Der Allschwiler Gemeinderat war nicht wirklich überzeugt. Zumindest war es ihm das Geld nicht wert: «Wir hatten den Eindruck, dass junge Menschen über die Online-Medien genug informiert seien und kein Interesse an zusätzlichen Papierdokumenten haben», erklärt das zuständige Gremiumsmitglied Thomas Pfaff. Doch der Einwohnerrat folgte vor knapp einem Jahr der Antragstellerin Susan Vogt (FDP) und führte Easyvote in der grössten Baselbieter Gemeinde ein.

Easyvote ist ein Angebot des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente (DSJ): In Broschüren werden die Inhalte von nationalen und kantonalen Abstimmungen und Wahlen auf einfache Weise erklärt, um bereits politisch interessierte junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren an die Urne zu bringen. Die offiziellen Informationen und die Mobilisierung seien «nicht auf sie zugeschnitten», heisst es im offiziellen Easyvote-Text.

Allschwil wird auf Beschluss seines Parlaments Easyvote für zwei Jahre prüfen; danach muss der Gemeinderat Bericht erstatten. Allschwil gehört damit neben Bern und Luzern zu den sechs grössten Gemeinden in der Schweiz, die Easyvote nutzen. Allschwil hat etwa 1250 Einwohner im entsprechenden Alter; entsprechend stellte die Gemeinde 6250 Franken für vier Abstimmungssonntage in den Haushalt ein. Weit weniger skeptisch sind kleine Gemeinden wie Rünenberg: Gemeindepräsidentin Astrid Buser fand Easyvote von Anfang an «eine gute Sache». Die Gemeinde selbst verschickt deshalb seit 2011 die Unterlagen an ihre 63 Einwohner zwischen 18 und 25 Jahren. In einem Brief fragte Buser die jungen Erwachsenen nach ihrer Meinung über Easyvote: «Diejenigen, die antworteten, fanden es gut. Aber ich weiss nicht mehr, wie viele das waren.»

In Lupsingen hat Gemeindepräsident Stefan Vögtli nur eine kleine Zunahme von Abstimmenden im Easyvote-Alter feststellen können; die Verwaltung führe zu diesem Zweck Buch. Trotzdem will die Gemeinde Easyvote treubleiben: «Es ist erklärtes Ziel des Gemeinderats, dass auch junge Leute am politischen Leben teilnehmen», erklärt Vögtli. In Luspingen sind es etwa 50 Adressaten. Das relativ grosse Interesse kleiner Gemeinden führt Lea Thommen, ehemalige Präsidentin des Baselbieter Jugendrates und jetzt Mitarbeiterin bei Easyvote, auf die «einfacheren» Strukturen zurück: Die richtigen Ansprechpartner seien schneller zu finden; die politischen Prozesse zur Einführung von Easyvote schneller abgeschlossen. So war auch Vögtlis Sohn im Jugendrat aktiv.

18 Gemeinden und Schulen unterschiedlicher Grösse nutzen im Baselbiet die Easyvote-Wahlhilfen; das entspricht 4700 Broschüren – laut Thommen bereits ein Viertel der jungen Erwachsenen im Kanton. Zur Transparenzinitiative im Juni 2013 brachte Easyvote die erste Broschüre zu einer Baselbieter Abstimmung heraus. Etwa 20 Stunden wenden die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Easyvote laut Thommen für eine Vorlage auf. Neutralität und Verständlichkeit würden durch mehrere gegenseitige Kontrollen und Diskussionen gewährleistet. Auch Gemeindepräsident Vögtli ist begeistert: «Ich lese die Vorlagen auch selbst. Es ist gut, die Abstimmungsthemen so einfach erklärt zu bekommen.» Und er kann bestätigen: «Der Sachverhalt leidet überhaupt nicht unter der Vereinfachung.»