Gesundheitspolitik

Dieser Mann ist der neue Schatten von Regierungsrat Thomas Weber

«Ich möchte mehr Transparenz im Amt»: Jürg Sommer.

«Ich möchte mehr Transparenz im Amt»: Jürg Sommer.

Der Leiter des neuen Amts für Gesundheit, Jürg Sommer, will den Kurs des Kantons mitbestimmen. Nach seinen ersten 120 Tagen im Amt kann er ein erstes Fazit ziehen.

Zwei Themen beschäftigen das Baselbiet zurzeit stärker als alles andere: die Kantonsfinanzen und die Spitalplanung. Dort werden in den nächsten Monaten Entscheide gefällt, die Kernbereiche des Kantons komplett umwälzen werden.

Umso erstaunlicher, dass es erst seit April in der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) ein eigentliches Amt für Gesundheit gibt. Amtsleiter Jürg Sommer wurde von Tag eins an stark gefordert. Im Gespräch mit der bz zeigt er nun – nach 120 Tagen im Amt – erstmals auf, dass er eine gewichtige Rolle hinter Regierungsrat Thomas Weber einnehmen will.

Herr Sommer, warum tun Sie sich diesen Job an? Es gibt im Kanton Baselland wohl zurzeit kein aufreibenderes Thema als das Gesundheitswesen.

Jürg Sommer: Ich war elf Jahre Leiter des Nordwestschweizer Heilmittelinspektorats. Die Aufgabe im Amt für Gesundheit hat mich eben gerade gereizt, weil sie sehr vielseitig und spannend ist. Zudem ist das Amt ein zentraler Teil der strategischen Weiterentwicklung der VGD, wie sie Thomas Weber vorhat.

Bisher gab es die Abteilung Gesundheit als Teil des Generalsekretariats der VGD. Was ist konkret der Vorteil des neuen Amts?

Damit erhält der Gesundheitsbereich deutlich mehr Gewicht innerhalb der Direktion. Zudem war der frühere Kantonsarzt Dominik Schorr gleichzeitig auch der Abteilungsleiter. Eine klare Aufgabenteilung fehlte. Das war nicht ideal. Jetzt sind die Positionen geschärft. Ich leite das Amt und Brian Martin ist der Kantonsarzt.

Sehen Sie sich eher als Verwalter und Administrator oder als einen aktiven Gestalter?

Beides trifft zu. Vor allem in den ersten zwei Monaten musste ich erst einmal die internen Abläufe kennenlernen und eher Administrativarbeit erledigen. Jetzt versuche ich, das Amt gegen Aussen bekannter zu machen. Was mich sehr reizt, ist, den Kurs des Kantons in gesundheitspolitischen Fragen mitzubestimmen.

Als Thomas Webers Schatten?

So würde ich das nicht sagen. Aber es gehört auf jeden Fall zu meinen Aufgaben, Thomas Weber zu beraten. Ich hoffe, ich kann dank meinem Wissen Inputs geben und so auch an politischen Entscheidungen mitwirken.

Konnten Sie schon etwas erreichen?

Eines meiner ersten Anliegen war sicher, die interne Kommunikation zu verbessern. Ich möchte mehr Transparenz im Amt.

Wo war dies in der Vergangenheit ein Problem?

Da ich ja neu bin, kann ich kein Beispiel nennen. Aber ganz generell geht es um Effizienzsteigerung. Bei uns gibt es viele Schnittstellen, die über die Vorgänge in mehreren Abteilungen Bescheid wissen sollten. Da habe ich angesetzt.

Haben Sie für Ihr Amt ein längerfristiges Ziel?

Meine Vision ist es, dass das Amt für Gesundheit ein Kompetenzzentrum mit regionaler Ausstrahlung wird. Auch möchte ich die Wirkung, die die einzelnen Aufgabenbereiche erzielen, messbar machen. Das halte ich für sehr wichtig.

Wie sehr sind Sie in die aktuellen Planungen der gemeinsamen Spitalgruppe des Kantonsspitals Baselland (KSBL) und des Universitätsspitals Basel-Stadt eingebunden?

Ich wurde von Anfang an in die Projektgruppen eingebunden, die das Ganze ausgearbeitet haben. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, das war durchaus herausfordernd. Es war aber auch spannend und eine Chance, etwas zu bewirken.

Wie haben Sie die Kooperation mit Basel-Stadt erlebt?

Der starke Willen zur Zusammenarbeit, den die beiden Direktionsvorsteher Thomas Weber und Lukas Engelberger, aber auch die Mitarbeiter, zeigten, hat mich beeindruckt. Das war für die Entwicklung der Spitalgruppe ideal. Man hat sich früh auf die sogenannten «High Level Objectives», die Kernziele des Projekts, geeinigt, also eine optimierte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung der beiden Kantone, eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums im Spitalbereich sowie eine langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in der Region. Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist für mich die optimale Lösung.

