Arisdorf

Drei Spürnasen gegen den Bockkäfer: Wie diese Arisdörfer Hunde Bäume retten

Australian Cattle Dog Max sucht einen Baum nach invasiven Schädlingen ab.

Australian Cattle Dog Max sucht einen Baum nach invasiven Schädlingen ab.

Die Arisdörferin Norma Kleiber und ihre drei Spürhunde Max, Fritz Lee und Eddy spüren invasive Schädlinge auf.

Dicht aneinandergedrängt liegen sie da, die Ohren gespitzt, den Blick auf Norma Kleiber gerichtet. Die braunen Pfoten und grauen Bäuche heben sich keinen Zentimeter vom Boden, wenn Kleiber «Platz» ruft: Die drei Australian Cattle Dogs Eddy, Fritz Lee und Max gehorchen der Arisdörferin aufs Wort.

Eine essenzielle Eigenschaft, denn die drei Hunde sind nicht nur Kleibers Haustiere. Als Neobiota-Spürhunde erschnüffeln sie in ganz Europa invasive Schädlinge – asiatische Laubholzbockkäfer, Zitrusbockkäfer oder Japankäfer.

Dafür hat Kleiber, die in Arisdorf den Alphof führt, im Juni die Neobiota Spürhunde Schweiz GmbH gegründet. Doch sie ist nicht neu im Geschäft – ihre Erfahrung geht Jahre zurück. Mit Eddy und Fritz Lee hat sie 2014 einen Kurs in Österreich besucht, in dem die Hunde lernten, den Laubholzbockkäfer aufzuspüren.

Für die Einsätze benötigt es jahrelange Erfahrung

«Ich dachte mir, dass ich nach dem Kurs sofort mit Einsätzen beginnen könnte», erzählt sie heute. Sie habe sich bei Daniel Hagemeier aus Buus, Geschäftsführer der Anoplophora Spürhunde Schweiz, gemeldet. «Ganz so einfach ist das aber nicht», sagt dieser und lacht. «Da gehört viel Wissen rund um Biologie, Meteorologie, Pflanzenkunde und andere Themen dazu, die man sich nur durch jahrelange Erfahrung erarbeiten kann.»

Kleiber durfte Hagemeier auf einige Einsätze begleiten – und ihre Hunde konnten sich beweisen. Heute hat die Arisdörferin rund 370 Einsatztage in 19 Befallsgebieten der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Italien hinter sich.

Keine Befälle mehr in der Schweiz

Was den asiatischen Laubholzbockkäfer betrifft, hatten Kleiber und Hagemeier ihren «Erfolg bereits 2017 ausgeschöpft», wie er sagt. Denn in der Schweiz sind keine Freilandbefälle mehr bekannt. Um ihr Arbeitsgebiet mit weiteren Schädlingen zu erweitern, wurde die Interessensgemeinschaft Neobiota Spürhunde gegründet, deren Geschäftsführer Hagemeier war – weil dieser aber auf eine Weltreise geht, hat Kleiber den Posten übernommen. Die GmbH habe sie als finanzielle Absicherung gegründet, erklärt sie.

Das Geschäft zu übernehmen, sei sicher eine Herausforderung, sagt Kleiber. «Aber alle Mitglieder der IG sind dabei – wir machen das zusammen.» In den vergangenen Jahren habe sie sich ausserdem viel Wissen aneignen können, ebenso die Hunde. Deren drei hat sie mittlerweile: Vor dreieinhalb Jahren ist Max dazugestossen. «Das Imprinting konnte ich bei Max direkt im Einsatz durchführen», sagt sie.

Imprinting ist der Vorgang, bei dem der Hund den Duft eines Schädlings kennenlernt, ihn abspeichert und später weiss, dass er ein Zeichen geben muss, wenn er ihn riecht. Eddy und Fritz Lee mussten dies in Österreich lernen – denn in der Schweiz ist es verboten, einen lebenden Laubholzbaumkäfer oder seine Larve zu besitzen.

Geruch in 20 Metern Höhe wahrnehmen

Die Neobiota-Einsätze bringen einige Schwierigkeiten mit sich. «Drogen- oder Sprengstoffhunde sind meist nahe an der Geruchsquelle», sagt Hagemeier. «Wir suchen aber in 20 Metern Höhe», ergänzt Kleiber. Den Hunden stehen deshalb lediglich Duftmoleküle zur Verfügung. «Falsches» Wetter, Regen oder Wind erschwert die Arbeit zusätzlich.

Zeigt ein Hund dem Hundeführer einen Schädling an, beginnt die Suche nach Eiablagen oder Ausbohrlöchern. Ist ein Käfer identifiziert, sieht es für die umliegenden Bäume schlecht aus: Im Umkreis von hundert Metern muss jeder der sechs Wirtsbaumarten gefällt werden. «Es ist ein seltenes Problem, bringt aber grosse Konsequenzen mit sich», so Kleiber. Damit Fällungen die Seltenheit bleiben, die sie sind, besuchen die Mitglieder der IG die befallenen Orte zweimal jährlich zur Kontrolle – stets in der Hoffnung, nichts zu finden, so Kleiber.

Corona können die Hunde nicht erschnüffeln

Zurzeit erhalten die Hundeführer nicht nur Anfragen zur Identifizierung von Neobiota. Viermal seien sie schon angefragt worden, ob die Hunde auch Coronaviren aufspüren könnten, erzählt Hagemeier. «Es gibt Hunde, die im medizinischen Bereich arbeiten», sagt er. Eddy, Fritz Lee und Max jedoch sind in diesem Gebiet nicht ausgebildet. «Wir bleiben auf der Tier-, Pflanzen- und Pilzschiene», meint Kleiber. «Da sind wir Spezialisten.»

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