Strafgericht Baselland

Diese Grillwurst war sauteuer – Gericht urteilt über Grillieren trotz Feuerverbots

Der Dürresommer kam die zwei Frauen teuer zu stehen. (Symbolbild)

Das waren wohl die teuersten Würste, die sich die beiden Frauen aus Grellingen je geleistet hatten: Wegen eines Feuers am 1. August 2018 in Münchenstein müssen beide jeweils eine Busse von 100 Franken sowie Gerichtskosten von jeweils 500 Franken bezahlen.

Der Sommer 2018 war trocken, der kantonale Krisenstab hatte am 30. Juli wegen der hohen Waldbrandgefahr ein generelles Feuerverbot im Freien für den gesamten Kanton Baselland verfügt. Zwei Tage später rief eine Passantin die Polizei, in Münchenstein sei auf einer Sandbank an der Birs ein Feuer entfacht worden. Sie habe zwei Frauen und ein Kind beobachtet, wie sie Holz gesammelt hätten.

Als die Polizei fast eine Stunde später dort eintraf, war an der improvisierten Feuerstelle noch heisse Glut festzustellen. Direkt daneben hatten es sich die beiden Frauen aus Grellingen gemütlich gemacht und badeten zusammen mit ihren Kindern. Einige Monate danach flatterte den Frauen jeweils ein Strafbefehl wegen Verstosses gegen das Gesetz über den Bevölkerungsschutz ins Haus: eine Busse von jeweils 100 Franken sowie Verfahrenskosten von 250 Franken. Dagegen erhoben sie Einsprache.

Heute Freitag kam es deshalb vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz zur Hauptverhandlung. «Wir haben das Feuer nicht gemacht. Wir sind an diese Sandbank gekommen, als das Feuer schon da war», betonten sie. Sie hätten zuerst gedacht, der Platz sei schon belegt, aber die Stelle sei zum Schwimmen so ideal gewesen, dass sie sich trotzdem dort niedergelassen haben. «Wenn dort bereits jemand anders wäre und vielleicht schwimmen gegangen sei, hätte er doch sicher eine Decke zurückgelassen?», fragte Gerichtspräsident Daniel Ivanov. «Ich dachte, keine Person lässt ein Feuer einfach so brennen», meinte eine der Frauen. Es habe dort mehrere kleine Inseln, in der direkten Umgebung seien noch andere Leute gewesen.

Vorwurf, die Zeugin sei islamophob

Die Polizei fotografierte die Szene, darunter auch die Besitztümer der Frauen. «Das hier sieht für mich wie zwei verpackte, rohe Bratwürste aus», kommentierte Ivanov eines der Fotos. «Das sind türkische Würste, die man auch so essen kann. Die sind schon gekocht», antwortete eine der Frauen. «Wo kann man die kaufen?». «In Deutschland». Beide Frauen ärgerten sich darüber, dass sie die Zeugin vor Gericht nicht befragen konnten. «Sie hat uns nur beobachtet, weil wir Kopftuch tragen, das ist islamophob. Sie hat gesagt, wir seien verschleiert gewesen», berichteten sie. Sie seien ihr wohl aufgefallen, weil sie mit den Kleidern in der Birs gebadet hatten.

Richter Ivanov wollte davon aber nichts wissen, die Anzeige enthalte keine Hinweise auf rassistische Motive. Hingegen hätten sich die beiden Frauen widersprüchlich geäussert: So haben sie früher gesagt, sie hätten nichts vom Verbot gewusst, sonst hätten sie das Feuer direkt gelöscht. Vor Gericht hingegen sagten beide, sie hätten vom Verbot gewusst. Kurzum: Die Beweise genügten, Ivanov bestätigte damit den Strafbefehl. Er betonte, selbst bei fahrlässiger Begehung sei der Gesetzesverstoss strafbar.

Die Frauen können das Urteil weiterziehen. Allerdings ist die Überprüfungsbefugnis des Kantonsgerichts beschränkt: Wenn es nur um Bussen wegen Übertretungen geht, darf die zweite Instanz lediglich offensichtliche Fehler im Urteil korrigieren.

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