Hätten Sie gedacht, dass sich so schnell diverse Widerstände gegen die Spitalgruppe bilden, etwa wegen der Verknüpfung mit dem Univertrag oder wegen der Sorgen der Bruderholz-Mitarbeiter?

Dass auf dem Bruderholz eine Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe das jetzige Spital ablösen soll, ist momentan erst ein Schlagwort – eine Vision. Diese gilt es jetzt zu schärfen, um Ängste abzubauen.

Konkret: Glauben Sie KSBL-Verwaltungsratspräsident Werner Widmer, der beteuert, dass niemand auf die Strasse gestellt werden muss?

Für Personalentscheide ist das KSBL selber verantwortlich, nicht der Kanton. Ich unterstütze natürlich, dass niemand auf die Strasse gestellt wird und bin überzeugt, dass für alle Mitarbeiter eine gute Lösung gefunden wird. Auf jeden Fall muss eine gewisse Anzahl Stellen verlagert werden. Eine Tagesklinik erfordert eine andere Art zu arbeiten. Aber es kann gut sein, dass es am Ende sogar mehr Arbeit gibt.

Wenn doch aber das Ziel ist, die Kosten zu senken und an Effizienz zu gewinnen: Geht das wirklich mit demselben Stellenbestand?

Natürlich wollen wir das Kostenwachstum dämpfen. Schon die Strategie, vermehrt auf ambulante statt stationäre Behandlungen zu setzen, macht den Betrieb günstiger.

Was würde Ihrer Meinung nach passieren, wenn die gemeinsame Spitalgruppe doch noch scheitert?

Erstens gehe ich davon aus, dass das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann. Daran arbeiten alle Beteiligten mit vollem Einsatz. Sollte es aber dennoch scheitern, so bin ich wieder der Meinung von Werner Widmer: Dann müssen unsere Spitäler schauen, wie sie alleine überleben können. Für das KSBL zentral dürfte dann die Frage sein, was mit dem Bruderholzspital geschieht. Der Kanton als Träger hat dabei die Rolle des Regulators und Versorgers. Wir würden sicher das Gespräch mit dem KSBL suchen, wie man der Versorgung der Bevölkerung weiter gerecht werden könnte.

Warum konnte die Stelle des Abteilungsleiters Spital- und Gesundheitsplanung laut der Kantonswebsite noch nicht besetzt werden? Gerade diese ist doch zurzeit von höchster Bedeutung.

Das ist ein Fehler auf der Homepage. Seit dem 1. Juli ist die Stelle besetzt. Tatsächlich ist diese Abteilung essenziell. Matthias Nigg hat sich aber schnell eingearbeitet. Zurzeit wird dort ein Monitoring der ganzen Spitalplanung aufgebaut.

Wie erleben Sie Ihren Chef Thomas Weber?

Ich erlebe ihn gerade beim Projekt der Spitalgruppe sehr engagiert. Er bringt sein Fachwissen, aber vor allem auch die Sicht des Kantons Baselland ein. Schon alleine von der Kantonsstruktur mit den ländlichen Gebieten gibt es da Unterschiede zu Basel-Stadt. Weber brachte deshalb etwa die Idee eines Gesundheitsnetzwerkes für das Laufental in die Diskussion ein.

Glauben Sie, dass er mehr Erfolg haben wird als sein Vorgänger Peter Zwick?

Ich bin überzeugt davon, dass Thomas Weber Erfolg haben wird, und ich werde versuchen, ihm bei der Umsetzung seiner Vision zu helfen.

Erschwerend kommt nun hinzu, dass Weber – wie alle anderen Direktionen auch – im Rahmen des neuen Sparpakets zehn Prozent Personal einsparen muss. Wissen Sie schon, ob und wie es Ihr Amt trifft?

Ja, das Amt für Gesundheit ist davon betroffen. Der Sparauftrag hat auch bei uns personelle Auswirkungen. Erste Massnahmen stehen bereits 2016 an, eventuell Pensenreduktionen. Wie viele Stellen es genau betrifft, ist aber noch nicht endgültig festgelegt. Wir sind im Gespräch mit den Betroffenen, um Lösungen zu finden. Ich will jetzt weder falsche Hoffnungen machen noch falsche Ängste schüren.

Werden Sie nicht versuchen, die Bedeutung Ihres Amtes für die Direktion in die Waagschale zu werfen?

Natürlich muss das Amt weiter funktionieren. Ich werde versuchen, die Sparmassnahmen abzufedern. Aber erst brauchen wir alle im Amt etwas Zeit, die auferlegten Massnahmen zu verdauen, um dann das Beste daraus zu machen.

Können Sie etwa gemeinnützigen Institutionen noch Hoffnung machen, die stark unter den Kürzungen bei der Suchtprävention, den Drogentherapien oder der Alkoholberatung leiden?

Viel Spielraum gibt es bei den einzelnen Sparmassnahmen nicht. Den betroffenen Institutionen wie dem Blauen Kreuz habe ich nicht viel mehr anzubieten als meine Präsenz. Ich will zumindest hinstehen und ihnen zuhören.

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