Salina Raurica

Diese Wiese soll grün bleiben – Opposition formiert sich gegen neues Quartier

Die Rheinebene zwischen Pratteln und Augst ist derzeit weitgehend unbebaut. Dass man hier eines Tages arbeiten und wohnen soll, gefällt nicht allen.

Die Rheinebene zwischen Pratteln und Augst ist derzeit weitgehend unbebaut. Dass man hier eines Tages arbeiten und wohnen soll, gefällt nicht allen.

In Pratteln formiert sich Opposition gegen das neue Quartier für 2500 Bewohner. Auf der grünen Wiese zwischen Pratteln und Augst sollen Wohnungen mit 2500 Bewohnern entstehen, gleichzeitig sollen Gewerbe und Industrie 2500 neue Arbeitsplätze schaffen.

Als vorletzte Woche die Pläne für Salina Raurica präsentiert wurden, waren die Planer und die Kantons- und Gemeindevertreter alle begeistert. Auf der grünen Wiese zwischen Pratteln und Augst sollen Wohnungen mit 2500 Bewohnern entstehen, gleichzeitig sollen Gewerbe und Industrie 2500 neue Arbeitsplätze schaffen. Von politischen Hürden war nicht die Rede.
Dabei gibt es in Pratteln Stimmen, die das Megaprojekt vor der eigenen Haustüre kritisieren.

Am konkretesten wird Paul Dalcher, ehemaliger Gemeinderat und Landrat, heute Einwohnerrat. Für den Freisinnigen ist die Planung in Salina Raurica «kontraproduktiv für Pratteln». Natürlich würden die Landbesitzer möglichst rasch Wohnbauten erstellen wollen. Denn das verspreche rasch Gewinn, im Gegensatz zu Gewerbe- und Industrie.

«Jobs first»

Doch Dalcher ist gegen ein Mischquartier, und er erinnert daran: Vor Jahrzehnten hatte man beschlossen, nördlich der Bahnlinien keine Wohnungen zu planen. «Mit Wohnungen schafft man keine Arbeitsplätze», sagt er. «Umgekehrt schon.» Für ihn ist das Längi-Quartier ein Beispiel, dass es nicht funktioniert, einfach Wohnungen hinzustellen und darauf zu hoffen, dass das Gewerbe nachzieht. «Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen.»

Sein Fazit für Salina Raurica lautet darum «Jobs first». Man solle das Land für die zukünftige Ansiedlung von Gewerbe freihalten – auch wenn er einräumt: «Die hochwertigen Arbeitsplätze, die sich alle herbeiwünschen, kann ich natürlich nicht aus dem Ärmel schütteln.»

Ganz anders argumentiert die lose Gruppe von Prattlern, die bei der Präsentation des neuen Quartiers demonstrierte. Pratteln dürfe nicht noch weiter wachsen, sind diese parteiunabhängigen Bürger überzeugt. Darunter ist die ehemalige Gemeinderätin Denise Stöckli, die meint: «Wir müssen die Grünflächen erhalten, die wir noch haben.» Unter anderem beruft sie sich auf Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain. In der bz warnte er neulich davor, immer mehr Boden zu überbauen. «Wir müssen auch künftigen Generationen Spielraum lassen», findet jetzt Stöckli. «Wenn die Wohnungen ein so grosses Bedürfnis wären, würden die Investoren schon lange Schlange stehen.»

Anstatt einer «Planung aus den 80ern», schlägt sie vor, die Ebene zwischen Autobahn und Bahnlinie als Erholungsraum aufzuwerten. «Man könnte Büsche für Vögel und Kleintiere erstellen, und warum nicht einen Wald anpflanzen?» Der Trumpf der Gegner: Will man Salina Raurica bebauen, braucht es Quartierpläne. Diese muss der Einwohnerrat absegnen, bei einem Referendum das Volk. Paul Dalcher will jetzt seine eigene Partei, die FDP, dazu bewegen, sich seiner kritischen Haltung anzuschliessen.

Referendum ohne Parteien

«Die Diskussion ist noch nicht gelaufen», sagt Dalcher. «Mit meinen Argumenten kann ich die Leute überzeugen.» Als Gegenspieler hat er den Gemeindepräsidenten Stephan Burgunder, auch er ein Freisinniger. Stöckli ihrerseits setzt auf ausserpolitische Opposition. «Ich glaube nicht, dass im Einwohnerrat jemand dazu bewegt werden kann, sich zu wehren», sagt sie, die immer parteilos politisierte, aber den Grünen nahe war. Für die Demo hätten sich viele Prattler gemeldet, «aber niemand aus den Parteien». Sie hofft auf eine breite Volksbewegung, die ein Referendum ergreifen könnte.

Gemeindepräsident Burgunder bereitet die Kritik an Salina Raurica «nicht gerade Sorgen», wie er sagt. «Aber man muss die Bedenken ernst nehmen und die Anliegen in das Projekt einbeziehen.» Die aktuellen Pläne seien «erst eine Studie auf grosser Flughöhe». Zu den Quartierplänen werde es wie vorgeschrieben ein Mitwirkungsverfahren geben. Für ihn ist klar, dass es in Pratteln noch einige Diskussionen zu Salina Raurica geben wird, denn: «Der Prozess ist erst angestossen.»

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