Pro Natura

Die Landschaften im Laufental sind ein natürliches Juwel der Region

Einer Perlenkette gleich schnürte Dieter Thommen vor ein paar Tagen vor einem grösseren Publikum in Zwingen die wichtigsten Naturwerte des Laufentals auf. Anlass seines Dia-Vortrags war die Auflösung und Überführung der Untersektion Pro Natura Laufental in den kantonalen Verband.

Thommen war vor 33 Jahren erster Präsident der neu gegründeten Regionalsektion im damaligen Kanton Bern und ist überzeugt, dass das Baselbiet mit dem Laufental ein Juwel in Sachen Naturwerten erhalten hat, das wahrscheinlich die Spitzenstellung unter den Bezirken einnehme.

Der 63-jährige Gymnasiallehrer für Biologie und Geografie hat mehrere Erklärungen dafür: Geografisch verfüge das Laufental über ganz verschiedene Lebensräume von der Flusslandschaft der Birs bis zu den Felsbändern des Faltenjuras. Bevölkerungsmässig habe das Laufental, solange es zum Kanton Bern gehörte, im Gegensatz etwa zum Ergolztal kaum Zuwanderung aus Basel erhalten und sei lange dünn besiedelt geblieben.

Nationale Bedeutung

Und von der Wirtschaftsgeschichte her habe die Region zwei Eigenheiten, die sich positiv auf die Vielfalt ausgewirkt habe: «Das Laufental war lange stark verankert im steinverarbeitenden Gewerbe, womit neue Lebensräume wie Steinbrüche und Lehmgruben geschaffen wurden. Und die grossflächigen Weidegebiete am Südfuss der Blauenkette wurden nicht nur von den lokalen Bauern, sondern auch von Viehhaltern im Mittelland genutzt.» Dadurch seien die Weiden nicht zugewachsen, aber auch nicht zu intensiv bestossen worden.

Das Resultat dieser Nutzung sind vier Lebensräume von nationaler Bedeutung: Die Magerweiden von Blauen, Dittingen, Liesberg und Nenzlingen. Wobei der Schutzstatus der Weiden unterschiedlich und teils mangelhaft ist, wie die kürzliche Regierungsantwort auf eine Interpellation von Elisabeth Augstburger (EVP) im Landrat zeigte. Von der Artenvielfalt her am bedeutendsten sei die Dittinger Weide, sagt Thommen. Sie verfüge über rund 500 Blütenpflanzen, darunter 26 Orchideenarten und Baselbieter Exklusivitäten wie das Katzenpfötchen sowie viele Tagfalter, Heuschrecken und Wanzen.

Reiche Tierwelt

Die Dittinger Weide weist zudem ein höchst selten gewordenes Überbleibsel aus alemannischer Zeit auf: Die Weide wird mit einem Etter – einem Lebhag aus Sträuchern und Bäumen – vom Dorf abgegrenzt. Damit wurde vermieden, dass sich das weidende Vieh auch an den dörflichen Gemüsegärten gütlich tat. Zu den weiteren Naturwerten des Laufentals zählt Thommen Felsstandorte wie den Löffelberg (Liesberg), den Bärenfels oder die Falkenfluh (beide Duggingen), wo noch Wanderfalke und Uhu vorkommen.

Überhaupt ist die Tierwelt reich im Laufental und umfasst nebst den gängigen Arten auch Luchs, Wildkatze, Feldhase, Gemse und Juraviper. Und bei Duggingen hat kürzlich der Biber an die Pforte des Tals geklopft. Der Nager findet birsaufwärts und in der Lützel einige geeignete Lebensräume vor, sobald er sich auf den Weg macht und das Kraftwerk Laufen bibergängig wird.

Besonders gut gefallen dürfte dem Biber die Steinrieselmatte auf dem Gemeindegebiet von Brislach. Sie entstand vor wenigen Jahren als Kompensation für die Eingriffe beim Bau der neuen Gasleitung und ist inzwischen für Pro-Natura-Baselland-Geschäftsführer Urs Chrétien «die schönste Aue im Kanton». Thommen verweist noch auf ein spezielles Juwel unter all den Laufentaler Naturjuwelen: «Liesberg ist die kostbarste Gemeinde. Sie hat mit ihren Weiden, Feuchtgebieten und Felsen die grösste Vielfalt. Und dort läuft auch eines der wichtigsten Tagfalterprojekte mit dem sehr seltenen Ameisenbläuling.»

«Wir sind obsolet geworden»

Für Thommen ist klar: Die jetzt aufgelöste Pro Natura Laufental hat mit ihren unzähligen Pflegeeinsätzen und ihren Bemühungen für Unterschutzstellungen von Magerwiesen und Gruben einen wichtigen Anteil daran, dass das Laufental mit seinen Naturwerten top ist. Dabei hebt er besonders die Verdienste der frühere Präsidentin und Naturschutzpreisträgerin Pia Steg und des ehemaligen Revierförsters Paul Kümin hervor.

Aber auch die Politik hat für Thommen ihre Meriten: «Aus Sicht des Naturschutzes war der Kantonswechsel ein Segen. Denn die Mittel waren im grossen und vielfältigen Kanton Bern mit all den Kostbarkeiten im Alpenraum zu gering für die Schaffung mehrerer Schutzgebiete im Laufental. Fürs Baselbiet waren viele unserer Naturwerte aber Juwelen und wurden unter kantonalen Schutz gestellt.»

Und weil in Baselland alles inklusive Pro Natura viel zentralistischer als im föderalistischen Bern organisiert sei, brauche es die Laufentaler Untersektion nicht mehr. Dies, obwohl der Natur Gefahren vor allem im Zusammenhang mit dem Siedlungsdruck drohten. Thommen: «Wir sind schlicht obsolet geworden.»

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