Schlösser-Verkauf

Ehemalige Regierungsräte proben den Aufstand

Medienkonferenz der Schloss-Initianten, rechts Erich Straumann. (bwi)

Medienkonferenz der Schloss-Initianten, rechts Erich Straumann. (bwi)

Mehrere Baselbieter alt Regierungsräte unterstützen Schlossfreunde – und torpedieren damit die aktuelle Regierung. Weshalb bewegt sie das Schicksal von zwei Schlössern und einem Hofgut derart?

Es hatte etwas von einer gemütlichen Einkehr nach einem Ehemaligen-«Reisli»: Elsbeth Schneider (CVP), Eduard Belser (SP) und Erich Straumann (SVP) sitzen im Schloss Bottmingen an einem Tisch und unterhalten sich. Doch es war kein Treffen von alt Regierungsräten, sondern die Medienkonferenz des Initiativkomitees «Ja zu Wildenstein und Schloss Bottmingen», an der es seinen Widerstand gegen die Absicht des Kantons bekräftige, die beiden Kulturgüter zu veräussern.

Die alt Regierungsräte waren zu dritt - und es hätte sich beinahe noch ein vierter dazugesellt, wie Elsbeth Schneider gegenüber der bz bestätigt, doch er sei verhindert gewesen: Paul Nyffeler (FDP), im Amt von 1975 bis 1989.

Das hats wohl noch nie gegeben

Und auf dem Unterschriftenbogen geht es gleich weiter mit ehemaligen Baselbieter Regierungsmitgliedern: Paul Jenni (SP) ist dort aufgeführt. Auch Peter Schmid (SP) werde ihre Sache unterstützen, sagt Paul Schär, Sprecher des Komitees. Und dann gibt es noch den erst vor wenigen Tagen verstorbenen Clemens Stöckli (CVP): Er sprach sich ebenfalls gegen den Verkauf der Schlösser aus.

Nach Adam Riese ergibt das sieben ehemalige Baselbieter Regierungsräte. Sieben frühere gegen fünf aktuelle. «Ich weiss nicht, ob es so etwas schon einmal gegeben hat», sagte Eduard Belser im Schloss Bottmingen. Die Zahl ist eindrücklich. Doch schon der Umstand, dass sich ehemalige Regierungsmitglieder überhaupt öffentlich gegen Vorhaben ihrer Nachfolger einsetzen, ist aussergewöhnlich. Denn es gilt das ungeschriebene Gesetz: Ehemalige denken sich ihre Sache - das sehr wohl - aber sie schweigen.

Weshalb dieser Aufmarsch von Ehemaligen? Weshalb bewegt sie das Schicksal von zwei Schlössern und einem Hofgut derart? «Uns geht es darum, ein Zeichen zu setzen», sagt Belser. «Kulturgüter stiften Identität. Wer sie verkauft, sagt damit, dass sie nichts wert seien.» Er habe sich lange überlegt, ob er sich öffentlich äussern wolle, da er sich seit seinem Rücktritt 1999 aus dem Regierungsrat auch aus der Politik raus gehalten habe: «Seit ich weg bin, finden Sie keinen Leserbrief von mir, zu keinem Spital, zu keiner Strasse, zu keinem Schulhaus. Aber hier geht es um etwas, was Symbolkraft besitzt.»

Wildenstein: Einmalige Umgebung

Auch Elsbeth Schneider sagt, sie habe lange gezögert, sich zu äussern. «Aus Respekt der heutigen Regierung gegenüber». Schliesslich habe sie sich bereit erklärt, an der Medienorientierung mitzumachen - aber nicht als ehemalige Regierungsrätin, sondern als «Einwohnerin dieses Kantons, der mir sehr am Herzen liegt.»

Schneider hatte als Baudirektorin mit Wildenstein zu tun. Ihr geht es um Emotionen: «Wer einmal auf Wildenstein war und die Umgebung mit den uralten Eichen bewandert hat, der hat diese einmalige Anlage ins Herz geschlossen». All dies dürfe nicht verkauft werden. Bei Erich Straumann wiederum gab offenbar sein Gewissen als Landwirt den Ausschlag, sich zu exponieren: «Als Bauer weiss ich: Man verkauft kein Land. Sonst könnte man ja auch seine Grossmutter verkaufen.»

Heutige Regierung nicht brüskieren

Für das Aktionskomitee ist die geballte Schlagkraft von einem halben Dutzend ehemaligen Regierungsmitgliedern im Rücken - hinter vorgehaltener Hand werden sogar noch weitere Namen genannt - ein Segen. Doch wie diese übt es sich in Zurückhaltung. Dazu Komiteesprecher Paul Schär: «Ursprünglich wirkten keine ehemaligen Regierungsräte im Aktionskomitee mit, die mit jetzigen Regierungsmitgliedern zusammenarbeiteten. Dies gilt auch für die Erstunterzeichner.» Die drei alt Regierungsräte Schneider, Straumann und Belser hätten sich erst engagiert, als sich keine Lösung mit der jetzigen Regierung abzeichnete. «Dieses Vorgehen wurde gewählt, damit die jetzigen Regierungsmitglieder nicht brüskiert werden», sagt Schär.

Unverständnis über Kantonalbank


Unverständlich ist für ihn die Haltung der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Deren Mediensprecher Christoph Loeb hatte zur bz gesagt, die Bank sei überrascht darüber, dass die Initianten an ihren Forderungen festhalten, da diese das Engagement der Kantonalbank verhindern würden.

Die BLKB beabsichtigt, eine Stiftung zu gründen, die das Schloss Wildenstein im Baurecht übernehmen würde. Sie macht ihr Vorhaben aber von der Bedingung abhängig, dass der Gutshof vom Schloss abgetrennt wird, was wiederum bei Schär auf Unverständnis stösst: «Weder die Initiative noch der im Parlament durch Landrätin Sandra Sollberger eingebrachte Gegenvorschlag verhindern die Schaffung einer durch die Bank geführte Stiftung. Darum ist die Aussage von Christoph Loeb nicht nachvollziehbar».

Weiter hält Paul Schär fest, dass es dem Aktionskomitee auch um das Schloss Bottmingen gehe. Von diesem sind bis dato keinerlei Umnutzungs- oder Veräusserungspläne bekannt geworden. Heute befindet sich darin ein Restaurant.

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