Schöne Aussichten für die Bewohner der geplanten fünf Wohntürme auf dem Hagnau-Areal: Überqueren sie die St. Jakobs-Strasse und gehen sie ein paar Schritte weiter, stehen sie inmitten einer putzigen Auenlandschaft: mit Wiesen, Kiesbänken, Inselchen. Durch das Schänzli-Areal, wo sich gegenwärtig noch eine Pferderennbahn und ein Wäldchen befinden, soll sich künftig die Birs schlängeln. Dazu wird sie aus ihrem Korsett befreit. So erhielte Muttenz eine neue Naherholungszone, in der das benachbarte Gartenbad St. Jakob locker zweimal Platz fände – und das direkt vor den Toren Basels.

Das ist alles noch Zukunftsmusik. Doch Muttenz meint es ernst mit den Hochhäusern und dem Park – das wurde an einer Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend mit dem Titel «Leuchtturmprojekt Schänzli» deutlich. Zum Anlass gehörte auch eine Begehung des Geländes. Bei dieser sagte Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP), die beiden Grossprojekte würden miteinander verknüpft: «Das eine gibt es nicht ohne das andere. Wir haben das den Investoren, die sich fürs Hagnau-Areal interessieren, auch so gesagt, und sie haben das gut aufgenommen.»

Park kostet 15 Millionen Franken

Was die Gemeinde von den Investoren erwartet: Sie sollen sich «für die Realisierung des Parks im gemeinsamen Sinn» (Jourdan) engagieren. Zahlen nannte er nicht, jedoch bezifferte der ebenfalls anwesende Muttenzer Bauverwalter Christoph Heitz die Gesamtkosten für den Bau des Parks auf 15 Millionen Franken. Für Aussagen über die genaue Finanzierung sei es noch zu früh, sagte Jourdan, fügte jedoch an, dass etwa für die Renaturierung des Flusses der Kanton zuständig sei.

Die ersten Ideen für den Landschaftspark Schänzli sind schon fast ein Jahrzehnt alt. Lange lagen die Vorbereitungsarbeiten auf Eis, weil der Kanton Baselland, dem ein grosser Teil des Geländes gehört, andere Pläne hegte als die Standortgemeinde. Das Kantonsgericht entschied 2013 aber zugunsten von Muttenz: Auf dem Schänzli wird nicht gebaut – es bleibt Grünzone.

Ziel: Die Birs in Muttenz aus ihrem Korsett befreien – wie hier in Reinach. bz-Archiv

Ziel: Die Birs in Muttenz aus ihrem Korsett befreien – wie hier in Reinach. bz-Archiv

Jünger ist das Vorhaben, das Hagnau-Areal mit Hochhäusern zu überbauen. Im Sommer 2015 lancierte der Muttenzer Gemeinderat ein Quartierplanungsverfahren. Anfang Juni wurden die Pläne für das Gelände, auf dem sich unter anderem das Kunsthaus Baselland befindet, publik. Insgesamt sollen 500 Wohnungen und 800 neue Arbeitsplätze entstehen; mit dem neuen Quartier erhofft sich Muttenz einen Zuwachs von 1000 Einwohnern. In den unteren Stockwerken der Neubauten soll unter anderem ein Multiplex-Kino unterkommen. Für die Hochhäuser sind Gebäudehöhen zwischen 45 und 88 Metern vorgesehen – zum Vergleich: Der St. Jakob-Turm vis-à-vis, am anderen, baselstädtischen Birsufer, misst 71 Meter.

Spatenstich frühestens 2020

Der Fahrplan, den Muttenz eingeschlagen hat, ist ehrgeizig. Bereits 2018 sollen die Quartierpläne zum Landschaftspark sowie zu Hagnau-West und Hagnau-Ost der Gemeindeversammlung vorgelegt werden. Die ersten Tiefbauarbeiten für den Landschaftspark und Hagnau-Ost könnten somit frühestens 2020 erfolgen. «Für Hagnau-West», sagte Jourdan, «braucht es wohl noch ein wenig länger Zeit. Dort sind die Planungen noch nicht so weit fortgeschritten.»

Der Gemeinderat rechnet auch mit Widerspruch aus der Bevölkerung, nicht zuletzt aus dem Schweizerau-Quartier. Dieses schliesst im Westen an das Hagnau-Gelände an, es liegt erhöht auf einem Plateau. Anwohner haben sich bei Informationsveranstaltungen kritisch zu einigen Aspekten geäussert, sie fürchten sich unter anderem vor Lärm und Mehrverkehr. «Da müssen wir», sagt Jourdan, «gute, überzeugende Antworten finden.»

Auch in anderen Gemeinden der Birsstadt, dem Zusammenschluss von Birs-Anrainergemeinden, finden Begehungen des Flussraums statt, dies im Rahmen der Internationalen Bauaustellung (IBA) Basel 2020. Die nächste Begehung findet kommenden Montag, 26.9., in Münchenstein statt. Infos: www.iba-basel.net