Früheres Kongresszentrum

Die Millionenfrage ums Mittenza in Muttenz

Abreissen wollen es die Muttenzer nicht. Doch wie das Mittenza künftig genutzt werden soll, ist umstritten.

Abreissen wollen es die Muttenzer nicht. Doch wie das Mittenza künftig genutzt werden soll, ist umstritten.

Das frühere Kongresszentrum soll umgenutzt werden. Doch alleine die Sanierung kostet 17 Millionen Franken.

«Was soll aus dem Mittenza werden?», fragten sich die Muttenzerinnen und Muttenzer in den vergangenen Jahren regelmässig. Die Idee, den weit über die Gemeinde hinaus bekannten Bau mit dem Saal im Baurecht abzugeben, scheiterte am fehlenden Interesse. Einzelne Stimmen forderten aufgrund der düsteren Zukunftsaussichten sogar den Abriss. Doch davon wolle der Gemeinderat weiterhin nichts wissen, stellte Thomi Jourdan (EVP) kürzlich an einer Informationsveranstaltung zur Zukunft des Mittenza klar. Zu stark habe das Gebäude die Entwicklung der Gemeinde architektonisch und von der Identität her geprägt.

Mittenza diente vorübergehend als Schule

Während der Sanierung des Schulhauses Breite diente das Mittenza zuletzt vorübergehend als Schulhaus. Dies funktionierte so gut, dass sich der Gemeinderat Gedanken machte, ob das Gebäude langfristig die Schulraumknappheit lösen könnte. Nach weiteren Abklärungen ist aber klar: Im Mittenza soll die heute auf mehrere Standorte verteilte Allgemeine Musikschule Muttenz zusammengezogen werden. Zusätzlich soll die Schulleitung der Primarschule ins Mittenza ziehen.

Die Räumlichkeiten mit den Hotelzimmern würden sich besser für die Musikschule als für die Primarschule eignen, erklärte Jourdan. Zudem bliebe so den Ortsvereinen mehr Platz, der in Muttenz seit Jahren knapp ist. Die Variante Musikschule kostet rund eine Million Franken weniger als die Variante Schule. Insgesamt rechnet Jourdan mit Kosten von bis zu 22 Millionen Franken. Alleine die Sanierung am Bestand des Mittenza kostet rund 17 Millionen Franken, rechnete der Gemeinderat vor.

Jährliche Defizite von bis zu drei Millionen Franken

Geld, das Muttenz eigentlich gar nicht hat. Die Frage stellt sich deshalb, wer das bezahlen soll. Nachdem Muttenz vor vier Jahren in finanzielle Schieflage geriet und zu der absolut am stärksten verschuldeten Gemeinde im Kanton wurde, drehte der 2016 gewählte neue Finanzchef Alain Bai (FDP) jeden Franken zweimal um. Mit Erfolg.

Für das kommende Jahr budgetiert Muttenz einen Verlust von knapp 900'000 Franken, was im Vergleich zu anderen Gemeinden in dieser schwierigen Zeit ein gutes Resultat darstellt. Im Aufgaben- und Finanzplan bis 2025 rechnet der Gemeinderat aber mit jährlichen Defiziten von bis zu drei Millionen Franken. Deshalb stellt sich auch Alain Bai die Frage: «Wer soll das bezahlen?»

Der angedachte Verkauf der Parzelle des heutigen Musikschulstandorts Feldreben brächte rund 2,6 Millionen Franken ein – das wäre also bloss ein Tropfen auf den heissen Stein. «Die Finanzierung ist momentan noch nicht geklärt», gibt Bai zu. Er beäuge das Vorhaben aus finanzieller Sicht kritisch. «Stand heute müsste die Sanierung und der Umbau komplett über langfristiges Fremdkapital finanziert werden. Das widerspräche unseren Anstrengungen der letzten Jahre.»

«Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht»

Auch Finanzchef Bai möchte, dass die Musikschule und die Vereine gute Räumlichkeiten haben. «Aber wir müssen uns fragen, ob dies im Mittenza sein muss.» Diese liegt gleich neben der Dorfkirche an bester Lage. Werden also künftig Kinder Klavier, Klarinette und Gitarre in einem 22 Millionen-Bau erlernen? Für Bai ist klar: «Zum jetzigen Zeitpunkt stimmt das Preis- Leistungsverhältnis nicht.»

Aus finanzieller Sicht müsste es eine grössere Gegenfinanzierung geben – zum Beispiel mit einer Entwicklung des Mittenza-Parkplatzes. «Wir müssen aufpassen, dass wir uns den finanziellen Handlungsspielraum, den wir uns in den vergangenen Jahren mühsam erarbeitet haben, nicht auf einen Schlag wieder verspielen», betont Bai.

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