Kantonsspital Baselland

Die Laufentaler sind bereit, ihr Spital zu opfern

Das traditionsreiche Spital, das sich seit 1953 am aktuellen Standort an der Lochbruggstrasse befindet, steht vor dem Aus.

Das traditionsreiche Spital, das sich seit 1953 am aktuellen Standort an der Lochbruggstrasse befindet, steht vor dem Aus.

Der Standort des traditionsreichen Spitals ist nicht mehr sakrosankt. Für Politiker ist ein Umzug an einen zentraleren Ort in Laufen denkbar.

Das Spital Laufen feiert in diesem Jahr sein 150-Jahr-Jubiläum. Der Stifter des Krankenhauses, Joseph Feninger, wurde kürzlich im 5500-Einwohner-Städtchen mit einer eigenen Strasse gewürdigt. Bei der Einweihung war vielen Laufnerinnen und Laufnern jedoch überhaupt nicht nach Feiern zumute.

Denn das traditionsreiche Spital, das sich seit 1953 am aktuellen Standort an der Lochbruggstrasse befindet, steht vor dem Aus. Nach der gescheiterten Spitalfusion beider Basel ist «Laufen» mehr denn je infrage gestellt.

Die Verantwortlichen des Kantonsspitals Baselland (KSBL) würden den Standort Laufen am liebsten schliessen. Dies geht aus den zwei favorisierten Varianten zur Zukunftsplanung hervor, welche die Spitalspitze vergangene Woche der Baselbieter Regierung unterbreitet hat. Als Ersatz für das Spital mit seinem stationären Angebot soll eine ambulante Anlaufstelle für die Bevölkerung aufrechterhalten bleiben. Denkbar ist ein Ärztezentrum an einem zentraleren Standort – etwa in der Nähe des Laufner Bahnhofs. Die Baselbieter Regierung wird im Herbst bekannt geben, wie die Zukunft des KSBL aussehen soll.

Der ausgehandelte Deal soll auch künftig gelten

Eine Schliessung des Spitals Laufen wird dabei immer wahrscheinlicher. Bevor der Kanton seine Pläne offenbart, kommt es im August zu einer ersten Besprechung einer Laufentaler Delegation mit Vertretern der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion von Regierungsrat Thomas Weber.

Der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof (CVP), welcher der Delegation vorsitzt, tönt an, wie die Verhandlungen aussehen werden: «Wir werden klarmachen, dass wir am Konsenspapier, das wir im Vorfeld der Abstimmung über die Spitalfusion mit dem Kanton und dem KSBL ausgehandelt haben, auf jeden Fall festhalten.»

In besagtem Papier, das vom Landrat in einer separaten Vorlage genehmigt wurde, sind in Laufen neben der Schaffung eines Ärztezentrums der Fortbestand eines stationären und eines ambulanten Angebots festgehalten. So sollen Patienten auch künftig Leistungen der stationären inneren Medizin in Anspruch nehmen und etwa eine Lungenentzündung oder eine Herz-Insuffizienz behandeln lassen können. Das ambulante Angebot umfasst laut Papier eine 24-Stunden-Notfallversorgung sowie Notfalltransporte.

Trotz der Forderungen stellt Stadtpräsident Imhof aber auch klar: «Wo diese Leistungen angeboten werden, ist mir letztlich egal.» Für die Patienten sei es unerheblich, ob sie ins Spital am derzeitigen Standort oder anderswo in Laufen gehen. Würden die Leistungen an einem zentraleren Ort – etwa in Bahnhofnähe – angeboten, könnte dies sogar Vorteile haben.

Richterich kritisiert das Vorgehen der Regierung

Ins gleiche Horn stösst Rolf Richterich. Der ehemalige Laufner Landrat und FDP-Fraktionschef war ebenfalls an den Verhandlungen mit dem Kanton und dem KSBL beteiligt. Er sagt: «Unter dem Angebot, das wir definiert haben, geht es nicht.» Wenn es nach ihm geht, hätte die Regierung direkt kommunizieren sollen, wie ihre Pläne aussehen, ohne Varianten des KSBL einzuholen: «Das Vorgehen des Regierungsrats ist völlig hilflos», findet Richterich.

Der Laufner CVP-Landrat Marc Scherrer räumt ein, «dass das Spital Laufen nicht ideal gelegen ist». Ein Umzug an einen anderen, zentraleren Standort in der Nähe des Bahnhofs oder in der Altstadt könnte vor allem für ältere Personen von Vorteil sein. Er und seine Laufentaler Landratskollegen seien bereit, über das Gebäude, in dem die Leistungen angeboten werden, mit dem Kanton zu diskutieren.

Es stehen harte Verhandlungen bevor

Die Aussagen der Laufentaler Politiker werfen ihre Schatten auf harte Debatten mit dem Kanton voraus. Die Delegation aus dem jüngsten Baselbieter Bezirk hat nicht vor, das nach langen Verhandlungen erarbeitete Konsenspapier über Bord zu werfen. Dies, obwohl nach der abgelehnten Kantonsfusion neue Verhältnisse herrschen und rein formell die vom Landrat abgesegnete Spezial-Vorlage für Laufen nicht mehr gültig ist.

Der Standort des Spitals Laufen an der Lochbruggstrasse – das ist ebenso klar – ist für die Laufentaler allerdings nicht mehr sakrosankt.

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