Liestal

Die Kindertagesklinik kann sich langsam aufrappeln

Manchmal siehts in der Kindertagesklinik aus wie in einer normalen Praxis: Dienstarzt Walter Perniceuntersucht den kleinen Mateo, der sich am Kinn verletzt hat. Martin Töngi

Manchmal siehts in der Kindertagesklinik aus wie in einer normalen Praxis: Dienstarzt Walter Perniceuntersucht den kleinen Mateo, der sich am Kinn verletzt hat. Martin Töngi

Vor zwei Jahren war sie am Boden, jetzt versucht es die Kindertagesklinik im Oris mit neuen Angeboten. Neuerdings ist sie auch am Wochenende geöffnet und hat ihr Therapieangebot erweitert

Um die Kindertagesklinik in Liestal (KTK) ist es still geworden seit dem grossen Knall vor zwei Jahren, als der medizinische Leiter samt einem Grossteil der Crew die Institution verlassen hat.

Ruhig ist es auch bei unserem Besuch an einem Mittwochnachmittag in den 800 Quadratmeter grossen Räumlichkeiten mitten im Gewerbegebiet im Oristal: Mit Ausnahme eines Behandlungszimmers sind die Räume vom Wartezimmer bis zum Operationssaal leer. «Wir haben noch freie Kapazitäten», sagt Geschäftsführer Werner Durrer wenig überraschend, fügt aber im gleichen Atemzug bei: «Wir starteten nach dem Eklat vor zwei Jahren praktisch bei null und haben in den letzten Monaten massiv zugelegt. So hat sich die Klientele seit vergangenem Dezember verdoppelt.»

Konkrete Zahlen will Durrer allerdings keine nennen. Er zeigt sich überzeugt, dass das Grundkonzept der über 18 Jahre alten Kindertagesklinik nach wie vor seine Berechtigung hat. Durrer: «Unsere Klinik ist als Ambulatorium ein Zwischenglied zwischen den Arztpraxen und dem Kinderspital. Wir haben mehr Diagnostikmöglichkeiten als ein Kinderarzt und können die behandelten Kinder über mehrere Stunden hierbehalten. Und wir sind viel günstiger als ein Spital.»

Zahnbehandlung für Behinderte

Die KTK funktioniert nach dem Belegarztsystem. Das heisst, externe Ärzte führen an der Klinik Wahleingriffe wie zum Beispiel Operationen von Leistenbrüchen oder Phimosen durch. Zudem hat jeweils ein Arzt Tagesdienst, um Kinder mit akuten Erkrankungen oder Verletzungen zu behandeln, deren Eltern entweder aus eigenem Antrieb oder auf Zuweisung eines Arztes in die KTK kommen.

Die medizinische Verantwortung liegt seit April beim deutschen Kinderarzt Andreas Kreft. Er arbeitete zuvor als Oberarzt im Bereich Neonatologie und Sozial-Pädiatrie in einem dänischen Regionalspital. Kreft ist somit unbelastet von den früheren Querelen in der KTK und sagt: «Ich gebe mir Mühe, im lokalen ärztlichen Netzwerk Fuss zu fassen. Die KTK, die früher fachlich nahezu isoliert war, soll Teil dieses Netzwerks werden.»

Derzeit ist die KTK mit 360 Stellenprozenten für Geschäftsführer, Pflegende und Administration bestückt, die Ärzte sind nicht fix angestellt. Kinder, bei denen ein Eingriff vorgenommen wurde, können bis zum Abend in der Klinik bleiben, danach gehen sie heim; nachts ist die KTK nicht besetzt, dafür neuerdings am Wochenende. «Wir positionieren uns neu», sagt Kreft zu den erweiterten Öffnungszeiten und verweist auch auf die neue Möglichkeit, Neugeborene mit Verdacht auf Gelbsucht zu untersuchen und zu behandeln. Um die teils brachliegende Infrastruktur besser zu nutzen, hat die KTK ihr Spektrum erweitert. Dazu sagt Geschäftsführer Werner Durrer: «Wir führen Zahnbehandlungen bei behinderten Erwachsenen durch. Das ist erfreulich gut angelaufen.»

Für Kinderärzte ein Auslaufmodell

Als «überholt» bezeichnet der Birsfelder Kinderarzt Roland Laager, Co-Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Regio Basel, das bisherige Konzept der Kindertagesklinik: «Diese Klinik ist als Folge der zunehmenden Spezialisierung und dem ambulanten Angebot in den Kinderarztpraxen ein Auslaufmodell.» Und wenn es die Anästhesie brauche, so fügt Laager bei, stehe mit der Tagesklinik des Universitätskinderspitals beider Basel (UKBB) eine «hervorragend funktionierende» Einrichtung mit Spezialisten vor Ort zu Verfügung.

Auch bewähre sich der vor drei Jahren eingeführte Notfalldienst von Kinderärzten am UKBB. Dort könne nicht nur die Infrastruktur des Spitals genutzt werden, sondern Kinder, denen es schlecht gehe, könnten direkt weitergegeben werden. Zwar sei der Weg aus dem Oberbaselbiet ins UKBB etwas weit, trotzdem würden Ärzte aus diesem Raum nur «in einem geringen Mass» auf die Liestaler Kindertagesklinik ausweichen, sagt Laager.

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