Geothermie

EBL hält an Geothermie fest und stellt neue Bohr-Standorte vor

Auch wenn vielen beim Stichwort «Geothermie» sofort an «Erdbeben» denken: Für die EBL ist das Thema mit den Erschütterungen von Basel nicht vom Tisch - im Gegenteil: Sie bekennt sich zu Strom und Wärme aus dem Fels.

Am zweijährlich stattfindenden «EBL Event» vor 600 Gästen erklärte CEO Urs Steiner: «Eine nukelar- und fossilfreie Stromversorgung unserer Region wird langfristig nur möglich sein, wenn es gelingt, die Erdwärme zur Stromproduktion zu gewinnen.» Er kritisiert, dass Wirtschaftsverbände wie Economiesuisse Szenarien mit Arbeitslosigkeit und Wachstumseinbussen von 24 Prozente herbei reden, statt die Chancen der Energiewende zu packen und die Schweiz als innovatives Land zu positionieren.

Die EBL habe diese Zeichen schon vor Fukushima erkannt und deshalb nach den Erschütterungen von Basel darauf gedrungen, die Erfahrungen für die Weiterentwicklung der Geothermie zu nutzen. Zusammen mit sechs anderen regionalen Energieversorgern gründet sie dafür im November 2010 die Geo-Energie Suisse AG.

Standorte für Pilotprojekte

Diese Geo-Energie Suisse gab am «EBL Event» drei bereits bestimmte Standorte für ein nächstes Tiefengeothermie-Projekt bekannt: Avenches (VD), Etzwilen (TG) und Haute-Sorne (JU). In der Region Sursee (LU) evaluiert sie zwei weitere Standorte.

Bis 2020 plant sie mindestens ein Geothermiekraftwerk in der Schweiz als Pilot und Demonstrationsprojekt. Bis 2050 könnten 30 Prozent des Schweizer Energiebedarfs aus Tiefengeothermie gedeckt werden.

Erdwärme lässt sich verschieden nutzen: Aus 200 bis 300 Meter tiefen Löchern kann man mit Erdsonden und Wärmepumpen Energie für das Heizen gewinnen: Im Baselbiet gibt es rund 1000 solche Heizungen mit stark steigender Tendenz. In der Tiefe von 4 bis 5 Kilometern findet man Temperaturen, die auch für die Stromproduktion reichen. Entweder findet man warmes Wasser oder man benutzt den heissen Fels, um eingepumptes Wasser zu erhitzen. Dafür muss man Spalten im Fels erzeugen. Das versuchte man in Basel mit «Deep Heat Mining».

Vorläufig nur Entwicklungskosten

Nach den Erschütterungen, die zum Abbruch des Projekts führten, hat Geo-Energie Suisse im weltweiten Austausch mit weiteren Projekten ein neues Verfahren entwickelt, bei dem statt grossflächiger Klüfte nur kleine Spalten in den Fels gepresst werden. Damit werden zwei Probleme gelöst: Die Erdbebentendenz nimmt ab und man kann vermeiden, dass das Wasser nach oben in kühlere Schichten ausweicht. Dieses Verfahren soll nun an den drei bis fünf publizierten Standorten erprobt werden.

Pro Kraftwerk mit einer Stromproduktion von 3 bis 5 Megawatt sind Kosten in der Höhe von 80 bis 100 Millionen Franken veranschlagt. Hinzu kommen 10 Megawatt thermische Leistung für Fernwärme.

Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg: Einerseits haben Anwohner an einem der Standorte bereits Ängste formuliert und Einsprachen angekündigt. Und die Geo-Energie Suisse verursacht in dieser Entwicklungsphase rund 2,3 Millionen Franken Kosten jährlich ohne dass sie auf Einnahmen zählen könnte.

«Die Energiewende gibts nicht zum Nulltarif», stellte Steiner klar, «das muss sich die Gesellschaft bewusst sein.» Er wies darauf hin, dass es die kleinen und mittleren Energieversorger sind, die derzeit das Risiko der Technologie-Entwicklung tragen. Entsprechend forderte er, dass der Bund den Stellenwert der Geothermie für die Energiewende anerkenne und sich entsprechen finanziell an der Technologie beteilige.

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