Es war nicht der klassische Rückenfallschirm, welcher dem einen Piloten des verunglückten Grasshoppers-Flugteams aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet hat. Vielmehr verdankte dieser die vergleichsweise sanfte Landung der beschädigten Maschine einem neuartigen Rettungssystem, das in Deutschland für alle Ultraleichtflugzeuge, wie sie die Grasshoppers am Wochenende in Dittingen flogen, vorgeschrieben ist. So war es vermutlich der modernen Rettungstechnik und der eigenen Kaltblütigkeit zuzuschreiben, dass der Pilot unverletzt dem Wrack entsteigen konnte.

Pilot und Aviatik-Journalist Jürgen Schelling beschreibt, was es mit dem sogenannten BPS (Ballistic Parachute Systems) auf sich hat: «Der Pilot muss bei einer Kollision, oder einem Einflug etwa in schlechtes Wetter, einen mechanischen Hebel im Cockpit ziehen. Dann schiesst hinten aus dem Rumpf eine kleine Rakete. Diese Rakete durchschlägt den Rumpf an einer Sollbruchstelle und zieht den Fallschirm raus. Dieser öffnet sich dann automatisch, das ganze Flugzeug hängt dann am Fallschirm.»

Schon weit über 100 Piloten gerettet

Laut Schelling wurden weltweit schon weit über 100 Piloten durch derartige Systeme gerettet. Allerdings stellt der aus Freiburg im Breisgau stammende Luftfahrtexperte klar, dass die Rakete nur manuell ausgelöst werden kann: «Ist der Pilot etwa durch den Zusammenstoss bereits bewusstlos, kann sich das Rettungssystem nicht automatisch selbst auslösen.» Im Gegensatz zur notgelandeten Maschine stürzte die C-42 des tödlich verunglückten Piloten ungebremst in eine Scheune mitten in Dittingen, ohne dass das Rettungssystem aktiviert worden war.

In einer Broschüre von 2014 warnt das Bazl aber auch vor den Gefahren des BPS: Die Bergung eines Flugzeugwracks mit noch nicht abgefeuertem Rettungssystem kann für alle Retter lebensgefährlich werden. Bereits bestimmte kleine Bewegungen des Rumpfs könnten zur Explosion der Treibladung im Rumpf führen, was im Zusammenhang mit ausgelaufenem Flugbenzin verheerende Folgen haben kann. Darum muss davon ausgegangen werden, dass sich beim Aufprall der zweiten Maschine auch die Rettungsrakete entzündete. Anwohner beschrieben beim Aufprall einen Feuerball.

Spekulationen schaden nur

Zur Unfallursache von Dittingen möchte Schelling keine Vermutungen anstellen. Er kennt die drei Piloten, die auf dem Flugplatz Bremgarten/Eschbach 30 Kilometer nördlich von Basel ihre Heimbasis hatten, persönlich und zeigt sich vom Unfall tief betroffen: «Momentan ist alles Spekulation. Vielleicht war auch ein technisches Versagen die Unfallursache. Da muss abgewartet werden, bis die Unfallermittler der Luftfahrtbehörde ihre Untersuchungen abgeschlossen haben.» Schellings Schlusssatz gilt für alle derartigen Unfälle: «Deshalb rate ich von Spekulationen ab, natürlich auch mit Rücksicht auf die Überlebenden und ihre Familien.»