Pfadilager

Die Pfadiabteilung Herzberg bei den Galliern

Asterix und die Wölfli bereiten sich auf den Kampf gegen die Römer vor.

Asterix und die Wölfli bereiten sich auf den Kampf gegen die Römer vor.

Das diesjährige Herbstlager der Wölfli-Stufe der Pfadiabteilung Herzberg war durchaus turbulent. Die Leiter fanden jedoch für jegliche Pannen und Zwischenfälle eine Lösung.

«Und das hier ist das Kraut des Zweihorns, eine seltene Pflanzenart, die es nur hier in Gallien gibt.» Miraculix, in bodenlangem weissem Gewand, schüttelt sein graues Haar, sodass es im Feuerlicht glänzt. Vor ihm stehen zwölf staunende Kinder, welche die eingepackten Peterli begutachten. Neben ihm steht ein Kessel auf dem Feuer, in dem im fahlen Mondlicht eine sprudelnde Masse vor sich hin brodelt.

Natürlich steckt unter dem Bart nicht der echte Miraculix, sondern der Wölfli-Stufenleiter Dominique Hänggi, Pfadiname Goofy. Wie jedes Jahr brechen in der ersten Ferienwoche zahlreiche Pfadiabteilungen ins Herbstlager auf. So auch die Pfadi Herzberg. Zwölf Wölfli — Kinder im Alter von sechs bis zehn –, sieben Leiter, und vier Köche traten vor 14 Tagen die Reise nach Gallien an. Dort wurden sie von Asterix, Obelix und spannenden Abenteuern erwartet.

In diesem Fall befand sich Gallien im bernischen Wyssachen, und das gallische Dorf bestand aus einem alten Bauernhaus. «Die Pfadi lebt von der Fantasie», erklärt Goofy. Natürlich wissen die Kinder, wer unter den jeweiligen Verkleidungen steckt, aber genau dies sei Teil des Spasses. Und dieser darf im Lager auf keinen Fall zu kurz kommen. Mit Spiel, Sport und Abenteuern bietet das Programm für jedes Kind ein Highlight: vom Hindernislauf durch die Betonröhren auf dem Spielplatz, über das Zaubertrankbrauen im Mondlicht, bis zum glorreichen Schwertkampf gegen die bösen Römer.

Pferdebiss statt Streicheleinheit

Dabei kann es allerdings auch zu Pannen und Zwischenfällen kommen. Dieses Mal traf es den Überraschungsausflug in den Tierpark. Er sollte eigentlich das Highlight der Woche bilden. Für mindestens ein Kind wurde es jedoch zum Tiefpunkt. Denn beim Füttern wurde es von einem Pferd in die Hand gebissen. Verbunden und verarztet kehrte das Kind am Abend ins Lagerhaus zurück. Die Pechsträhne schien überwunden.

Auf Goofy und seine Mitleiterin Kyra Aegerter alias Cece wartete allerdings noch eine weitere Überraschung an diesem Abend, als sie die Kinder für das Lagergame abholten. Dieses füllte einen ganzen Raum mit einem riesigen Spielbrett, auf dem jeden Abend weitergewürfelt wurde. Die zwei Leiter stiegen den Kindern voran die Treppe hoch und öffneten voller Freude die Tür zum Zimmer. Nur um sie innert Sekunden wieder zuzuschlagen. Sie blickten in die erschreckten Gesichter der Kinder. «Was ist denn los?» Cece riss die Augen auf: «Es brennt.»

Schnell packte die eine Hälfte der Leiter die Kinder und floh nach draussen. Die übrigen Leiter schnappten sich Löschdecken und pressten sie auf das Spielfeld, wo eine umgekippte Kerze das Feuer entfacht hatte. Das Haus und die Kinder überstanden die Aktion unbeschadet, nur das Spielfeld wies nachher einige schwarze Brandflecken auf. «Obwohl solche Vorkommnisse zuerst erschreckend sind, können wir im Nachhinein darüber lachen», so Pfadi-Stufenleiter Sam Aegerter, der mit Pfadinamen Chan heisst.

Grosse Verantwortung

«Manchmal kommen wir schon in schwierige Situationen, wo wir nicht wissen, wie damit umzugehen ist», sagt Goofy. Aus diesem Grund ist jedes Lager bis ins kleinste Detail geplant, und es besteht ein allgemeines Sicherheitskonzept, in dem das Vorgehen im Notfall festgehalten ist. Das Leiten in der Pfadi ist daher nicht nur mit grosser Verantwortung, sondern auch mit grossem Aufwand verbunden. «Als Lagerleiter sind wir eine Woche lang der Elternersatz für die Kinder», erklärt Chan. Dazu gehört auch, die Kinder bei Heimweh zu trösten, Gute-Nacht-Geschichten zu erzählen, Schuhe zu binden, Regenjacken nachzutragen, Pflästerli zu verteilen, zuzuhören und für die Kinder da zu sein.

Für die Kinder jedoch bedeutet das Pfadilager Spass, die Möglichkeit neue Abenteuer zu erleben und «auch mal Blödsinn zu machen», so Chan. Die Planung im Hintergrund soll unsichtbar bleiben. Mit dem Ziel, dass sie am Ende der Woche nach Hause stürmen und begeistert vom nächtlichen Brauen des Zaubertranks erzählen, der sie unbesiegbar macht, sobald sie ihn getrunken haben.

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