Prozess

Drei tote und mehrere kranke Tiere: Zwei Frauen wegen Tierquälerei verurteilt

Vernachlässigung: Wellensittiche litten an Krankheiten. (bz-Archiv/Symbolbild)

Vernachlässigung: Wellensittiche litten an Krankheiten. (bz-Archiv/Symbolbild)

Bartagame verdursten zu Hause, während Mutter und Tochter mit neun Hunden im Auto in der Gegend herumfahren. Daneben wurden auch Wellensittiche und Zebrafinken alleine zu Hause gelassen. Mehrere Tiere mussten eingeschläfert werden.

Meist vertreten Staatsanwälte die Anklage vor Gericht sachlich. Staatsanwältin Silvia Schweizer war am Donnerstag im Strafgericht in Muttenz jedoch sichtlich aufgebracht. «Die Tiere waren in einem erbärmlichen Zustand, als sich der Kantonsarzt Zugang zum Haus verschaffte. Der Kot auf dem Käfigboden stand über zehn Zentimeter hoch», warf sie den Angeklagten vor.

Auf der Anklagebank sassen eine 58-jährige Frau sowie ihre 28-jährige Tochter aus Liesberg. Den grausigen Fund machte der Kantonsarzt im Herbst 2018 in deren Haus: Drei Bartagame ohne Futter und Wasser, zwei waren bereits tot. Auch Wellensittiche und Zebrafinken waren vernachlässigt, das Veterinäramt musste mehrere Tiere einschläfern. Ein Wellensittich war bereits tot, mehrere litten an Tumoren oder Xanthomatose.

Derweil waren die beiden Frauen mit neun Hunden und einer Katze in ihrem VW-Bus unterwegs, als Schlafgelegenheit dienten insgesamt vier kleine Transportboxen. Die Hunde wurden ihnen schliesslich weggenommen und landeten im Tierheim.

Wegen Problemen mit den Nachbarn kaum zu Hause

Bereits seit längerer Zeit stritten sie sich mit Nachbarn wegen Lärmproblemen. Vor Gericht sprachen sie von Säureattacken und sogar Mordversuchen gegen sie. Deshalb hätten sie sich im Verlaufe des Jahres 2018 kaum mehr nach Hause getraut, höchstens nachts und begleitet von einem Bekannten. Dieser konnte bezeugen, dass sich die Frauen um die Tiere gekümmert hätten, konnte aber lediglich zehn Besuche in zwei Monaten bestätigen. Die Frauen hingegen sprachen davon, dass sie alle drei Tage nachgesehen hätten. «Das geht nicht auf», kommentierte Gerichtspräsident Daniel Schmid.

«Sie nahmen vor allem kranke und vernachlässigte Tiere bei sich auf. Sie taten ihr Bestes, um diesen Tieren einen schönen Lebensabend zu bieten, was ihnen auch gelang», hielt Verteidiger Christoph Gäumann dagegen. Auch hätten die Frauen nachweislich viel Geld für Tierärzte ausgegeben und sich um die kranken Tiere gekümmert. «Andere Eigentümer hätten die kranken Tiere einfach einschläfern lassen», meinte der Rechtsanwalt.

Beide Frauen erhielten ein Tierhalteverbot

Die Bartagame seien bloss wegen ihres hohen Alters gestorben, wegen der Nachbarn hätten sich die Frauen nicht getraut, die verstorbenen Tiere ins Krematorium zu bringen. «Den toten Wellensittich hätte man auch im Garten vergraben können, den muss man nicht ins Krematorium bringen», konterte Staatsanwältin Silvia Schweizer.

Beide Frauen haben eine Ausbildung als Hundetrainerin und die theoretische Prüfung zur Tierpflegerin bestanden. Den praktischen Teil können sie derzeit nicht absolvieren, weil der Kantonsarzt ihnen ein Tierhalteverbot auferlegt hat.

Die Frauen wollen ins Ausland auswandern

Beide Frauen sind mittellos. Sie seien im Ausland auf der Suche nach einem passenden Haus mit grossem Umschwung, damit sie wieder Tiere halten können. Offenbar sind Freunde bereit, der Frau die Miete vorzuschiessen, bis sie den Umzug durch den Verkauf des Hauses in Liesberg finanzieren kann.

Einzelrichter Daniel Schmid verhängte für beide Frauen eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten wegen mehrfacher Tierquälerei, dazu Bussen von jeweils 2000 Franken wegen der Verletzung von Meldebestimmungen des Tierseuchengesetzes. Beide hätten die Tiere massiv vernachlässigt. «Es gab Handlungsalternativen, man hätte die Tiere ins Tierheim geben können», so Schmid. Beide Frauen können den Schuldspruch noch weiterziehen.

Meistgesehen

Artboard 1