Trinkwasser-Notlage

Diese Lehren muss die Regierung aus dem Fall Bubendorf ziehen

Von der Kläranlage ARA Frenke 2 in Niederdorf floss verschmutztes Wasser in die Vordere Frenke und bedrohte das Grundwasser.

Von der Kläranlage ARA Frenke 2 in Niederdorf floss verschmutztes Wasser in die Vordere Frenke und bedrohte das Grundwasser.

Auch der Landrat beschäftigt sich mit dem Trinkwasser. Sicherheitsdirektor Isaac Reber musste sich vom Plenum einige kritische Fragen zum kantonalen Notwasserkonzept gefallen lassen.

Am Donnerstag wurde die von Klaus Kirchmayr (Grüne, Aesch) eingereichte dringliche Interpellation von den Ratsmitgliedern ebenfalls als dringlich eingestuft. Am Nachmittag nahm Sicherheitsdirektor Isaac Reber (Grüne) Stellung, und die Angelegenheit wurde im Landrat diskutiert.

Ausgelöst wurde die Interpellation durch die Trinkwassernotlage in Bubendorf, die durch eine Verschmutzung der Vorderen Frenke und die Beeinträchtigung der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Niederdorf vor zwei Wochen verursacht worden war. Als Konsequenz mussten insgesamt sieben Grundwasserpumpwerke in Hölstein, Bubendorf, Liestal, Frenkendorf und Füllinsdorf bis vergangenen Mittwoch abgestellt bleiben. In Bubendorf wird die Notwasserleitung aus Ziefen heute abgehängt und die Aufforderung an die Einwohner zum Wassersparen aufgehoben.

In seinen Erläuterungen zu den Fragen der Interpellation zeigt sich Sicherheitsdirektor Isaac Reber zufrieden mit dem Management der Wassernotlage in Bubendorf. Das bereits vorhandene Notfallkonzept zur Trinkwasserversorgung der Gemeinde habe gegriffen, erläuterte Reber. Sowohl die Gemeinde als auch der zuständige Zivilschutz «Argus» hätten gute Arbeit geleistet. Auch in den anderen betroffenen Gemeinden hätte die Reaktion gestimmt.

Tauglichkeit hinterfragt

Kirchmayr fragte in seiner Interpellation nach der Tauglichkeit der Notwasserkonzepte der Gemeinden. Er sei stutzig darüber, dass der Kanton die Notfallkonzepte als ausreichend befinde, wenn es in den letzten Jahren doch wiederholt zu Trinkwassernotlagen gekommen sei. Er bezweifelt die Tauglichkeit eines Notfall Konzepts, das die Aufbietung des Zivilschutzes und die Verlegung einer Notwasserleitung beinhaltet. Seines Erachtens müsste ein Notfallkonzept eine weniger aufwendige Lösung umfassen. «Ein blöder Unfall, wie im aktuellen Fall, sollte nicht so eine Situation zur Folge haben,» sagte Kirchmayr.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Notwendigkeit einer kantonalen Beteiligung bei der Bewältigung der Notlage. Laut Reber hatte Bubendorf die Situation unter Kontrolle. Der Kanton habe aber, wie dies auch vorgesehen ist, die Gemeinde unterstützt und die Koordination der verschiedenen Akteure übernommen. «Entscheidend ist, dass die Leute in Bubendorf immer genügend Trinkwasser hatten, trotz des Problems», sagte Reber.

Dem pflichtete auch SVP-Landrätin Sandra Sollberger bei. Laut der Bubendörferin bestehe kein Grund, sich über die Notwasserkonzepte Sorgen zu machen. «Es hatte immer genug Wasser – eben dank des Notwasserkonzepts», sagte Sollberger. In Bubendorf sei dieses nun erfolgreich erprobt worden. Dem zu Folge seien auch die Anforderungen an die Konzepte an sich genügend.

Sollberger lobte auch die Anstrengungen der Bubendörfer Bevölkerung. In den ersten beiden Tagen nach dem Aufruf zum Wassersparen habe diese 20 Prozent Wasser gespart. In den nachfolgenden Tagen habe sich die Ersparnis dann auf ungefähr 13 Prozent eingependelt.

Fast alle Gemeinden mit Konzept

Die Anzahl der Gemeinden im Baselbiet mit bewilligtem Notwasserkonzept lag, laut Kirchmayrs Interpellationstext 2010 erst bei 32 von 86 Gemeinden. Reber konnte hier eine erfreuliche Aufdatierung erteilen: «Es ist inzwischen sehr viel Arbeit geleistet worden von den Gemeinden», sagt er. Aktuell hätten 77 Gemeinden ein bewilligtes Notwasserkonzept und bei den verbleibenden neun sei die Arbeit im Gange.

Weiter informierte Reber über die angefallenen Kosten dieser Notsituation. Laut ersten, groben Schätzungen der betroffenen Gemeinden und dem Kanton belaufen sich die Kosten auf ungefähr 190 000 Franken. Das Umweltschutzgesetz sehe klar vor, dass die Übernahme der Kosten beim Verursacher liegen würden. Eine Anzeige ist laut Reber bereits ausgelöst worden.

Die in Hölstein wohnhafte FDP-Landrätin Monica Gschwind hinterfragte die Entscheidung der Regierung, die Projektierung eines Neubaus der ARA in Bubendorf zu sistieren. Diese Entscheidung wurde kurz vor der Verschmutzung der Vorderen Frenke publik. Geplant war ursprünglich, die ARA in Niederdorf aufzuheben und die ARA in Bubendorf neu zu bauen. Laut Gschwind habe es nicht erst im aktuellen Fall Schwierigkeiten mit der ARA Niederdorf gegeben. Deshalb sollte die Regierung, so forderte Gschwind, die Durchführung des ARA-Projekts nochmals überdenken. Daraufhin bestätigte Isaac Reber, dass zur Wiederaufnahme dieses Projekts Abklärungen eingeleitet worden seien.

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