Patenschaft

Dörfer unterstützen Dörfer: Zwischen Partnerschaften und solidarischer Entwicklungshilfe

Die Patenschaft von Muttenz mit Meschendorf hält seit Jahrzehnten.

Die Patenschaft von Muttenz mit Meschendorf hält seit Jahrzehnten.

Mehrere Gemeinden in der Region haben Partnergemeinden im In- und Ausland. Vereinzelt sind die Beziehungen aber auch eingeschlafen.

Vor dreissig Jahren übernahmen zahlreiche Gemeinden in der Schweiz eine Patenschaft für eine Stadt oder ein Dorf in der Region Siebenbürgen in Rumänien, als der brutal herrschende Diktatur Nicolae Ceausescu diese zerstören wollte. Unter anderem bekamen Muttenz Meschendorf, Allschwil Blaj und Riehen Miercurea Ciuc zugeteilt.

Während zu Beginn das Unterstützungskomitee beim Projekt «Pro Meschendorf» gross war und auch die Einwohnergemeinde und beide Kirchgemeinden aktiv mit von der Partie waren, hält heute der damalige Initiator Philipp Herzog das Projekt nahezu alleine am Leben. Auch um die Partnerschaft von Muttenz mit Erlenbach ist es seit der Fusion der Gemeinde im Simmental still geworden. Die Patenschaft Allschwils mit Blaj schlief um 2010 ein, weil sich die Behörden der rumänischen Stadt bei den Allschwiler Vertretern nicht mehr zurückmeldeten. Aufgrund des scheinbaren Desinteresses entschied der Gemeinderat in Absprache mit dem Einwohnerrat, die Patenschaft fallen zu lassen.

Die 1984 ins Leben gerufene Partnerschaft Allschwils mit dem deutschen Pfullendorf, einer Kleinstadt mit 14'500 Einwohner in Baden-Württemberg, besteht noch heute und wird gemäss Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) auch aktiv gelebt. Die Behörden unterhalten einen regen Kontakt. Es gibt Austauschprogramme der Schulen sowie Kontakte unter Vereinen. «Die Partnerschaft ist für uns als Gemeinde eine Bereicherung, eine Horizonterweiterung», findet Nüssli. Sie ist überzeugt, dass eine Partnerschaft, die wirklich aktiv gelebt wird, für beide Seiten eine Bereicherung darstellt.

Ein Prozent der Steuern für die Entwicklungszusammenarbeit

Einst gehörten solche Gemeindepartnerschaften zum guten Ton. Heute hänge es oft von einzelnen Behördenmitgliedern oder Privatpersonen ab, ob sie gepflegt werden. Die Partnerschaft zwischen Birsfelden und der Genfer Gemeinde Plan-les-Ouates schlief bereits vor vielen Jahren ein. Birsfeldens Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) sieht aktuell keinen Bedarf für eine neue Partnerschaft, schliesst eine solche aber nicht auf Dauer aus. «Für mich muss der Zweck einer Partnerschaft wohl überlegt und ausbalanciert sein und sollte nicht nur aus einseitigen finanziellen Hilfestellungen bestehen.»

In Sissach sieht man dies nicht so eng. Die Gemeinde unterstützt seit Jahren das Bündner Bergdorf Cumbel, das mittlerweile zur Gemeinde Lumnezia fusioniert hat, mit jährlich 10'000 Franken. Zwar finden einmal im Jahr gegenseitige Besuche statt, doch im Grossen und Ganzen sei der Benefit einseitig, bestätigt der Gemeindepräsident Peter Buser. Es handle sich eben um eine Patenschaft und nicht um eine Partnerschaft. «Es geht uns um den Solidaritätsgedanken, um eine Art Entwicklungshilfe.»

Ähnlich denkt auch die Gemeinde Riehen, die traditionell ein Prozent der Einkommenssteuern für die Entwicklungszusammenarbeit aufwendet. Nachdem die während Jahren unterstützte Gemeinde Mutten im Bündnerland fusioniert hatte, suchte Riehen eine neue Gemeinde und fand diese im jurassischen Val Terbi. Es gehe nicht darum, dass die Patengemeinden einfach nur die hohle Hand machen, sondern dass konkrete Projekte unterstützt werden, sagt Riehens zuständiger Gemeinderat Guido Vogel (SP). Auch die Patenschaft nach Rumänien hält Riehen weiterhin aufrecht. Vogel ist vom Nutzen dieser Patenschaften auch für Riehen überzeugt. «Es gehört auch irgendwie zum Selbstverständnis von Riehen, dass wir andere Gemeinden mit tieferem Steueraufkommen unterstützen.»

Besonders aktiv lebt Aesch seine Paten- und Partnerschaft. Während das Urner Bergdorf Unterschächen aufgrund der Namensverwandtschaft durch die Alp Aesch zur Unterstützung durch die Baselbieter Gemeinde kam, führten Aesch und Porrentruy im Jura die gemeinsame Geschichte zusammen. Beide Beziehungen werden noch heute intensiv gelebt.

«Mit Porrentruy pflegen wir einen Austausch auf Augenhöhe. Von Unterschächen sind wir eher die Göttigemeinde», erklärt Aeschs Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP). Für sie sind die Beziehungen in die welsche Schweiz wichtig. Porrentruy suche seinerseits den Kontakt in die Region Basel. Der Austausch auf Behördenebene funktioniere genauso wie die Schüleraustauschprogramme und die gegenseitigen Besuche der Bevölkerung. Zu Unterschächen habe sich über die Jahre eine enge Freundschaft entwickelt, schwärmt Hollinger. Alle vier Jahre fahren volle Reisecars von Aesch ins Urnerland zum Wanderausflug.

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