Kapelle

Die Spitalkapelle – trotz Coronazeiten ein Auslaufmodell?

In der Kapelle des Spitals Laufen findet jährlich nur noch ein Gottesdienst statt: an Weihnachten.

In der Kapelle des Spitals Laufen findet jährlich nur noch ein Gottesdienst statt: an Weihnachten.

In Dornach ist das Gotteshaus im Spital aufgehoben worden. Geplant ist ein Raum der Stille in der einstigen Kapelle. In anderen Spitälern der Region hält man an Kapellen fest.

Der Abt des Klosters Mariastein weilte im letzten Dezember in der Kapelle des Spitals Dornach. Der Gottesdienst, an dem Peter von Sury teilnahm, war der letzte im Krankenhaus. In einer feierlichen Zeremonie wurden wichtige Reliquien aus der Spitalkapelle entfernt. Seit dieser sogenannten Profanierung existiert das Gotteshaus nicht mehr.

Pläne, die Dornacher Spitalkapelle aufzugeben, gab es schon länger. «Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patientinnen und Patienten im Spital ist in den letzten Jahren immer kürzer geworden. Das Bedürfnis nach einem regelmässigen Sonntagsgottesdienst im Haus ist stark zurückgegangen», sagt Gian Trionfini, Mediensprecher der Solothurner Spitäler AG. Es entspreche heute eher den Bedürfnissen der Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden, einen Raum zur Verfügung zu haben, der allen offen steht und jederzeit zugänglich ist. Im Rahmen der aktuellen Erweiterungs- und Umbauphasen sei geplant, in der einstigen Kapelle einen Raum der Stille einzurichten. Dort soll es möglich sein, sich zurückziehen zu können.

Im Bruderholz und Liestal gibt’s Teppiche für Muslime

Neben der sinkenden Nachfrage nach einem Gotteshaus nennt Trionfini noch einen weiteren Grund für die Aufgabe der Kapelle: «Der künftige Raum der Stille soll nicht von einer Glaubensrichtung geprägt sein, sondern allen Menschen die Möglichkeit zum besinnlichen Rückzug geben.» Waren andere Religionen als das Christen- und Judentum bei der Einrichtung vieler Spitalkapellen in unseren Breitengraden kaum verbreitet, hat sich dies in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Immer mehr Personen, die sich in Krankenhäusern aufhalten, gehören nicht einer christlichen Glaubensgemeinschaft an.

Im Kantonsspital Baselland (KSBL), dessen drei Standorte allesamt über Kapellen verfügen, trägt man der veränderten Gesellschaftsstruktur Rechnung. Kritik am christlichen Hintergrund der Gotteshäuser habe sie bisher nicht vernommen, sagt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni. «Vielleicht deshalb nicht, weil unsere Räumlichkeiten bewusst allen Glaubensrichtungen offen stehen.» Die Kapelle im Spital Laufen, in der einst wöchentlich Gottesdienste stattfanden, werde heute nur noch für den Spitalweihnachtsgottesdienst genutzt. Die wöchentlichen Gottesdienste würden im Raum der Aktivierungstherapie abgehalten. Verwaltet werde die Laufner Spitalkapelle von der kirchlichen Stiftung der St. Josefs-Kapelle für das Kantonsspital Laufen.

Die grosse Spitalkapelle im Bruderholz und die Spitalkirche in Liestal waren früher reformierte Kirchenräume. Heute dienen sie einem ökumenischen Zweck, da die kleineren katholischen Kapellen an den beiden Standorten aufgehoben und zu Räumen der Stille umfunktioniert wurden. «Dort gibt es keine religiösen Symbole», sagt Kuoni. Im Bruderholz und in Liestal seien Gebetsteppiche für Muslime vorhanden.

In vielen Kapellen finden sich christliche Symbole

Auch in Spitälern in Basel finden sich Kapellen. Im Universitätsspital Basel (USB) würden sich, seit die Kapelle zusätzlich auch mit Gebetsraum angeschrieben sei, betende Menschen aus allen Religionen einfinden, betont Valeria Hengartner, die als Spitalseelsorgerin im USB tätig ist. Auf die katholische Tradition wiesen ein grosses schlichtes Kreuz, ein Weihwasserbecken, eine Marienstatue, ein Tabernakel und Kerzen hin.

Ähnlich sieht es in der Kapelle des Claraspitals aus. Im Krankenhaus, das mit der Kongregation des Instituts Ingenbohl eine katholische Trägerschaft hat, wurde im Dezember 2017 sogar eine neue Kapelle geweiht. Aber auch diese soll, wie Sprecherin Beatrix Sonderegger sagt, allen Menschen offen stehen, unabhängig von ihrer Weltanschauung und Religion, Herkunft oder Versicherungsklasse.

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