Prämien

EGK-Geschäftsleiter Reto Flury: «Mit Call Centern haben wir gar nichts am Hut»

«Eine konstante Erhöhung der Prämien ist nicht in unserem Interesse.» Reto Flury

«Eine konstante Erhöhung der Prämien ist nicht in unserem Interesse.» Reto Flury

EGK-Geschäftsleiter Reto Flury berichtet über die Ziele seines Unternehmens und erklärt, wieso die Krankenkasse dem Standort Laufen treu bleiben wird.

Herr Flury, von den Anfängen im Jahr 1919 bis heute sind die Prämien der EGK um rund das Hundertfache gestiegen. Wagen Sie eine Prognose: Wie sieht es in 100 Jahren aus?

Reto Flury: Die Prämien sind gestiegen, weil die Gesundheitskosten entsprechend gestiegen sind. Ich kann keine Prognose abgeben, bin aber optimistisch. Wenn man den Anstieg der Prämien linear extrapolieren würde, führte dies zu unhaltbaren Zuständen – und zwar nicht erst in 100 Jahren.

Darum bin ich überzeugt, dass der politische Druck bald zu gross sein und eine Reaktion nötig sein wird. Ein erstes Zeichen war die Tarifrevision im letzten Jahr, als Gesundheitsminister Alain Berset Ärzten und Spitalern signalisierte, dass die Tarife nicht weiter erhöht werden können wie bis anhin.

Ich nehme an, Ihrer Krankenkasse kann nicht daran gelegen sein, dass die Prämien ständig steigen.

Auf keinen Fall. Eine konstante Erhöhung der Prämien ist nicht in unserem Interesse. Um uns im Krankenkassen-Markt behaupten zu können, sind wir froh um jeden Rappen, den wir den Versicherten nicht in Rechnung stellen müssen.

Die Erfahrung zeigt aber, dass es Faktoren gibt, auf die wir wenig Einfluss nehmen können und die sogar erwünscht sind. Ich denke etwa an den technischen Fortschritt in der Medizin oder die gesund älter werdende Bevölkerung. Es ist politisch zudem schwierig, eine bestehende Überversorgung abzubauen, wie sich schon in mehreren Kantonen gezeigt hat.

Was unternehmen Sie gegen eine Erhöhung der Prämien?

Indem wir zum Beispiel neue Versicherungsmodelle schaffen für die Telemedizin. Da entstehen Kostenvorteile, die wir an die Versicherten weitergeben können. In mehreren Kantonen sind wir prämienmässig sehr gut aufgestellt. Ebenso haben wir in den vergangenen Jahren unser Agenturnetz verkleinert. Letztlich sind wir auch überzeugt, dass natürliche Heilanwendungen, wenn sie medizinisch Sinn machen, zur Kostendämpfung beitragen.

Gleichzeitig ist immer wieder die Rede davon, dass die Versicherer durch hohe Werbekosten eine Mitschuld an der Erhöhung der Prämien tragen.

Es ist statistisch erwiesen, dass die Werbekosten nicht mehr als fünf Prozent der Gesamtausgaben der Krankenversicherer betragen. Die Maklerprovisionen, für die einige Kassen viel Geld ausgeben, darf man jedoch zurecht kritisieren. Diesen gehen die unsäglichen Anrufe voraus, die auch für unsere Versicherten ein grosses Ärgernis darstellen.

Sie sprechen auf Call-Center-Agenten an, die einen am Telefon dazu überreden wollen, die Krankenkasse zu wechseln.

Mit solchen Anrufen hat die EGK gar nichts am Hut. Diverse Makler und damit verbundene Call Center telefonieren im Auftrag von einigen Krankenversicherern die Telefonbücher ab. Bei uns ist dies jedoch nicht der Fall. Wir kriegen auch keine Anfragen, da in der Branche bekannt ist, dass wir nicht mit Maklern zusammenarbeiten.

Anderes Thema: Mit dem Neubau an der Naustrasse bekennen Sie sich zu Laufen. Wieso halten Sie an diesem für eine Krankenkasse eher ungewöhnlichen Standort fest?

Wir haben in Laufen unsere Wurzeln, die man nicht einfach ausreissen und verpflanzen kann. Die Nähe zur Westschweiz ist ein Vorteil, den wir anderswo nicht hätten. Von Anfang an verstand sich die EGK als eine bilinguale Krankenkasse. Wir haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Kanton Jura, die unsere Westschweizer Kunden betreuen. Die komplementäre Medizin hat sich auch aufgrund der anthroposophischen Einrichtungen in der Region zu einer unserer Spezialitäten entwickelt.

In den zurückliegenden Jahren hat die EGK zahlreiche Versicherte verloren. Ist es Ihr Ziel, in Zukunft an frühere Glanzzeiten anzuknüpfen?

Die EGK steht heute wirtschaftlich so stark da wie noch nie, nachdem sie noch vor wenigen Jahren wegen zu tiefer Prämien um ihre Existenz kämpfen musste. Aus Erfahrung wissen wir, dass zu schnelles Wachstum nichts bringt, wenn das finanzielle Fundament nicht trägt. Wir streben ein moderates Wachstum in der Grund- und in der Zusatzversicherung an.

Steht, um neue Kundinnen und Kunden gewinnen zu können, auch eine Reduktion der Prämien zur Diskussion?

Ja natürlich, wenn es die Entwicklung der Gesundheitskosten zulässt. In einigen Kantonen und in der Zusatzversicherung haben wir dies in den vergangenen drei Jahren schon gemacht. Wir setzten in unserer Geschichte aber immer vor allem auf eine persönliche Betreuung. Das hat zu einer grossen Loyalität der Versicherten geführt. Ohne diese hätte die EGK die Turbulenzen vor einigen Jahren nicht überlebt. Dafür sind wir dankbar.

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