Der Landrat führte am Donnerstag die erste ordentliche Sitzung in neuer Zusammensetzung durch. Gleich 25 Politikerinnen und Politiker sind neu im 90-köpfigen Kantonsparlament vertreten. Die bz nimmt den Umbruch zum Anlass, um fünf Neo-Landräte vorzustellen, von denen wir glauben, dass sie den Ratsbetrieb prägen werden. Um Ausgewogenheit zu gewährleisten, stellen wir allen fünf Fraktionen eine Persönlichkeit vor. Zwei Protagonisten, der Prattler Stephan Burgunder (FDP) und der Zwingner Ermando Imondi (SVP), wirken zugleich als Gemeindepräsidenten. Die Landrätinnen Pascale Meschberger (SP) und Meret Franke (Grüne) sind im Kantonshauptort als (ehemalige) Einwohnerrätinnen bekannt. Kein solches Amt hatte oder hat Yves Krebs. Der Oberwiler ist bei den Grünliberalen seit Jahren stark engagiert und in den sozialen Medien omnipräsent.

Die bz stellte bereits 2015 Hoffnungsträger im Landrat vor. Mit den Prognosen lagen wir ziemlich richtig: Die damals wenig bekannte Saskia Schenker (FDP) ist heute Kantonalparteipräsidentin. Am 20. Oktober kandidiert sie für den Nationalrat und hat Chancen auf den zweiten Listenplatz hinter Amtsinhaberin Daniela Schneeberger. Pascal Ryf (CVP) hat sich innert nur einer Legislatur zu einem führenden Bildungspolitiker hochgearbeitet; Lohn ist das Präsidium der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission. Andrea Heger ist bei der kleinen EVP nach dem Rücktritt von Langzeit-Landrätin Elisabeth Augstburger die prägendste Figur. Sie engagiert sich mittlerweile auch im Gemeinderat von Hölstein. Der Laufner Linard Candreia steht bei der SP-Fraktion nicht ganz zuvorderst, fällt im Rat aber oft mit geistreichen Voten auf. Einzig um den ebenfalls vorgestellten Martin Karrer (SVP) ist es ruhiger.

Stephan Burgunder

FDP Der Prattler ist einer der grossen Aufsteiger in der Baselbieter Politik der vergangenen Jahre: Auf Anhieb schaffte der zuvor eher unbekannte Stephan Burgunder im Frühjahr 2016 die Wahl ins Gemeindepräsidium. In der bald ablaufenden ersten Amtszeit hat Burgunder, der eine Stabsstelle bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank innehat, in Pratteln wichtige Entwicklungsprojekte wie Salina Raurica entscheidend vorangetrieben. Bereits zählt er zu den wichtigsten Stimmen unter den Baselbieter Gemeindevertretern. Nun politisiert der 44-Jährige im Kantonsparlament – und wird auch hier kaum stillsitzen können.

Der Freisinnige blüht auf in der Rolle des lösungsorientierten Gestalters und Brückenbauers. «Ich bin kein Parteibüchlein-Politiker, sondern ein Pragmatiker, der sich mit den Leuten an den Tisch setzt und Lösungen erarbeitet», sagt er. Burgunder tickt pointiert bürgerlich, weicht aber schon mal von der Parteilinie ab. Im Landrat will sich Burgunder dafür einsetzen, dass sich Kanton und Gemeinden wieder näher kommen. Auf Kantonsebene sitzt er auch in der neuen Standortförderungskommission sowie in der Konsultativkommission Aufgaben- und Finanzplan. Zudem amtet er als Finanzchef des Eidgenössischen Schwingfests 2022. Mit seinem kommunikativen und bürgernahen Polit-Stil hat es Burgunder in kurzer Zeit weit gebracht. Wir sind gespannt, wohin diese Reise führt. (haj)

Yves Krebs

GLP Der Oberwiler Yves Krebs gefiel sich in der Rolle des Paradiesvogels, der sich in den sozialen Medien mit geistreichen wie provokativen Wortmeldungen gegen links und rechts abgrenzte. Nun sitzt der Grünliberale im Landrat – und ist nicht mehr ganz so frei: Erstmals mit Zwängen eines Parlamentsmitglieds sah sich der Oberwiler an der konstituierenden Sitzung konfrontiert: Fraktionskollege Pascal Ryf (CVP) ermahnte Krebs, mit Krawatte zu erscheinen, mit den Worten: «Wir sind hier nicht bei den Juso.»

Auch inhaltlich muss sich Krebs nun zweimal überlegen, was er sagt: Er unterstützt den Vorstoss von SP-Fraktionschefin Miriam Locher für einen Abbruch der Arbeiten an dem von der SVP geforderten Sozialhilfe-Abbau. Prompt gabs Differenzen mit dem Chef der gemeinsamen CVP/GLP-Fraktion, Felix Keller. Er will nun die Sozialhilfe-Vorlage «seines» Regierungsrats Anton Lauber abwarten. «Ich will mich nicht verstellen. Umgekehrt müssen wir dafür sorgen, dass wir in der Mitte nicht zerrieben werden.» Dass die CVP/GLP-Fraktion angesichts enger Mehrheitsverhältnisse oft das Zünglein an der Waage spielen kann, sei Chance und Gefahr zugleich: «Wir spielen eine wichtige Rolle. Zugleich müssen wir aufpassen, dass wir bei wechselnden Koalitionen am Schluss nicht alle gegen uns haben.» Der Fraktionsvize und GLP-Stratege im Landrat sieht sich mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Akzente wird Yves Krebs sicher setzen können. (haj)

