Münchenstein

EBM macht bei grünen Energien einen Quantensprung

Photovoltaik nimmt in der neuen EBM-Versorgungsstrategie eine zentrale Stellung ein.

Photovoltaik nimmt in der neuen EBM-Versorgungsstrategie eine zentrale Stellung ein.

Die EBM korrigiert in ihrem Netzgebiet die Deckel-Sünde der eidgenössischen Strompolitik. Künftig kauft der Stromversorger allen Solarstrom zum KEV-Tarif. Der Anteil der erneuerbaren Enerigen soll bis 2015 auf über 25 Prozent gesteigert werden.

Eine atompolitische Aussage à la Economiesuisse oder EBL vermied die EBM-Spitze gestern bewusst. Während der Wirtschaftsdachverband «die Option Kernenergie aufrechterhalten» will und die Liestaler Schwestergenossenschaft «keinen AKW-Ersatz» und einen «geordneten Ausstieg» fordert, findet EBM-CEO Hans Büttiker, darüber würden die Politik und die Bevölkerung befinden. Und Verwaltungsratspräsident Alex Stebler erklärte, die unter dem Eindruck der Katastrophe von Fukushima überarbeitete neue Versorgungsstrategie stelle den konkreten Ausbau der erneuerbaren Energien in den Vordergrund.

Das Verhältnis umkehren

Die an der Pressekonferenz vorgestellte Strategie steht auf drei Säulen:

Erneuerbare Energien: Das heutige Verhältnis von einem Fünftel erneuerbare Energie gegenüber vier Fünfteln konventionellem Strom soll bis Mitte Jahrhundert umgekehrt werden. In der Konsequenz hiesse das, dass der heutige EBM-Anteil von 55 Prozent Atomstrom auf höchstens 20Prozent gesenkt wird. Das erste Zwischenziel sei, den Anteil erneuerbarer Energie bis 2015 auf ein Viertel zu steigern. Bereits heute stammen 21,8Prozent des EBM-Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Damit stehe die EBM schweizweit auf Rang neun – noch vor der EBL (20,6 Prozent, Rang 11) – und somit die Nummer eins im Baselbiet. «2015 wollen wir gegenüber vergleichbaren Energie-Unternehmen bei den erneuerbaren Energien zu den besten fünf gehören und im Baselbiet weiterhin auf Rang eins stehen», erklärte Büttiker. Im Klartext heisst das: Der Anteil soll dann bei über 25 Prozent liegen.  Bis 2050 möchte die EBM gar auf über 80 Prozent kommen.

Energieeffizienz und Sparmassnahmen: Dafür werde die EBM als erstes Unternehmen im Baselbiet ihr Tarifsystem so umbauen, dass es das Stromsparen fördert. Die Details würden im kommenden August bekannt gegeben. Auch werde die EBM ihre bisherigen Programme – Energiefonds, Energieberatung und das Schülerprogramm «Lernwelt Energie» – fortsetzen.

Versorgungssicherheit: Hier will die EBM weiter in den Ausbau des Stromnetzes investieren. Diese Säule steht jedoch in einem gewissen Widerspruch zu den anderen beiden: So erklärte Marketingchef Thomas Wälchli, die EBM werde auf einen «ausgewogenen Mix von wirtschaftlichen, bewährten aber auch neuen Erzeugungstechnologien» setzen. Dies ist als Hinweis auf die einschränkenden Schwierigkeiten zu verstehen: Wälchli wies auf den hohen Anteil an Industriekunden mit einer energieintensiven Produktion hin, die auf niedrige Strompreise angewiesen seien.

Zudem wachse der Stromkonsum im EBM-Gebiet schneller als im Rest der Schweiz. Und nur 15 Prozent des hier verbrauchten Stroms würden in der Region produziert. Büttiker sprach von einem «klassischen Dilemma».

«Quantensprung» beim Ausbau

Kernpunkt der neuen Strategie ist der Ausbau der erneuerbaren Energien: «Wir sind stolz, einen Quantensprung mit konkreten Massnahmen zu präsentieren», betonte Wälchli. Dazu gehört, dass EBM die Beschränkung der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) aufhebt, indem sie künftig von allen Photovoltaik-Anlagen in ihrem Netzgebiet den Strom während der ganzen Abschreibungsdauer zum KEV-Tarif aufkauft. Jenen Sonnenstrom, den sie nicht an der Solarstrombörse absetzt, will sie ohne Preisaufschlag in ihren Standardstrom «EBM CO2-frei» mischen. Beide Massnahmen ergreife die EBM als erstes Baselbieter Unternehmen. Auch werde die EBM die Zählermiete für kleine Photovoltaikanlage abschaffen.

Zudem kauft die EBM in Italien zwei Photovoltaik-Kraftwerke mit zusammen 5,9 Megawatt Leistung und einer Jahresproduktion von 8,65 Gigawattstunden. Zum Vergleich: Im EBM-Netzgebiet sind heute 3Megawatt Photovoltaik mit einer Jahresproduktion von 2,7 Gigawattsunden installiert. Ihre Investitionen in erneuerbare Energien, darunter der im letzten Jahr gekaufte Windpark in Spanien, wird in der EBM Greenpower AG zusammengefasst.

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