Der ehemalige Standort der Muttenzer Rennbahnklinik an der St. Jakobs-Strasse platzte aus allen Nähten. Dem ist seit diesem Januar aber nicht mehr so: Die Klinik ist in einen Neubau an die Kriegackerstrasse umgezogen und hat seither viel Platz – auch für ein öffentliches Fitnesscenter. Seit dem 27. Januar können sowohl Patienten der Rennbahnklinik als auch externe Fitness-Freaks im hauseigenen Sportstudio trainieren. Mit einer Flyer-Aktion wirbt die Klinik in Muttenzer Haushalten seit Jahresbeginn für ihr Studio.

Die Idee dahinter: «Das zusätzliche Fitnessangebot schliesst den Kreis», sagt Severine Vogel, die Geschäftsleiterin des Fitnessstudios. Patienten könnten während und nach der Physiotherapie in der Klinik trainieren, ihr Leistungsniveau halten und verbessern. Externe sollen ebenfalls die Beratung und Instruktion des medizinisch geschulten Personals in Anspruch nehmen können. Im Falle einer Verletzung seien sie laut Vogel dank der engen Zusammenarbeit mit der Praxisklinik Rennbahn «in guten Händen». Nicht zuletzt würden die Mitglieder von der hauseigenen Leistungsdiagnostik profitieren. Sie erhalten Ermässigungen auf Dienstleistungen wie Sprungkrafttest und Laufanalysen. Vogel betont, dass das Instruktionsteam vor Ort aus erfahrenen Physiotherapeuten der Praxisklinik sowie aus zwei diplomierten Fitness-Instruktoren besteht. Dies bürge für Qualität in der Betreuung.

Aber nicht alle sind gleich froh über das neue Spital-Fitnessstudio auf dem Muttenzer Polyfeld. Max. C.,* Betreiber eines der fünf Fitnessstudios in der unmittelbaren Nachbarschaft, ärgert sich: «Es ist schade, dass eine so renommierte Klinik es nötig hat, nun auch noch ein öffentliches Fitnesscenter betreiben zu müssen. Die Klinik soll sich auf das konzentrieren, was sie schon immer gemacht hat.»

Andere Reaktionen aus benachbarten Fitnesscentern sind durchwachsen: Während sich der eine, kleinere Teil nicht zum neuen Mitbewerber äussern möchte, empfindet der andere, grössere Teil den Neuling nicht als Bedrohung. Das «Rennbahntraining» spreche eine andere Kundengruppe an, habe andere Öffnungszeiten und Angebote. Kurz: anderes Gebiet, andere Zielgruppe. Interessant: Einer der Betreiber glaubt sogar, durch die Werbeaktion der Klinik profitiert zu haben. In der Zeitspanne von Mitte Januar bis Mitte Februar habe er eine deutlich grössere Anzahl an verkauften Fitnessabonnementen verbuchen können als in dieser Periode üblich.

Ohne Sauna und Wellness

Rennbahn-Studioleiterin Vogel reagiert gelassen auf allfällige Vorwürfe der Konkurrenz. Sie spricht von einer Win-win-Situation. «Wir wollen jedem Sportbegeisterten die Möglichkeit bieten, seine sportlichen Ziele zu erreichen.» Ausserdem stecke das Studio noch in den Kinderschuhen.

Um das neue Angebot richtig zu lancieren, bietet Vogel ein Eröffnungsangebot zu reduzierten Abonnementspreisen an. Aber auch ohne diese Reduktion sei das Jahresabo mit einem Preis von unter 1000 Franken «sehr günstig». Den günstigen Preis erklärt sie so: «Im Gegensatz zu anderen Fitnessstudios bieten wir weder Sauna noch Wellness an, denn bei uns stehen vor allem Berufssportler und Patienten im Zentrum.» Auch darum bezweifelt sie, dass ihr neuer Fitnessraum eine Konkurrenz für die anderen Anbieter in der Umgebung darstellen könnte.

* Name geändert