Pascale Meschberger

SP «Komisch, dass ich hier sitze», sagt Pascale Meschberger. Der 45-jährigen Neo-Landrätin scheint es nicht ganz geheuer zu sein, von der bz als Hoffnungsträgerin betitelt zu werden. Meschberger wirkt scheu. Das heisst nicht, dass sie keine klaren Positionen hätte. Die Oberärztin für Chirurgie am Kantonsspital Baselland (KSBL) plädiert für eine «Ein-Standort-Strategie plus». Demnach soll das KSBL «nur» noch in Liestal ein Grundversorgerspital mit den gängigen Disziplinen führen. Bruderholz und Laufen würde sie mit klar definierten Spezialitäten weiterführen. Die Neubau-Idee in Salina Raurica sieht sie kritisch: «Das Spital gehört nach Liestal», sagt Meschberger, die seit 2017 im Einwohnerrat des Kantonshauptorts politisiert und als Co-Präsidentin der lokalen SP amtet.

Pascale ist Tochter des ehemaligen Birsfelder Gemeindepräsidenten und Landrats Peter sowie Landrätin Regula Meschberger. Der Einsatz für jene, die durch die Maschen zu fallen drohen – das stellt bei den Meschbergers seit je die Leitlinie dar. Mutter Regula, die bis 2017 im Landrat mit fein justiertem Kompass politisierte und als Vermittlerin geschätzt war, ist für Pascale ein grosses Vorbild. Keine Frage, dass sie pünktlich zum 20. Geburtstag der SP beitrat. Später hatten lange Zeit Uni und Beruf Priorität. Jetzt, mit 45, ist sie in den Landrat gewählt worden. Mit ihrer zurückhaltend-überlegten Art wird sich Meschberger in der SP-Fraktion Gehör verschaffen. (haj)

Meret Franke

Grüne Als die bz mit Meret Franke am Telefon über ihr neues Amt im Landrat reden möchte, ist der Zeitpunkt ungünstig: Im Hintergrund verlangen die drei kleinen Kinder nach ihrer Mama, Franke muss abhängen. Im zweiten Anlauf sagt die grüne Neo-Landrätin passend zum Thema: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss besser werden, die Schweiz ist noch immer rückständig.» Ihre Tätigkeit als Umweltpädagogin und Gärtnerin sowie ihr Engagement als Präsidentin von Pro Natura Baselland geben die politischen Schwerpunkte vor. Franke will sich für mehr Natur-, Umwelt- und Landschaftsschutz einsetzen. «Wir müssen für unsere Flüsse und Bäche mehr Platz schaffen.» Auch die Vernetzung ökologisch wertvoller Gebiete und eine höhere Biodiversität in Siedlungen sind ihr grosse Anliegen. Die Umweltbildung an Schulen ist eine Herzensangelegenheit. «Kinder sind empfänglich und begeisterungsfähig für Naturthemen. Wichtig ist, dass man im frühen Alter mit der Sensibilisierung beginnt.»

Die 35-jährige Grüne wirkt auf den ersten Blick eher unauffällig, sie vertritt ihre Positionen aber mit viel Verve und Standfestigkeit. Im Polit-Betrieb ihrer Wohngemeinde Liestal ist Meret Franke bereits fest etabliert: Sie politisierte von 2008 bis 2018 im Einwohnerrat, den sie 2015/2016 präsidieren durfte. Es gibt keinen Grund, weshalb Franke nicht auch in der kantonalen Politik so erfolgreich sein sollte. (haj)

Ermando Imondi

SVP «Mal schauen, wie es läuft»: Ermando Imondi blickt – typisch SVPler – mit bodenständiger Lockerheit auf sein neues Amt. Imondi, dessen breiter Berner Dialekt Gemütlichkeit ausstrahlt, kommt nicht verbissen daher. «Ich bin keiner, der ins Kraut schiesst.» Der langjährige Trainer, Sportchef und Präsident des FC Aesch geht dennoch zielstrebig zu Werke. «Auch wenn man das nicht planen kann: Ich hegte schon vor Jahren den Wunsch, im Landrat zu politisieren.» Er ist Leiter eines regionalen Arbeitsvermittlungszentrums und als solcher täglich mit den Themen Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und IV konfrontiert. Er sagt: «Die Motion Riebli geht in die richtige Richtung. Wir müssen in der Sozialhilfe andere Anreize setzen.»

Imondi ärgert sich, dass alles, was die SVP aufs Tapet bringe, bekämpft werde. «Das ist nicht konstruktiv.» Obwohl sich Imondi eher am rechten Rand der SVP sieht, sei er einer, mit dem man reden könne. Seit 2015 ist der 57-jährige Gemeindepräsident von Zwingen, seit 2012 gehört er dem Gemeinderat an. «In einem Dorf kannst Du nicht stur Parteipolitik betreiben, sonst erreichst Du nichts.» Im Landrat werde er versuchen, mit gezielten und koordinierten Impulsen Einfluss zu nehmen: «Ein Vorstösse-König will ich nicht sein». Ob sich Imondi so zu einem Leader in der SVP aufschwingen kann, ist noch unklar. Seine strukturierte Art und die Erfahrung auf Gemeinde-Ebene sprechen dafür. (haj)