Pratteln

Die Stink-ARA ist saniert – Ausbau geht weiter

Neu wird die stinkende Abluft über Rohrleitungen direkt zur Verbrennungsanlage geführt.

Neu wird die stinkende Abluft über Rohrleitungen direkt zur Verbrennungsanlage geführt.

Die neue Abluftreinigungsanlage der Kläranlage ARA Rhein in Pratteln läuft. Sie soll den früher teils üblen Gestank künftig verhindern und den Standort für die Chemie-Kundschaft als auch für künftige Investoren sicher machen. Weitere Ausbauten zeichnen sich ab.

Nachdem krasse Faulgestanks-Episoden wegen überforderter Biofilter 2014 den Handlungsbedarf offensichtlich gemacht hatten, wurde eine Anlage zur regenerativen thermischen Oxidation (RTO) der Abluft geplant. An das 17-Millionen-Projekt steuert der Kanton 2,16 Millionen Franken bei. Gebaut wurde die Anlage innert eines halben Jahres.

Eine «geruchsfreie Zukunft» stellte Finanzdirektor Anton Lauber gestern vor den Medien der Umgebung der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Pratteln in Aussicht. Ende 2016 war der neue Teil angefahren worden, seit März läuft alles, und nun folgte die Einweihung. Laut Lauber bietet die neue Abluftreinigung Investoren Planungssicherheit - die ARA liegt mitten im kantonalen Entwicklungsgebiet Salina Raurica.

Abluft-Waschanlage fehlt noch

Im Wesentlichen verbrennt die RTO-Anlage Stoffe in der ARA-Abluft bei 800 Grad. Geheizt wird mit Erdgas, wie Technikleiter Roger Hurschler sagte. Restwärme, die nach der effektiven internen Wiederverwendung übrig bleibt, wird in den Verbund des benachbarten Grüssen-Gewerbegebietes eingespiesen.

Die ARA Rhein reinigt Abwässer von Industrie und Gemeinden: 3,4 Milliarden Liter von 40 000 Einwohnern und 2,3 Milliarden Liter von Firmen im Raum Schweizerhalle mit rund 3000 Arbeitsplätzen. Mit einer Reinigungswirkung von 98 Prozent liegt sie weit über den Bundesvorgaben von 85 Prozent.

Mit der neuen RTO-Anlage können sich die ARA-Verantwortlichen nicht zurücklehnen: Eine optionale Abluft-Waschanlage, welche die Lebensdauer der RTO-Anlage verlängert, passt noch ins Projektbudget und wird nun angebaut. Bis 2019 soll dann für über acht Millionen eine neue Flotationsanlage für die Industrieabwässer gebaut werden.

Grossprojekte in der Pipeline

Die Flotationsanlage ist technische Voraussetzung für eine Stickstoffeliminationsanlage. Deren Bau ist ein Fernziel bis 2025, wie Geschäftsleiter Peter Müller ausführte. Altersbedingt ersatzreif sei zudem die mechanische Reinigungsstufe, die ARA-typischen offenen runden Rührbecken.

Überdies sollen auch die Klärschlamm-Zentrifugen verbessert werden. Mit über 40 Millionen Franken richtig teuer wird dann ein angedachtes neues Kombibecken für die biologische Abbaustufe. Erst in Prüfung ist eine Nutzung der grossen ARA-Flächen für Sonnenenergie; Müller hat dabei Contracting und Strombezug im Auge. Im Weiteren geht Müller davon aus, dass eine heute vom Bund erst für rein kommunale ARA vorgeschriebene vierte Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen dereinst wohl auch für Industrie- und gemischte ARA Pflicht wird. Angesichts des Volumens stehe dabei für Pratteln wohl eher Ozon als Aktivkohle als Technik im Vordergrund.

Eine Verlegung der ARA, wie sie im Zuge der Salina-Raurica-Planung diskutiert worden war, hatten Regierung und ARA-Verwaltungsrat schon im Herbst 2014 abgelehnt. Damals hatte die Regierung prüfen lassen, ob ein Teil der ARA-Landreserven freigegeben werden könnte – mit negativem Ergebnis. Der Anlagewert wird nun mit rund 200 Millionen Franken beziffert. (sda)

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