Ganz bürgerlich war das Baselbiet während der vergangenen vier Jahren ja nie, dafür sorgte der Grüne Regierungsrat Isaac Reber, zumindest numerisch in der fünfköpfigen Regierung. Ansonsten aber dominierten die Bürgerlichen, nachdem die FDP 2015 die SP aus der Regierung verdrängt hatte – nach 90 Jahren waren die Sozialdemokraten, zweitstärkste Partei des Kantons, überraschend in der Opposition. Mit der Wahl von Kathrin Schweizer endet diese Durststrecke.

Zu recht. Das bürgerliche Experiment mit zwei FDP-Regierungsrätinnen und ohne SP-Vertretung funktionierte im politischen Betrieb nur bedingt. Der Ton im Parlament war scharf, die Fraktionen kämpften mit harten Bandagen, allen voran die SP, die ihre Oppositionsrolle ernst nahm. Dem Baselbieter Wahlvolk ging die Geduld aus, sie hat das Kräfteverhältnis deutlich korrigiert. Thomas de Courten hatte als Herausforderer der SVP keine Chance auf die Nachfolge der abtretenden FDP-Regierungsrätin  Sabine Pegoraro. Selbst der bisherige SVP-Regierungsrat Thomas Weber hatte bei der Medienkonferenz der neuen Regierung nur ein paar knappe Worte der Würdigung für seinen Mitstreiter übrig.

Schweizer will die «soziale Stimme» in der Regierung sein. Das hat sie während des Wahlkampfs immer wiederholt, das sagte sie auch am Sonntag vor den Medien. Wie stark diese Stimme zum Tragen kommt, wird auch von der Direktionsverteilung abhängig sein. Mit der Bau- und Umweltschutzdirektion wird ein Schlüsseldepartement frei, das bislang fest in bürgerlicher Hand war. Dass die SP-Frau Schweizer im Strassenbaukanton Baselland diese Direktion erhält, ist daher fraglich. Zumal auch Sicherheitsdirektor Isaac Reber, immerhin ausgebildeter Raumplaner, mit dieser Direktion liebäugeln soll.

Angesichts der Lage bei den Parlamentswahlen, wo die Linke und vor allem die Grünen voraussichtlich Sitzgewinne verzeichnen dürfen, schreitet das Baselbiet in eine politisch produktivere Legislatur, die von weniger Positionskämpfen und einer stärker an Dossiers orientierten Politik profitieren kann. Damit tut allein die Präsenz der «sozialen Stimme» Schweizers in der Kantonsregierung gut. Insofern war der Wahlsonntag zumindest hinsichtlich der Regierung vor allem eine Kurskorrektur durch die Baselbieter Bevölkerung.