Kritik

Ehemaliger Professor schiesst scharf gegen Pädagogische Hochschule

Neues Gebäude, alte Kritik: Die künftigen Lehrer in der PH in Muttenz sind immer noch unzufrieden.

Neues Gebäude, alte Kritik: Die künftigen Lehrer in der PH in Muttenz sind immer noch unzufrieden.

Die künftigen Lehrer beklagen sich über die Theorielastigkeit an der Pädagogischen Hochschule. Zudem müssten sie immer die gleichen Dinge lernen. Aber die Lösung für das Problem sei nicht etwa die Gage von 100 Franken an die Studierenden, meint André Vanoncini, früherer Uni-Professor.

Die Kritik ist harsch, der Absender nicht irgendwer. André Vanoncini lehrte an der Universität Basel französische Literaturwissenschaften, nun holt er zum Paukenschlag gegen die 2006 gegründete Pädagogische Hochschule (PH) aus. «Nie hat es die PH in Muttenz geschafft, durch ihr Angebot und ihre Leistung zu überzeugen», sagt Vanoncini.

«PH versucht, die Schwächen zu kaschieren»

Seinem Ärger lässt Vanoncini nach der jüngsten Negativ-Schlagzeile freien Lauf. Die bz beschrieb vor etwas über zwei Wochen die ungewöhnlichen Massnahmen der PH-Leitung im Vorfeld des Hearings Ende November, bei dem es um die künftige Ausrichtung des Primarlehrgangs geht. Studierende, die am Anlass teilnehmen, bekommen 100 Franken Gage. Für diesen Lohn müssen sie allerdings vorher ein Gespräch mit der PH-Direktorin Sabine Larcher durchlaufen.

Vanoncini sieht darin den «jüngsten Versuch, Meinungsäusserungen aus dem Inneren der Pädagogischen Hochschule durch direktionale Anweisung zu lenken». Als «selten plump» bezeichnet Vanoncini dies. «Man stelle sich vor, das Rektorat der Universität würde auf diese Weise die Vertretung der Studierenden für eine analoge Veranstaltung instrumentalisieren, vielleicht standesgemäss mit einem Ansatz von 200 Franken.»

Aber offensichtlich sähen die Verantwortlichen der PH keine anderen Mittel, die Schwächen zu kaschieren. Auf sämtlichen Stufen der Lehramtsausbildung würden sich die Studenten über die Organisation, die Bürokratie, die Theorielastigkeit, die repetitiven Inhalte sowie die Vernachlässigung der Praxis stören. Vanoncinis Erfahrung zeige: Bis heute würden die PH-Schüler die Zeit nur «absitzen», bis sie endlich unterrichten dürften.

Der frühere Uni-Professor hält das Projekt für gescheitert, die Mittelstufenlehrer an der Pädagogischen Hochschule auszubilden. Mit dem Anspruch, weltweit zu den besten Hochschulen zu gehören, habe die PH die Bodenhaftung und die eigentliche Kernaufgabe aus den Augen verloren: die Ausbildung von Lehrern.

Nur noch Uni soll Sekundarlehrer ausbilden

Nun fordert Vanoncini, dass an der Pädagogischen Hochschule ein Umdenken stattfindet. «Die Fachwissenschaften müssen viel stärker ins Zentrum rücken.» Der Anteil an Didaktik sei heute viel zu hoch. Studierende beklagten sich darüber, dass sie immer wieder die gleichen Dinge «lernten».

Vanoncini ist etwa der Meinung, dass die Sekundarlehrerausbildung wieder an der Universität durchgeführt werden muss. Diese Forderung ist nicht neu: Bereits vor acht Jahren äusserte sich die sogenannte Gruppe für eine bessere Sekundarlehramtsausbildung negativ über die Theorielastigkeit an der Pädagogischen Hochschule. Auch in den Parlamenten der beiden Basel war die PH ein Thema. Vorstösse zur Schwächung der Hochschule erreichten jedoch keine Mehrheiten.

Nachdem es um die Gruppe für eine bessere Sekundarlehrerausbildung ruhig geworden war, werde es nach den jüngsten Schlagzeilen wieder Bewegung geben, wie ein Gruppenmitglied sagt. Nicht nur die zweifelhafte Aktion mit den Studentengagen habe zu Stirnrunzeln geführt. Auch die Tatsache, dass die jüngsten Umfragen unter den PH-Studenten geradezu miserable Zufriedenheitswerte zutage förderten.

Die PH nahm zu den Aussagen von André Vanoncini keine Stellung. Ende November wird sie nicht darum herumkommen, sich der Kritik zu stellen. Dann lädt die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind zu einem Hearing, bei dem es um die künftige Ausrichtung der PH geht.

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