Die Wiese ist so gross, dass Golfer auf ihr Abschläge üben könnten. Sie liegt mitten im Siedlungsgebiet, Primarschule und die Haltestelle des 11er-Trams sind gleich um die Ecke. Die Frage bei diesem Stück Land lautet nicht, weshalb man es überbaut. Die Frage muss lauten: Weshalb ist das nicht schon längst geschehen?

Das Stimmvolk wollte es nicht, zumindest nicht so, wie die Gemeinde und die Architekten. Im Mai 2017 lehnten die Reinacher den Quartierplan Jupiterstrasse II ab. Er sah sieben Gebäude vor, die zwei höchsten neungeschossig. 89 Wohnungen wären in den Würfeln untergekommen. Eine Gruppe von Anwohnern fürchtete den Schattenwurf – sie ergriff das Referendum.
Erst 2014 war in Reinach ein anderer Quartierplan an der Urne gescheitert. Es war der Quartierplan «Buechlochpark». Zentraler Bestandteil: ein Wohnturm mit zwölf Stockwerken.

Jetzt hat die Gemeinde ihre Taktik angepasst. Beim Jupiterpark lud sie gemeinsam mit den Grundeigentümerin, Werner Sutter Architekt AG, auch Vertreter des Referendumskomitees, des Quartiervereins Reinach Nord sowie Naturschützer ein.

Referendumskomitee will keine neue Abstimmung

Sie alle hatten bei der Ausarbeitung des neuen Bebauungskonzepts ein Wörtchen mitzureden. Offenbar wurden ihre Anliegen erhöht: Zwar wurde die Zahl der Wohnungen erhöht, auf neu 97, und weiterhin sind sieben Gebäude geplant. Doch sie sind geschrumpft: Der höchste Würfel hat «nur» noch fünf Geschosse. «Damit wurde konkret auf den Hauptkritikpunkt der achtstöckigen Gebäude des alten Quartierplans reagiert», teilte die Gemeinde vergangene Woche mit. Das Konzept werde breit unterstützt. Gehe alles nach Plan, könnten die Arbeiten frühestens 2021 beginnen.

«Wir werden keine neue Volksabstimmung anstreben», sagt Irene Maag vom Referendumskomitee. «Die maximale Geschosszahl wurde von neun auf fünf reduziert. Damit ist eine unserer beiden zentralen Forderungen erfüllt.». Zum Kritikpunkt Verkehr brauche es nach wie vor «visionäre, gemeindeüberschreitende und kantonale Lösungen.»

Darauf pocht auch Thomas Thurnherr, Anwohner der Jupiterstrasse. Thurnherr ist in der SP aktiv, betont jedoch, er spreche als Privatperson. «Die Überbauung wird zu Mehrverkehr führen, der die Jupiterstrasse, die anderen Quartierstrassen, aber auch die Querungen zur Baselstrasse mit dem 11er-Tram zusätzlich belastet.»

Der Quartierplan wird im Februar diskutiert

Thurnherr prognostiziert mehr Staus. Er vermisse weiterhin ein überzeugendes Verkehrskonzept – auch im Hinblick auf drei weitere Quartierpläne in Reinach Nord. Im Quartier sei ein gewisses Unbehagen vorhanden.

Der Reinacher Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP) entgegnet, bereits beim ersten Quartierplanentwurf sei eine Verkehrsplanung erstellt worden. «Zu Stosszeiten kann es zu Wartezeiten kommen, das ist so. Ansonsten dürfte sich der Mehrverkehr im Rahmen halten.»
Gut möglich, dass der Einwohnerrat die Verkehrsproblematik nochmals aufs Tapet bringt. Der Quartierplan wird voraussichtlich im Februar im Ortsparlament behandelt.