Pratteln

Doch bald Wohnen auf dem Rohner-Areal? Besitzerin Hiag schafft Verwirrung

Das Areal, auf dem die konkursite Rohner AG steht, gehört der Basler Arealentwicklerin Hiag.

Die Hiag AG kündigt an, mit der Entwicklung des Rohner-Areals zum lukrativen Wohnraum zu starten, weil kein Investor gefunden worden sei, der den Chemiebetrieb übernimmt. Dabei läuft die Frist des Konkursamtes für Angebote erst Ende Woche ab.

Dem Vernehmen nach war am Mittwochabend in Pratteln ein kollektives Aufatmen zu hören. Denn um 18.15 Uhr kündigte die Basler Areal-Entwicklerin Hiag Immobilien Holding AG in einer Medienmitteilung an, dass sie die Entwicklung des ihr gehörenden Geländes der konkursiten Rohner AG hin zu lukrativem Wohnraum «in Angriff nehmen» werde – und das 15 Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Dies, da «trotz Gesprächen mit verschiedenen interessierten Parteien bisher kein Nachmieter für die insolvente Rohner AG gefunden werden konnte».

Was für eine Botschaft. Erst vor einer Woche hiess es noch, es gebe durchaus interessierte Investoren, die sämtliche Anlagen der Rohner AG en bloc kaufen und den Chemiebetrieb weiterführen könnten. Das Baselbieter Konkursamt setzte für Angebote eine Frist bis zum 31. August. Der Wunsch vieler Prattler, das nahe des Bahnhofs gelegene und an ein Wohnquartier angrenzende Areal endlich der alten Chemie zu entreissen, rückte in weite Ferne.

Hiag wollte die eigenen Anleger beruhigen

Bricht das Konkursamt die Suche nach Käufern nun abrupt ab, weil die Areal-Besitzerin bereits vor Fristende entschieden hat, das Gelände definitiv zu Wohnraum zu entwickeln? Nein. Denn auf Nachfrage der bz stellt Felix Grisard, Verwaltungsratspräsident der Hiag AG, klar: «Mit der Mitteilung wollten wir keine Fakten schaffen, sondern Entschlossenheit demonstrieren, falls kein Investor gefunden wird.» Die Hiag AG halte sich weiterhin alle Optionen offen und warte die Investorensuche des Konkursamtes ab, bevor weitere Schritte beschlossen würden.

Grisard erklärt die missverständliche Formulierung in der Medienmitteilung mit dem Status der Hiag als börsenkotiertes Unternehmen. «Wir müssen bei unseren Anlegern alle Zweifel aus der Welt räumen und ein Signal senden, dass wir vorbereitet sind und – falls nötig – bereits dieses Jahr mit der Arealentwicklung beginnen können.» Diese sei schliesslich aufwändig, da man die Altlastensanierung abschliessen und auch noch eine Umzonung von der Industrie- in eine Wohnzone vollziehen müsste. In der Mitteilung schreibt Hiag selbst von rund 45 Millionen Franken für Abwertungen und Rückstellungen, die das Semesterergebnis 2019 belasten würden, müsste das Unternehmen die Arealentwicklung vorziehen.

Pratteln wünscht sich eine Zwischennutzung

Aufatmen kann die Prattler Bevölkerung also frühestens kommende Woche, wenn die Frist des Konkursamtes abgelaufen ist. Amtsleiter Reto Tschudin möchte zum Stand der Eingaben potenzieller Investoren «aus verhandlungstechnischen Gründen» nichts sagen. Unbestätigten Informationen der bz zufolge lag aber bis gestern Nachmittag noch kein offizielles Angebot vor.

Die Mitteilung der Hiag löst auch beim Prattler Gemeindepräsidenten Stephan Burgunder eine gewisse Irritation aus. «Sie ist tatsächlich etwas unglücklich formuliert», sagt er. Er glaubt, dass Gemeinde und Besitzerin gar nicht so weit auseinander liegen: «Auch ich möchte dort Wohnraum schaffen, aber in der Zwischenphase keine Industriebrache.»

Die Phase, bis die Bagger auffahren, dauere sicher acht bis zehn Jahre, so Burgunder. Deshalb sagt er: «Ich bin der Meinung, man kann eine Zwischennutzung eingehen und parallel die Entwicklung beginnen. So hat man Einnahmen und das Areal ist belebt.» Und noch etwas ist für Burgunder klar: «Wir als Gemeinde stehen dabei nicht bloss an der Seitenlinie, sondern gestalten aktiv mit, wie entwickelt werden soll.»

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