Verein Ochsen

Die Oltinger Dorfbeiz: Ein Ort für alle, ohne bestimmte Zielgruppe

Im Ochsen vereint (von links): Tobias Martin, Dominik Mangold, Fidelio Lippuner, Markus Stocker und Dieter Weisskopf. Der Eindruck täuscht: Der Verein Ochsen ist kein reiner Männerklub. Es gibt auch viele Frauen, die sehr aktiv sind.

Im Ochsen vereint (von links): Tobias Martin, Dominik Mangold, Fidelio Lippuner, Markus Stocker und Dieter Weisskopf. Der Eindruck täuscht: Der Verein Ochsen ist kein reiner Männerklub. Es gibt auch viele Frauen, die sehr aktiv sind.

Wie der Verein Ochsen die Dorfbeiz in Oltingen gerettet hat und nun mit einem Gastrounternehmer in eine rosige Zukunft blickt.

Oltingen gehört zu den Ausnahmen unter kleinen Bauerndörfern. Die 470-Seelen-Gemeinde hat für ihre Grösse ein äusserst vielfältiges Vereinsleben. Dazu gesellt sich der Verein Ochsen. Dieser rettete die Dorfbeiz, nachdem sie 2015 dichtgemacht hatte. Der kurz danach gegründete Verein mietete das Lokal und betrieb es vorübergehend. Bis es den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nach zwei Jahren zu viel wurde.

Um den Ochsen nicht ganz in der Versenkung verschwinden zu lassen, organisierte der Verein im und vor dem Gebäude Anlässe. Für die Aussenevents haben die Vereinsmitglieder eine mobile Buvette gebaut, die immer wieder zum Einsatz gelangt und auch vermietet wird. «Und dann fielen glücklicherweise plötzlich Francesca und ‹Stocky› vom Himmel», erzählt Dominik Mangold vom Vereinsvorstand.

Stiller Has auf dem Ochsenplatz

Markus «Stocky» Stocker, Gastrounternehmer aus Basel, stieg im vergangenen Dezember im Ochsen ein mit Francesca Scarpone als Geschäftsführerin. Scarpone war 2002 aus Kalabrien in die Schweiz gekommen, hatte zuerst in Oltingen Station gemacht und kannte deshalb den Verein Ochsen. Aus dem geplanten Pop-up für drei Monate ist nun mehr geworden.

Während der Sommerferien pausierte das Wirteteam und liess die Küche umbauen und erweitern. «Das ist ein Statement für uns: gekommen, um zu bleiben. Wir glauben an das Projekt», betont Stocker und legt Wert darauf, dass sie als Mieterschaft für diese Investition aufgekommen seien. «Dafür bezahlen wir eine hochanständige Miete. Die Eigentümerin des Restaurants ist sehr, sehr fair.»

Durch Markus Stockers Engagement hat der Verein Ochsen nun eine andere Funktion. Er konzentriert sich auf die Organisation einzelner Anlässe in der Beiz oder auf dem Ochsenplatz. Übermorgen Samstag steht Stiller Has auf der selbst gebauten Holzbühne vor dem Restaurant. «Ich wollte dieses Duo unbedingt mal in Oltingen, ein Traum von mir», sagt Fidelio Lippuner von Ochsenmuusig, einer Gruppe, die dem Verein angegliedert ist und Kontakte zu Auftretenden herstellt. Endo Anaconda passe gut hierhin: Er sei direkt, offen und provoziere. «Wie wir auch untereinander», verrät Lippuner und lacht seinen Kollegen am Stammtisch zu. Der Eintritt zu diesem Open Air ist gratis. Die Gage wird durch Publikums-Kollekte und Sponsoren getragen.

Für Mitte November hat sich der Verein etwas Besonderes einfallen lassen: ein Powerpoint-Karaoke. Im Januar gastiert ein Theater-Ensemble im Säli, das sich über der Gaststube befindet. Dem Veranstaltungsprogramm sind keine Grenzen gesetzt. «Wir hatten schon ein grosses Cumbiakonzert oder Lesungen», zählt Vorstandsmitglied Tobias Martin auf. Für Lippuner ist klar, dass Stiller Has eine Ausnahme ist. Die Idee ist, regional und kleiner zu fahren und auch unbekannte Künstler einzuladen.

Markus Stocker ist ein leidenschaftlicher Gastgeber. «Wenn du etwas gerne tust, ist es egal, was. Die Leute sehen das, und es kommt auch etwas zurück», spricht Stocker, der früher in Basel ein Sterne-Restaurant geführt hat, aus Erfahrung. Man müsse innovativ sein. Dieter Weisskopf von Ochsenmuusig findet es eine «richtige Bereicherung», auch dass man hier etwas essen könne. Die Karte im Ochsen ist klein und übersichtlich. Eine Spezialität hat «Stocky» bekannt gemacht. «Alle wollen meine Flammenkuchen», sagt er. Markus Stocker ist nach eigenen Angaben der Erste in der Schweiz, der damit angefangen hat.

Beizer Stocker: «Oltingen ist anders»

Für den Beizer ist der Ochsen ein Ort für alle, ohne bestimmte Zielgruppe. «Oltingen ist anders. Ich fühle mich vom Dorf getragen», lobt Stocker. Diesem ist auch der Verein Ochsen wichtig, der grosse Arbeit geleistet und damit dem Wirt nicht nur den Anfang erleichtert hat. Für Markus Stocker macht eine Dorfbeiz auch aus, wenn sie zum Beispiel am Donnerstagabend zwei Stunden leer ist und nach 22 Uhr der Gemischte Chor kommt. Der jährlich im Mai stattfindende «Oltiger Määrt» ist nicht nur fürs Dorf, sondern auch für den Ochsen ein Highlight.

Dank Stockers Bekanntheit in Basel besuchen auch zahlreiche Leute von dort den Ochsen. Für Tobias Martin ist der Mix von Gästen aus Stadt und Land «lässig». Es fände ein Austausch statt. Das Restaurant ist für das Oberbaselbieter Nest ein sozialer Treffpunkt, der rege genutzt wird – vermehrt auch für das Feierabendbier. Der Verein Ochsen kann sich auf die Fahne schreiben, mit viel Herzblut eine Dorfbeiz am Leben erhalten zu haben. Die Übergangszeit, in der er das Lokal betrieben hat, darf er als grossen Erfolg verbuchen.


   

Open Air mit Stiller Has Übermorgen Samstag, 20 Uhr, Ochsenplatz in Oltingen; Eintritt frei/Kollekte. – Pelati Delicati, Freitag, 6. September, 20 Uhr; Eintritt 17 Franken, Kinder gratis. www.ochsenoltingen.ch

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