auch nicht, dass neben den Bieler Pop-Rockern von Pegasus auch die Lokalmatadoren Famara und die Lovebugs die Zuschauer begeisterten. Während die sanitären Anlagen und die Eventzone immer mehr im Schlamm versanken, sang das Publikum bei den Hits ihrer Stars mit. Ihnen war der Regen und der Schlamm egal. Der 16-jährige Adrian bestätigte: «Der Regen macht mir nichts aus. Ich tobe mich auch im Schlamm aus.» Immerhin: Nach der Show konnte er in einem trockenen Zelt übernachten. Das Camping-Areal war leicht höher gelegen als der Platz vor der Bühne. So floss ein grosser Teil der Wassermassen ab.

Zur gleichen Zeit hatten die Helfer alle Hände voll zu tun, um zu retten, was zu retten war. Mit Stroh versuchten sie die wichtigsten Bereiche trittsicher zu machen. Ein Sattelschlepper wurde organisiert, um beim Parkplatz die Autos aus dem Dreck zu ziehen. Für den Sonntag musste dieser ganz geschlossen werden. Der Traktor wurde für das Material der Bands benötigt. Die Besucher waren angehalten, im Dorf Büsserach zu parkieren, eine Viertelstunde vom Festivalgelände entfernt. Auch die Passwangstrasse war verschlammt, sodass ein Strassenwischer-Auto zum Einsatz kam. Der Landschaden auf dem gepachteten Gebiet ist enorm.

Finanzen begraben Rock am Bärg

Das bedeutet nicht budgetierte Mehrausgaben. Müde und abgekämpft wirkte Jeker. Er vermutet in einer ersten Stellungnahme gegenüber der bz, dass nach dem Festival ein Schuldenberg in fünfstelliger Höhe auf ihn zukommt. Ein Verlust, der auch persönlich schmerzt. «Wir bezahlen das aus dem eigenen Sack», sagt Jeker. Obwohl der Verein haftet und nicht die einzelnen Mitglieder. «Aber das wäre nicht unsere Art.» Dennoch ist die Enttäuschung in Jekers Worten unüberhörbar. «Nach viermal so viel Pech mit dem Wetter lässt sich halt schon eine gewisse Müdigkeit feststellen.» Jeker hadert mit der höheren Gewalt: «Vielleicht will der da oben einfach nicht, dass es ein Rock am Bärg gibt.»

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