Sie ist die Nachwuchshoffnung der Baselbieter SVP und passt als solche nicht in gängige Schemata: Daria Liach führt seit wenigen Wochen die Junge SVP des Landkantons an und soll diese öffentlich sichtbarer machen. Interessant sind Biografie und Werdegang der demnächst 30-jährigen Füllinsdörferin: gebürtige Russin in der Partei, die das Schweizertum voranstellt, pointiert bürgerliche Ex-Präsidentin einer von linken Ideen geprägten studentischen Körperschaft, Fourier in einer von Männern dominierten Stützpunktfeuerwehr.

Liach konnte sich im Gegensatz zu anderen Jungpolitikern mit bekanntem Papi oder Mami nicht ins gemachte Nest setzen. «Ich komme nicht aus einer politisch aktiven Familie. Ich habe mir alles selbst erarbeitet», sagt sie. Die Jura-Studentin steht kurz vor dem Bachelor-Abschluss und arbeitet Teilzeit in der Erbschaftsabteilung einer Basler Bank. Für Liach war und ist es Alltag, sich in fremdem Umfeld durchzusetzen.

Kritik am Sparkurs der Uni

Im vergangenen Sommer trat Liach erstmals in der breiten Öffentlichkeit in Erscheinung: In ihrer damaligen Funktion als Präsidentin der Studentischen Körperschaft der Uni Basel (Skuba) kritisierte sie in den Medien den Sparkurs, mit dem sich die Uni aufgrund der Vorgaben der Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland konfrontiert sah. Dass sich Liach als Skuba-Präsidentin gegen höhere Studiengebühren aussprach, war ein offener Widerspruch zur Position ihrer Partei. Als Skuba-Präsidentin habe sie natürlich im Interesse der Studierenden gehandelt, kommentiert sie. Zugleich stellt sie in Abrede, dass sie nun eine andere Politik vertreten werde.

Aus dem Skuba-Vorstand ist sie im Herbst zurückgetreten. «Ich habe schon letztes Jahr gesagt, dass sich neben den beiden Basel die übrigen Kantone stärker an der Uni beteiligen müssen.» Auch war und ist sie der Meinung, dass Baselland als Mitträger der Uni stärker gehört werden müsse. Seit Andrea Schenker-Wicki Rektorin sei, habe sich vieles gebessert. «Doch von vielen Studierenden wird Baselland noch immer kritisiert, ja teilweise belächelt. Das finde ich nicht in Ordnung.»

In der Skuba hatte Liach keinen leichten Stand. Viele Studierende stünden politisch links; im Studierendenrat gebe es einige, die sich bei den Juso oder im Jungen Grünen Bündnis engagieren. Giuliano Borter, Liachs Nachfolger in der Skuba, will sich auf Nachfrage nicht über Liach äussern. Er stellt aber klar, dass es keinen Zwist gegeben habe. «Als SVPlerin muss man sich öfters Fragen gefallen lassen. Doch das ist nicht nur an der Uni so.» Sie nimmt dies sportlich: Die bürgerlich gesinnten Jungen müssten sich eben stärker einbringen. «Die Interessen der Jugend sind in den letzten Jahren von den linken Parteien vereinnahmt worden», sagt sie.

Ein festgeschriebenes Ziel unter der neuen Chefin lautet denn auch, dass die Junge SVP stärker sichtbar wird. Man habe sich in der Vergangenheit zu selten in laufende Debatten eingebracht. Als erstes Beispiel für die offensivere Öffentlichkeitsarbeit darf der Einsatz gegen die beiden Initiativen Stimmrechtalter 16 und Stimmrecht für Niedergelassene gelten, über die das Baselbieter Volk am 4. März abstimmt.

Liach ist gebürtige Ausländerin und lehnt das Ausländerstimmrecht ab. «Ich habe kein Schweizer Blut in mir, aber mein Herz schlägt für die Schweiz.» Liach kam als 10-Jährige mit ihrer Familie aus St. Petersburg in die Schweiz, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen. Sie verneint, dass es Ausländer generell schwer hätten in der Schweiz. «Ja, man muss etwas für das Bürgerrecht tun. Aber wer Interesse und Willen zeigt, sich zu integrieren und die Bereitschaft, gewisse Regeln zu akzeptieren, dem steht nichts im Weg.» Liach hat selber mit 18 den roten Pass erhalten. Das Klischee, die SVP sei eine ausländerfeindliche Partei, weist sie entschieden zurück. «Wir fragen nicht danach, wo jemand geboren ist.» Entscheidend sei die Haltung, die jemand habe zur Gesellschaft, in der er lebe.

