Rücktritt

Die Integrationsfigur der Freisinnigen tritt ab: Saskia Schenker widmet sich fortan den Basler Firmen

Als Parteichefin tritt sie zurück, doch Baselbieter Landrätin bleibt Saskia Schenker.

Als Parteichefin tritt sie zurück, doch Baselbieter Landrätin bleibt Saskia Schenker.

Saskia Schenker, 41, wird im August als Chefin der Baselbieter FDP aufhören. Wer auf sie folgt, ist völlig offen. Die Fusstapfen sind gross.

Als Glücksfall für die Baselbieter FDP wurde sie gelobt – und das nicht nur von politischen Freunden. Nun hat sie ihren Rücktritt als Parteichefin angekündigt: Saskia Schenker will nach gut zwei Jahren an der Spitze der Kantonalpartei Ende August das Zepter abgeben, wie sie gestern in der Neujahrsmitteilung bekannt gab. Der Schritt kommt nicht überraschend: Anfang Woche trat die Politikwissenschaftlerin und Volkswirtin ihre Stelle als Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel an; angekündigt wurde dies bereits vor einem Jahr.

Eine Doppelfunktion als Verbands- und Parteichefin ist zwar formell möglich. Dennoch reifte in den vergangenen Monaten der Entscheid, das FDP-Präsidium aufzugeben. Das sei ihr nicht leicht gefallen: «Ich übe dieses Amt immer noch mit riesiger Freude aus», betont Schenker. Man glaubt ihr das aufs Wort. Mit dem Verzicht aufs Parteipräsidium werde sie ihre Rollen besser unter einen Hut bringen und sich freier äussern können, räumt sie ein.

Schenker verschwindet ohnehin nicht von der politischen Bildfläche: Die 41-Jährige verbleibt im Baselbieter Landrat, in den sie 2015 gewählt wurde. Und sie bleibt Präsidentin der FDP Sissach, die sie bereits seit 2013 leitet. «Meinen politischen Weg würde ich nicht für einen Beruf aufgeben», stellt Schenker klar.

Disziplinierte Schenker folgte auf chaotischen Hofer

Der Rücktritt Schenkers dürfte viele schmerzen: «Ein herber Verlust, Saskia Schenker hat die Baselbieter FDP mit viel Sensorium und Empathie geführt», kommentierte ihr Binninger Partei- und Landratskollege Sven Inäbnit auf Twitter. «Ich hätte gern mit Dir weitergemacht», liess Landrat Marc Schinzel auf demselben Kanal verlauten. Und der Arlesheimer Balz Stückelberger betont, dass die Partei heute in einem sehr guten Zustand sei. «Das ist ein Verdienst von Saskia.»

Schenker, in Reinach aufgewachsen und in Itingen wohnhaft, hat die Partei zum Jahreswechsel 2018/ 2019 Knall auf Fall und zunächst interimistisch von Paul Hofer übernommen. Ihr Vorgänger hatte die FDP während seiner gut einjährigen Amtszeit zwar personell erneuert, aber glücklos, ja chaotisch geführt. Mit Schenker an der Spitze sei Ruhe und Kontinuität in die durchgeschüttelte Partei zurückgekehrt, sagt der Birsfelder Christof Hiltmann.

Dank eines transparenten und umsichtigen Führungsstils stieg sie beim Baselbieter Freisinn innert Kürze zur Integrationsfigur auf. Kritisieren kann man an der stets top vorbereiteten und disziplinierten Schenker nur eines: Dass man sie nicht kritisieren kann. Sprich: sie hat kaum Ecken und Kanten.

Eben angetreten, führte Schenker die Partei in die kantonalen Wahlen 2019. Im Landrat konnte die FDP ihre 17 Sitze halten. Ein Erfolg, wenn man die Verluste in anderen Kantonen in Betracht zieht. Bei den Wahlen im Herbst konnten die Freisinnigen den Nationalratssitz problemlos halten und trotz grüner Welle gar Wähler gewinnen. Daran Anteil hatte Schenker selber.

Sie erzielte auf der siebenköpfigen FDP-Liste auf Anhieb das zweitbeste Resultat und wäre damit erste Nachrückende. Allerdings schaffte sie es in ihrer Funktion als Parteichefin nicht, Kollegin und Nationalrätin Daniela Schneeberger gegen die Grüne Maya Graf ins Stöckli zu hieven, was sie als schmerzhafteste Niederlage ihrer Präsidiumszeit bezeichnet.

Zunehmende Distanz zur Wirtschaftskammer Baselland

Schenker prägte die von Hofer eingeleitete Neuausrichtung der Baselbieter FDP: Diese galt zuvor als wirtschaftsliberal-konservativ und personell eng mit der Wirtschaftskammer verflochten. Dass sie einst selbst für den mächtigen Dachverband des Baselbieter Gewerbes tätig war, sorgte zunächst für Missverständnisse. Doch Schenker ging – obwohl inhaltlich wirtschaftsliberalen Werten verpflichtet – spürbar auf Distanz zur Wirtschaftskammer, die sie zunehmend als Hypothek für die Entwicklung der Partei ansah.

Wer auf Schenker folgt, ist offen. Aufdrängen tut sich niemand, bei etlichen Granden sprechen berufliche oder andere Gründe gegen das aufwändige Präsidium. Möglich, dass auch bei der FDP eine junge, wenig bekannte Kraft das Ruder übernimmt. Eine Findungskommission soll nach dem Parteitag vom 20. Januar die Arbeit aufnehmen. Dank der frühen Ankündigung hat die FDP nun immerhin genügend Zeit. Auch diesen Schritt hat Strategin Schenker gewissenhaft vorbereitet.

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