Neukandidierende

Die Titterer Gemeinderats-Spitze ist in Gefahr

Gemeinderat Theo Schweizer: «Jetzt müssen wir nach vorne schauen und Vergangenes hinter uns lassen.» (Archivbild)

Gemeinderat Theo Schweizer: «Jetzt müssen wir nach vorne schauen und Vergangenes hinter uns lassen.» (Archivbild)

In Titterten könnten Neukandidierende den Gemeindepräsidenten und die Vizepräsidentin aus dem Amt drängen.

Gemeindepräsident Heinrich Schweizer projiziert zum Schluss der ausserordentlichen Gemeindeversammlung – diese hat soeben das Budget 2020 im zweiten Anlauf mit 34 gegen 5 Stimmen abgesegnet – sieben Namen an die Wand.

Für die fünf Sitze in der Exekutive kandidieren bei der Erneuerungswahl vom 9. Februar sieben Personen: Simone Coigny, Albert Gort, Heinrich Schweizer, Theo Schweizer (alle bisher) sowie Remo Frey, Verena Heid und Raphael Löffel (alle neu). «Eine echte Kampfwahl. Ich freue mich auf einen fairen Wahlkampf», rief der Präsident am Montagabend in den Saal. Endlich seien noch ein paar Bewerber aufgetaucht. Er dankt den Kandidierenden und denjenigen, die sie dafür motiviert haben.

Wagt Titterten einen Neustart? Oder entscheidet sich der Souverän im kommenden Monat für alle vier Bisherigen und nur einen neuen Namen? Diese Fragen werden im Bergdorf heiss diskutiert. Eine schlüssige Antwort will niemand geben.

Dorf ist in zwei Lager gespalten

Da sind Leute, denen vor allem die amtsältesten Gemeinderäte, Simone Coigny und Heinrich Schweizer, ein Dorn im Auge sind. Einiges ist im vergangenen Jahr schiefgelaufen: sofortige Rücktritte aus dem Gemeinderat, kollektive Demission der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission, Freistellung der Gemeindeverwalterin. Schweizer und Coigny haben während zweieinhalb Monaten den Laden zu zweit geschmissen.

Dann sind aber auch Stimmen zu hören, die vor einer Abwahl des Gemeindepräsidenten und der Vizepräsidentin warnen. Albert Gort (seit Anfang November) und Theo Schweizer (seit Anfang Dezember) amtieren erst seit kurzem. Würden am 9. Februar gleich drei Neue gewählt, so müsste eine Behörde mit geringer Erfahrung die neue Amtsperiode Anfang Juli in Angriff nehmen. Einzig Verena Heid, die schon zweimal dem Gemeinderat angehört hat, könnte auf eine gewisse Routine zählen.

Baustellen gibt es genug. Die klammen Finanzen sind allgegenwärtig. Nach turbulenten Zeiten soll im Dorf wieder Ruhe einkehren. Ein grosser Brocken ist die Reorganisation der Gemeindeverwaltung, die für die Zukunft fit gemacht werden soll. Der Gemeinderat hat die Verwaltungskosten der vergangenen Jahrzehnte unter die Lupe genommen. Sie sind Ende der 1980er-Jahre sprunghaft angestiegen und haben sich bis heute auf hohem Niveau eingependelt. «Das ist ein altes Problem», folgert Gemeindepräsident Heinrich Schweizer und gibt zu bedenken, «dafür gibt es nicht immer einfache und schnelle Lösungen.»

Schlanker, flexibler und tiefere Fixkosten, reduzierter Stellenplan, effektiver Einsatz der Ressourcen, Synergien nutzen mit anderen Verwaltungen, so die Absicht. Der Gemeindepräsident zeigt verschiedene Varianten auf – alle noch mit Fragezeichen: Inhouse versus Outsourcing? Kooperation mit anderen Gemeindeverwaltungen? Dienstleistungen an andere Verwaltungen erbringen? Für die amtierende Behörde ist klar, dass der neu gewählte Gemeinderat entscheiden muss. Dieser soll dann eine Arbeitsgruppe einsetzen. Angestrebt wird, die Reorganisation bis Ende August auf den Schlitten zu bringen. Dafür bleibt wenig Zeit – eine echte Herausforderung.

Ein wichtiger Faktor, um Titterten wieder in ruhige Gewässer zu steuern, wird sein, wie es Gemeinderat Theo Schweizer auf den Punkt bringt: «Jetzt müssen wir nach vorne schauen und Vergangenes hinter uns lassen.»

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