Sportanlagen

Die Kunstrasen und die Krux mit den Körnern

Viele Kunstrasenfelder kommen in die Jahre und müssen ersetzt werden. Die Produkte sind betreffend Umweltverträglichkeit und Spielkomfort umstritten.

Die erste Generation Kunstrasenfelder im Kanton Baselland, die zwischen 2005 und 2011 auch aus Geldern des Kantonalen Sportanlagen-Konzepts (Kasak) finanziert wurden, kommt in die Jahre und wird nach und nach ersetzt. Flachgedrückte Halme und Risse beeinflussen das Spiel und die Sicherheit negativ. Die Anbieter werben um die Gunst der Vereine und Gemeinden und versprechen dabei eine laufend bessere Qualität. Die Halme der Kunstrasen kämen jenen von Naturrasen immer näher, wodurch sich das Verhalten des Balls und das Laufgefühl darauf immer mehr angleichen.

Die wichtigste Entscheidung neben der, ob überhaupt ein Kunstrasen ersetzt oder sogar neu gebaut werden soll, ist die Wahl zwischen einem verfüllten oder einem unverfüllten Kunstrasen. Verfüllte Kunstrasen sind mit Granulatkörnern aus Kautschuk gefüllt. Unverfüllte bestehen nur aus dem grünen Kunstgras. Der Weltfussballverband Fifa plädiert für die verfüllte Variante. «Fussballer sagen, sie kämen dem natürlichen Rasen näher», erklärt Kuno Cereda, Chef der Spielplatzkommission des Fussballverbands Nordwestschweiz. Das Granulat wirke für den rollenden Ball als Widerstand, wodurch dieser weniger schnell rolle.

In Zukunft Kork statt Kautschuk?

Am meisten ärgern sich wohl Eltern der fussballspielenden Kinder über verfüllte Kunstrasen. Nach einer Grätsche gelangen schon mal einige Körner in die Unterhosen und am Ende in die Wohnstuben. Das Thema ist aber ernst: In den Schweizer und deutschen Boulevardzeitungen wurde kürzlich über den «Umwelt-Killer Granulat» und die Kunstrasen als «Umweltsünde» berichtet. Denn die Kautschukkörner gelangen über die Fussballplätze in die Umwelt. Auch deren Entsorgung gestaltet sich schwierig.

Die Umweltverträglichkeit war auch in Muttenz bei der Auswahl des neuen Kunstrasens anlässlich der Sanierung des bestehenden Feldes mitentscheidend, verrät Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne). «Wir haben uns aus Umweltgründen für einen unverfüllten Kunstrasen entschieden.» Die Granulatkörner müssen in regelmässigen Abständen nachgefüllt werden. Der Muttenzer Kunstrasen befindet sich in Waldnähe. «Die Reinigung der heruntergefallenen Blätter im Herbst wäre mit Granulatkörnern um ein Vielfaches aufwendiger und schwieriger», betont Hausammann.

Die Hersteller sind sich der Probleme bewusst. Seit wenigen Jahren kommen in der Schweiz erste Kunstrasenfelder mit natürlichem Korkgranulat zum Einsatz. Die Stadt Liestal spielte beim aktuellen Ersatzbau des Kunstrasens auf dem Sportplatz Gitterli (siehe Kasten unten) ernsthaft mit dem Gedanken, auf Kork statt auf Kautschuk zu setzen, verrät Martin Strübin, Bereichsleiter Betriebe. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit Kautschuk und den noch nicht vorhandenen Langzeiterfahrungen mit Kork entschied sich die Stadt Liestal wiederum fürs Kautschukgranulat. Es sei nicht klar, wie sich das natürliche Produkt Kork über eine lange Zeitdauer verhält, erklärt Strübin. Es könne auch sein, dass bei Starkregen das Korkgranulat aufgrund seines tiefen Gewichts weggeschwemmt werde. Am Ende entschieden aber auch die Kosten für die herkömmliche Variante, gibt Strübin zu.

So umstritten Kunstrasenfelder betreffend Umweltverträglichkeit und Spielkomfort sind, so eindeutig ist deren Bedeutung für die lokalen Fussballvereine. «Der Fussballbetrieb wäre in dieser Form und Menge das ganze Jahr hindurch ohne Kunstrasen nicht mehr möglich», sagt der Muttenzer Gemeinderat Joachim Hausammann. Der SV Muttenz fahre an gewissen Abenden sogar in drei Schichten, um alle Trainings durchführen zu können. «Gerade im Winter, wenn die Naturrasen gesperrt sind, ist der Kunstrasen essenziell.» Weil die Fussballer so auch im Winter draussen trainieren können, reduzierte sich der Druck auf die Turnhallen, wovon auch die anderen Vereine profitierten.

Im Jura gibts keinen Kunstrasen, und im Aargau sind sie rar

Dank den Kunstrasenfeldern konnten Baselbieter Vereine Wartelisten abbauen, die aufgrund der Fussballeuphorie nach der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland entstanden, und wieder Kinder und Jugendliche aufnehmen, erinnert sich der Baselbieter Sportamt-Leiter Thomas Beugger. Heute hat es im Kanton Baselland 22 Kunstrasenfelder für Aktive und Kinder. Diese sind auch ausserhalb des Kantons begehrt. Im Kanton Jura gibt es gar kein Kunstrasenfeld zum Fussballspielen, im Fricktal hat nur der FC Frick eines. So weicht zum Beispiel der Möhliner NK Pajde im Winter jeweils per Miete auf den Kunstrasen des FC Frenkendorf aus.

Auf Gelder des Kantons können die Baselbieter Gemeinden bei der Sanierung ihrer Kunstrasenfelder allerdings nicht hoffen. Vereine, die selber einen Kunstrasen erstellen und auch betreiben, werden wie jüngst der FC Laufen über den Swisslos Sportfonds des Kantons unterstützt. Zudem gibt es Stimmen, die eine vierte Tranche an Kasak-Geldern fordern.

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