Verzögerung

Dornach tut sich schwer mit dem Otto-Stich-Platz

Kommt anders als geplant: der Otto-Stich-Platz.

Kommt anders als geplant: der Otto-Stich-Platz.

2012 verstarb alt Bundesrat Otto Stich. Dornach will seinem berühmten Einwohner ein Gedenkort widmen – dafür sprach der Souverän Geld. Der Otto-Stich-Platz verzögert sich nun aber, denn in der favorisierten Variante wäre er zu teuer geworden.

Hans-Peter Tschudi, immerhin der bisher letzte Basler Bundesrat, wurde von der Stadt ein unscheinbares Mätteli beim neuen Kinderspital gewidmet – acht Jahre nach seinem Tod. Der Anne-Frank-Platz zu Birsfelden ist in einem Wohnquartier versteckt. Auf der Kreuzung üben Primarschüler Einrad fahren. Nicht besser ist es Carl Spitteler ergangen, dem einzigen Nobelpreisträger aus dem Baselbiet: Das Denkmal für den Schriftsteller in Liestal ist nicht mal angeschrieben; mit seinem Rost beschäftigt sich sogar der Landrat.

Die drei Beispiele zeigen: In unseren Breitengraden ist das Verhältnis zu herausragenden Persönlichkeiten eher verkrampft – auch nach deren Tod. Das jüngste Kapitel in dieser Beziehung hat Dornach aufgeschlagen. Dort soll der im September 2012 verstorbene Bundesrat Otto Stich geehrt werden, und zwar mit einem eigenen Platz. Da sind sich die Dornacher einig – beim Punkt, wie dieser Platz gestaltet werden soll, ist es um den Konsens aber bereits geschehen.

Zankapfel ist das Geld. 85 000 Franken darf der Platz kosten – und keinen Rappen mehr. So hat es die Gemeindeversammlung im vergangenen Juni beschlossen.

Nicht im Sinne des Sparministers

Auserwählt wurde eine Parzelle an der Unterdorfstrasse im Zentrum, kleiner als ein Tennisplatz. Ein Mergelbelag ist geplant, darauf sollen 14 Kalkquader zu stehen kommen. Der grösste Brocken symbolisiert Stich, die anderen das Volk. Das Problem: Der Platz wird teurer als geplant.

Am Montag mühte sich der Gemeinderat wieder einmal mit dem Otto-Stich-Platz ab. Das einstimmige Fazit: Das Kostendach wird gesprengt – die Pläne müssen retour an die Bauverwaltung; diese soll günstigere Varianten ausarbeiten. Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler), der Stich persönlich kannte, bedauert die Verzögerung. «Der Souverän hat den Kostendeckel bestimmt, wir können nichts machen. Zurzeit sind die Zeiger halt auf Sparen gestellt.» Schlatter rechnet – trotz Rückstellung – mit der Eröffnung noch in diesem Jahr.

«kaum positive Voten»

Kein Freund der Quader ist Schlatters Gemeinderatskollege Alain Amhof. Im «Wochenblatt» wird der Freisinnige zitiert, er habe «kaum positive Voten» zur favorisierten Variante vernommen. Gegenüber der bz präzisiert er: «Die Steinquader sind nicht die beste Lösung. Sie sind fix und verhindern alle anderen Nutzungen, zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt.» Er regt eine günstigere Gestaltung an – das sei auch im Sinne des verstorbenen Bundesrats: «Otto Stich galt doch als Sparminister. Er wäre sicher der Erste gewesen, der auf die Kosten geschaut hätte.»

Schlatter wiederum besteht auf den Steinen, kann sich aber vorstellen, deren Zahl zu reduzieren. In einem Punkt geht Schlatter mit Amhof einig: Stich, der auch in seinen Jahren im Bundesrat als äusserst bescheiden galt, wäre der Platz zu seinen Ehren wohl unangenehm gewesen.

«Vielleicht», mutmasst Schlatter, «hätte er sogar protestiert: ‹Was, ein Platz nur für mich? Das ist zu viel der Ehre!›»

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