Corona-Virus

Drohende Konkurse: Baselland schnürt mit Kantonalbank ein dickes Hilfspaket

Der Kanton Baselland lanciert zusammen mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank ein Hilfspaket für die von der Coronavirus-Krise betroffene Wirtschaft. (Symbolbild)

Der Kanton Baselland lanciert zusammen mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank ein Hilfspaket für die von der Coronavirus-Krise betroffene Wirtschaft. (Symbolbild)

Der Kanton Baselland lanciert zusammen mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank ein Hilfspaket für die von der Coronavirus-Krise betroffene Wirtschaft. Dieses besteht aus einer Kreditbürgschaft in der Höhe von 100 Millionen und einer Soforthilfe von 85 Millionen Franken, welche die Bank ihren Kunden gewährt.

Der Kanton Baselland und die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) schnüren gemeinsam ein Massnahmenpaket, um die unter der Corona-Krise leidende Baselbieter Wirtschaft zu unterstützen. Für zinslose Kredite, die Vorauszahlung von Lieferantenrechnungen sowie die Deckung von Lehrlingslöhnen stellen sie insgesamt 190 Millionen zur Verfügung – und gehen damit über die erwarteten Massnahmen hinaus.

«Es war von Beginn an das Ziel, mit der BLKB gemeinsam ein Hilfspaket zu erarbeiten», sagt Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) im Telefoninterview. Der Kanton stellt 100 der 190 Millionen in Form einer Bürgschaft zur Verfügung. Die BLKB kann zinslose Kredite an Baselbieter Unternehmen – auch solche, die eine andere Hausbank haben – vergeben. Die Wirtschaftskammer Baselland, die Handelskammer beider Basel und weitere Branchenverbände werden die BLKB bei der Bereitstellung der Kredite unterstützen. In Härtefällen sollen auch nicht rückzahlbare Kredite möglich sein – dank der Garantie des Kantons. Die Garantie-Erklärung muss der Landrat aber noch bewilligen – deshalb gibt es am 2. April eine Landratssitzung. Sie findet im Congress Center Basel statt, um die Hygieneregeln einhalten zu können.

Weitere fünf Millionen stellt der Kanton für Lehrlingslöhne zur Verfügung. Der Input sei vom Lehrlingsverantwortlichen des Kantons eingebracht worden. «Lehrlinge können nicht über Kurzarbeit finanziert werden», erklärt Lauber. In Betrieben, die sich in Kurzarbeit befinden, werden die Lehrlingslöhne März bis Juli deshalb vom Kanton bezahlt.

Wirtschaftskammer zufrieden, aber...

Mit den Massnahmen erfüllt der Kanton die Forderungen der Wirtschaftskammer nach schneller Hilfe und Bezahlung der Lehrlingslöhne. Ein erster Schritt sei gemacht, schreibt Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer, in einem Statement. Er sei froh um die Lösung für die Lernenden sowie die rasch gefällten Massnahmen. Die Regierung müsse sich aber bewusst sein, dass bei weitem nicht alle Unternehmen die Darlehen zurückzahlen könnten. «Dies ist ein Thema für eine zweite Phase. Wichtig ist jetzt, die Liquidität der Unternehmen sicherzustellen», sagt Buser.

Bank und Kanton hoffen auf Solidarität aller

Zu den 105 Millionen des Kantons kommen weitere 85 Millionen der BLKB: 50 davon sollen für zinslose Überbrückungskredite für die Firmenkunden der Bank verwendet werden. Dies unabhängig von der Garantie des Kantons, wie Beat Röthlisberger, Leiter Unternehmenskundenberatung der BLKB, sagt. Man habe schnell und in grossem Mass helfen wollen, erklärt BLKB-CEO John Häfelfinger. Weitere 20 Millionen Franken gehen an sogenannte «Unternehmer-für-Unternehmer»-Kredite. Firmen, die diese Kredite beziehen, sollen damit Rechnungen ihrer Lieferanten bezahlen, die sie erst später beziehen. Dies führe bei den Lieferanten zu Liquidität und die Firmen können ihre eigenen Mittel für andere Ausgaben verwenden, wie Häfelfinger erklärt. Die Bank macht es vor: Sie gibt fünf Millionen aus, um Lieferanten, mit denen sie zusammenarbeitet, vorauszuzahlen.

Auch für Privatpersonen, die sich aufgrund der Corona-Krise in einer schwierigen finanziellen Lage befinden, wird die kostenlose Liquidität angeboten. Für zinsfreie Überzüge von höchstens 5000 Franken stellt die Bank 10 Millionen Franken zur Verfügung. Letztlich spricht die BLKB-Stiftung «Kultur und Bildung» 150000 Franken, um Kulturschaffende zu unterstützen. «Ich bin mir bewusst, dass wir mit diesem Betrag allein nicht die Baselbieter Kultur retten können», meint Häfelfinger. Man hoffe jedoch auf die Solidarität aller, sich gegenseitig zu unterstützen. An die Solidarität appelliert auch Regierungsrat Lauber. Er denkt dabei an das Klein- und Gastrogewerbe: «Es wäre auch eine Idee, dass Pacht- und Mietzinse gestundet werden könnten», meint er.

Wieviel Geld tatsächlich in Anspruch genommen wird, können sowohl die Bank als auch der Kanton noch nicht einschätzen. Die BLKB sei jedoch bereit, den Betrag von 20 Millionen für die Vorauszahlungen zu verdoppeln, sollte dies notwendig sein.

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