Baselbieter Jungpolitiker

Die linke Hochburg bringt bürgerliches Polit-Talent ans Licht

Hier hat alles begonnen: BDP-Politiker Filip Winzap vor dem Gymnasium Münchenstein. Nicole Nars-Zimmer

Hier hat alles begonnen: BDP-Politiker Filip Winzap vor dem Gymnasium Münchenstein. Nicole Nars-Zimmer

Längst nicht die ganze Jugend ist politverdrossen. Einer der engagierten Jugendlichen aus dem Baselbiet ist Filip Winzap. Mit seiner klar bürgerlichen Haltung befand sich der 23-Jährige am Gymnasium Münchenstein in der Minderheit.

Wir treffen Filip Winzap vor dem Gymnasium Münchenstein. In engen Bluejeans, zitronengelben Converse-Schuhen und in einem modischen Schal lehnt er lässig an einer Mauer vor seiner ehemaligen Schule und erledigt Mails auf dem iPad. Wir reiben uns verdutzt die Augen: So hätten wir uns den BDP-Jungpolitiker nicht vorgestellt.

Der Student an der Hotelfachschule Luzern absolviert derzeit ein Praktikum im Grand Hotel Kempinski Des Bains in St. Moritz. Der Nobelskiort sei im November ein verschlafenes Nest in den Alpen. «Während der Saison geht in den Clubs der Hotels die Post ab – da kann es keine Schweizer Stadt mit St. Moritz aufnehmen», schwärmt er. Der 23-Jährige hat spürbar Spass an seinem Job im Fünfsternehotel.

Vor St. Moritz arbeitete er über ein Jahr im «Les Trois Rois» in Basel. Winzap zöge es nach München, Berlin. Dubai und Singapur locken ebenfalls – wäre da nicht die Politik, die ihn im Baselbiet hält. Jeweils an freien Tagen reist er dafür – und für Familie und Freunde – aus dem Engadin ins Unterland.

Neue Partei erleichterte Aufstieg

Damit sind wir bei der BDP. Die Partei von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf steht für Ausgleich und Anstand, gilt als bodenständig und etwas behäbig – ein Grund, weshalb sie bisher in den Städten nicht richtig Fuss fassen konnte. Was hat ein urban wirkender Jugendlicher aus Basels Agglomeration in der BDP verloren?

Filip Winzap räumt ein, dass die Möglichkeit, eine neu gegründete Partei mit aufzubauen und zu gestalten eine Rolle bei der Wahl gespielt habe. Als Ende März 2010 die Baselbieter BDP gegründet wurde, war der damals 19-Jährige bereits als Vorstandsmitglied an Bord. Bei einer der traditionellen bürgerlichen Parteien wäre das für ihn ungleich schwieriger gewesen. Seit 2012 ist Winzap Präsident der Jungen BDP Schweiz – und damit derzeit der einzige nationale Parteichef aus der Region Basel.

Bruch mit SVP bei Blocher-Abwahl

Winzap ist in Münchenstein aufgewachsen, die Mutter stammt aus dem Oberbaselbiet, der Vater aus dem Bündner Oberland – was bei gutem Hinhören aus Winzaps Dialekt-Mischmasch herausgehört werden kann. Er hat einen bekannten Bündner Cousin – CVP-Nationalrat Martin Candinas. Sein familiäres Umfeld bezeichnet er als gemässigt bürgerlich.

Seine Bündner Bande hätten sicher dazu beigetragen, dass die BDP ihm von vornherein zumindest nicht fremd erschienen sei. Schliesslich hat die Partei ihre Wurzeln in Graubünden, wo es nach der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember 2007 zum Bruch zwischen kantonaler und nationaler SVP gekommen war. Auch zum Bruch kam es zwischen dem damals 16-jährigen Münchensteiner Gymnasiast und der SVP, deren Ansichten er zuvor grösstenteils geteilt hatte. «Ich fand es zwar falsch, Bundesrat Christoph Blocher abzuwählen. Noch viel schockierender war für mich aber, wie undemokratisch die SVP reagiert hat.»

Winzap bezeichnet sich als klar bürgerlich. Mit dieser Haltung befand er sich am Gymnasium Münchenstein, dem nachgesagt wird, eine linke Hochburg zu sein, zwar nicht alleine, aber doch in der Minderheit. Dennoch lobt er das politisierende Umfeld am Gym – etwa den Kurs «Debattieren», in welchem Winzap, der an der Schule den Ruf eines «Schnuri» hatte, seine Stärken ausspielte.

Die Anspruchshaltung der Linken gegenüber dem Staat geht ihm auf den «Geist», wie er sagt: «Ich bin klar der Meinung, dass grundsätzlich jeder Mensch in unserer Gesellschaft für sein Tun und Lassen selbst die Verantwortung trägt.» Selbstverständlich richtig sei, dass der Staat die Schwachen schütze und korrigierend eingreife, wenn etwas nicht in die von der Gesellschaft gewünschten Richtung laufe.

Ohne ideologische Scheuklappen

Trotz dieser klaren Positionierung kennt Winzap keinerlei Berührungsängste nach links: Gemeinsam mit dem zwei Jahre jüngeren Adil Koller von der SP hat Winzap die Plattform «The next Generation» gegründet, die die Lokalpolitik in Münchenstein mit neuen Ideen aufmischen soll. Die Beiden feierten bereits erste Erfolge: Ihre Forderung, dass die Gemeinde auf sämtlichen eigenen Dächern den Bau von Solaranlagen prüft, ist von der «Gmeini» im Dezember 2012 angenommen worden.

Beflügelt von diesem ersten Erfolg schlug das Duo im vergangenen Herbst vor, auf dem Dach der Münchensteiner Gartenstadt eine Lounge sowie einen Gemüsegarten einzurichten. Ob diese Vision der beiden Jungpolitiker umgesetzt wird, ist unklar. Die Gemeinde hat jedenfalls bereits Skepsis angemeldet. Und erst vor zwei Wochen wärmten Winzap und Koller eine alte Idee wieder auf: in Münchenstein die meist schlecht besuchte Gemeindeversammlung durch einen Einwohnerrat zu ersetzen.

Es ist offensichtlich: Winzap ist ein Vertreter einer neuen Politiker-Generation, die ohne ideologische Scheuklappen mit anderen zusammenarbeitet. Man kann dies themenorientiert und pragmatisch nennen – für Kritiker ist es opportunistisch. Jedenfalls ist Winzap selbstbewusst genug, um klare Karriereziele zu formulieren. Bei den kantonalen Wahlen im Februar 2015 will er in den Landrat.

Vor vier Jahren schaffte Winzap auf der Liste der BDP im Wahlkreis Münchenstein bereits das beste Resultat. Er weiss aber auch, dass seine Partei mächtig zulegen muss, um hier einen Sitz zu ergattern. Was also, wenn es nicht klappt? Winzap verhehlt nicht, dass er dann womöglich das Pferd wechselt und auf die berufliche Karriere setzt. «Wenn es mit dem Bundesrat nicht klappt, werde ich eben Hoteldirektor», witzelt er. Filip Winzap ist flexibel. Hauptsache, es geht vorwärts im Leben.

Meistgesehen

Artboard 1