Die Beweislage war schwierig, dennoch war für die Richter klar, dass mindestens drei der fünf Angeklagten während einer Hochzeitsfeier in Allschwil im April 2017 einen anderen Mann kräftig verprügelt hatten. Vorwürfe der Nötigung im Vorfeld der Hochzeit führten mangels klarer Beweise zu Freisprüchen.

Zwei Brüder erhielten wegen Angriffs eine bedingte Freiheitsstrafe von jeweils 14 Monaten. Ihre damals 17-jährige Schwester führte eine Beziehung mit einem der Familie nicht genehmen Mann, nach langen gegenseitigen Provokationen eskalierte der Streit an jener Hochzeitsfeier.

Einer der Angeklagten sass nach den Vorfällen einen Monat lang in Untersuchungshaft. Der 27-Jährige hatte selbst ein Auge auf die junge Frau geworfen, war aber laut Gericht an dieser Schlägerei weniger aktiv beteiligt als die Brüder. Auch wurde er vom weiteren Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung freigesprochen, es blieb bei der Verurteilung wegen eines Angriffs.

Die Richter setzten sein Strafmass auf 14 Monate bedingt fest. Eigentlich ist auch der Angriff ein Katalogdelikt für eine obligatorische Landesverweisung, doch die drei Richter verzichteten bei ihm explizit darauf. Gerichtspräsident Beat Schmidli betonte, die Ausschaffung nach Syrien könne sowieso nicht vollzogen werden. Der Mann lebt seit 2011 in der Schweiz.

Schlichtung scheiterte

Wie am Rand der Verhandlung bekannt wurde, gab es zwischen den beteiligten Männern offenbar Versuche, die Sache zu schlichten. Es scheiterte unter anderem daran, dass jemand sich klar einseitig als Täter bezeichnen und sich entsprechend hätte entschuldigen müssen. Auch verstanden mehrere Beteiligte das in der Schweiz geltende Konzept der Offizialdelikte nicht, wonach der Staat auch dann Straftaten verfolgt, wenn dies vom Opfer nicht mehr gewünscht wird.

So stellte der verletzte Mann schliesslich seine Zivilforderungen und drang in weiten Teilen durch: Die drei Verurteilen haften solidarisch und müssen für Lohnausfall, zerstörte Kleider und ein Mobiltelefon rund 5000 Franken Schadenersatz leisten. Dazu kommt eine Genugtuung von 8000 Franken. Auch ihre eigenen Verfahrenskosten von jeweils rund 6500 Franken müssen die Männer selber bezahlen.

Genugtuung und Schadenersatz

Einer der Brüder fuhr an jener Hochzeit andere Gäste nach Hause und war bei der Prügelei möglicherweise gar nicht dabei. Das Gericht sah seine Beteiligung als nicht nachgewiesen an und kam deshalb zu einem Freispruch. Da er zwei Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte, sprach ihm das Gericht eine Genugtuung von 400 Franken zu. Auch beim fünften Angeklagten reichten die Beweise nicht für eine Verurteilung, ihm sprach das Gericht pauschal einen Schadenersatz von 500 Franken zu. Alle Parteien können das Urteil noch weiterziehen.