Regierungsrat BL

Die Wirtschaftskammer lobt Thomi Jourdan, gibt ihr Geld aber Anton Lauber

Dank dem frischen Geld der Wirtschaftskammer könnte Anton Lauber – wie hier an der Rheinstrasse – bald noch präsenter werden.

Dank dem frischen Geld der Wirtschaftskammer könnte Anton Lauber – wie hier an der Rheinstrasse – bald noch präsenter werden.

Nach einem Hearing lobt die Wirtschaftskammer Regierungsrats-Kandidat Thomi Jourdan als wirtschaftsfreundlich. Ihre Wahlkampfspende von 60000 Franken verteilt sie aber gänzlich an dessen Konkurrenten Anton Lauber. Jourdan geht leer aus.

Am Ende bleibt es eine Aussage ohne Wirkung: «Thomi Jourdan ist ein Politiker bürgerlicher Prägung.» Dies sagen nicht etwa Jourdans Unterstützer im Kampf um die Baselbieter Regierungsratsersatzwahl vom 9. Juni. Nein, Wirtschaftskammer-Direktor und FDP-Landrat Christoph Buser bescheinigt dem EVP-Kandidaten gegenüber der bz «wirtschaftsfreundliche Züge». Dies sei auch der Grund dafür gewesen, weshalb man dieses Mal beide Regierungskandidaten zu einem Hearing vor dem Wirtschaftsrat, dem «Parlament» der der Wirtschaftskammer angeschlossenen Verbände, eingeladen habe. Beim Wahlkampf Thomas Weber (SVP) gegen Eric Nussbaumer (SP) blieb Letzterer noch aussen vor.

Doch wie gesagt, am Ende hat Jourdan nichts davon. Nach dem Hearing vom Dienstag, bei dem zuerst Jourdan und dann Anton Lauber (CVP) einzeln angehört wurden, blieb die Überraschung aus. Der Wirtschaftsrat sprach einstimmig eine Empfehlung zugunsten von Lauber aus. Zusätzlich schüttet er für den Wahlkampf von SVP, FDP, CVP und BDP 60 000 Franken aus seinem Aktionsfonds aus. Schon Weber wurde im ersten Wahlgang mit demselben Betrag unterstützt. Damit erreicht Laubers Kriegskasse bereits 130 000 Franken, während Jourdan noch nicht einmal 30 000 beisammen hat – private Spenden jeweils nicht mitgezählt.

Parteibuch spielte durchaus Rolle

Allzu enttäuscht darf Jourdan – zumindest gegen Aussen – nun allerdings nicht sein, hatte er doch kurz vor der Anhörung gegenüber der bz betont, dass «Geld absolut kein Grund für mich ist, bei der Wirtschaftskammer vorzusprechen». Er freue sich viel mehr grundsätzlich über die Möglichkeit, seine Argumente vorbringen zu können – und dankt Buser dafür, dass dieser seine wirtschaftsfreundliche Haltung anerkennt. Und: «Auch ohne die Unterstützung der Wirtschaftskammer glaube ich natürlich an meine Chance, gewählt zu werden.»

Dass die Macht des kantonalen KMU-Dachverbands dennoch nicht zu unterschätzen ist, weiss Jourdans Wahlkampf-Berater Klaus Kirchmayr: «Wenn die Wirtschaftskammer Zehntausende von Franken in einen Kandidaten investiert, fühlt sich dieser ihr automatisch verpflichtet.» Er habe gehofft, dass der Wirtschaftsrat entscheide, welcher Kandidat ihm inhaltlich am meisten bringt, statt sich von Parteiinteressen beeinflussen zu lassen. Dann hätte der Ökonom Jourdan seiner Ansicht nach gute Chancen gehabt.

Auch EVP-Präsident Urs von Bidder hätte sich ein anderes Szenario erhofft: «Es wird Zeit, dass sich die Wirtschaftskammer bei Kopfwahlen langsam zurücknimmt.» Besonders, da dieses Mal zwei Mittepolitiker zur Wahl stünden. Stimmfreigabe oder ein Batzen an beide Lager hätte von Bidder angebrachter gefunden. Dies im Wissen, dass schon ein Bruchteil der 60 000 Franken das Budget Jourdans massiv verbessert hätte.

Lauber gibt sich unabhängig

Kirchmayrs Befürchtung, dass die bürgerlichen Parteien, die Lauber unterstützen, auf die Wirtschaftskammer einwirken, streitet Buser nicht einmal ab: «Natürlich spielt die politische Herkunft der Kandidaten – und ihrer Unterstützer – eine Rolle. SVP, FDP und CVP sind Verbündete, Lauber ein Weggefährte.» Jourdans Kandidatur dagegen sei kreuzfalsch aufgezogen worden, da er sich nicht dem üblichen Nominationsverfahren stellte, sondern als eigentlicher Sprengkandidat von Rot-Grün fungiert. Buser: «Ich hoffe, er wird nun von Rot-Grün nicht einfach verheizt.» Lauber dagegen kann sich freuen: «Diese Unterstützung kann als Regierungsrat wertvoll sein.» Sofort merkt er aber an: «Ich werde dadurch nicht abhängig. Ich bin Anton Lauber und mache Politik so, wie ich es will.»

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