Voll auf Parteilinie

In Kernfragen der SVP sei sie voll auf Parteilinie. Das heisst: Ja zur Masseneinwanderungsinitiative und Ja zur Begrenzungsinitiative, für welche die Partei derzeit Unterschriften sammelt. Es sei problematisch, dass immer mehr ältere Mitbürger durch günstige ausländische Arbeitskräfte ersetzt werden. Die Schweiz müsse die Zuwanderung endlich begrenzen. «Dafür würde ich die Kündigung der Bilateralen Verträge in Kauf nehmen.» Zentral sei, dass sich die Politik wieder stärker um die eigenen Mitbürger kümmere. Die linken Parteien stellten den Einsatz für Flüchtlinge in den Vordergrund.

Daria Liach ist die Vorzeige-Migrantin in der Baselbieter SVP. Gewartet auf sie hat allerdings kaum jemand. «Als junge Frau hat man es in der SVP nicht ganz einfach.» Sie habe sich in der Mutterpartei, die von der Generation Ü50 geprägt ist, zuerst beweisen müssen. Mittlerweile hätten ihre männlichen Kollegen bemerkt: Sie meint es ernst mit ihrem Engagement. Seit acht Jahren engagiert sie sich in der Feuerwehr Hülften und sitzt zudem in der Füllinsdörfer Sozialhilfebehörde.

Dass sie als angehende Akademikerin mit Karriere-Ambitionen nicht ins SVP-Weltbild vom Mütterchen am Herd passe, lässt sie nicht gelten. «Meine Partei ist nicht so altmodisch, wie sie oft dargestellt wird.» Auch sehe die jüngere Generation in der SVP Frauen in der Politik als selbstverständlich an, betont Liach. Allerdings: Zumindest der erweiterte Vorstand der JSVP Baselland, dem 17 Jungpolitiker angehören, ist noch immer ein Burschen-Club: Neben Liach ist darin eine einzige Frau, die Wintersingerin Nicole Roth, vertreten.  

2019, dann ist sie 31, könnte Liach in den Landrat gewählt werden. Zwar äussert sie sich zu ihren Ambitionen vorsichtig: Eine Kandidatur bei den kantonalen Wahlen sei nicht «ausgeschlossen». «Ich bin mir aber noch nicht im Klaren, ob ich bereit für ein solches Amt wäre.» Im Gegensatz zu fast allen anderen Jungparteien im Baselbiet ist die JSVP bisher bei den nationalen Wahlen nicht mit einer eigenen Liste angetreten. Ob das 2019 anders ist, sei ebenfalls offen, sagt Liach.

Kämpfer: «Im besten Alter»

Mit knapp 30 ist sie für eine Vertreterin einer Jungpartei nicht eben jung – bei den Juso sitzen 23-Jährige bereits im Kantonsparlament. Laut SVP-Präsident Oskar Kämpfer ist Liach hingegen «im besten Alter». Er verweist darauf, dass es gar nicht von Vorteil sei, bereits sehr jung in die kantonale Politik einzusteigen. «Dann schlägt bloss die Amtszeitguillotine von 16 Jahren früh zu», gibt er zu bedenken. Liachs Vorgänger im JSVP-Präsidium, der Brislacher Gabriel Bieli, betont, dass Liach über einige Lebenserfahrung verfüge. Diese komme ihr in der politischen Arbeit zugute. Sie könne sehr gut auf Menschen zugehen und finde unabhängig von deren Alter und Herkunft einen Draht zu ihnen.

Kämpfer will nicht in der Öffentlichkeit Druck aufbauen. Gleichwohl verhehlt er nicht, dass er von Liach eine «sehr hohe Meinung» habe und sie durchaus ermuntern werde, bei den Landratswahlen im Wahlkreis Pratteln zu kandidieren. Welche Rolle spielt Daria Liach in der personellen Planung der wählerstärksten Baselbieter Partei? «Sicher keine unbedeutende», meint Kämpfer vielsagend.