Birsfelden

Eigenes Denken gegen aufkommende Verzweiflung

Comite Schnitzelbangg Glasladärne: Die feine Satire der Blätzbums-Opéra versteht man meist nur, wenn man in Birsfelden wohnt.Kenneth Nars

Comite Schnitzelbangg Glasladärne: Die feine Satire der Blätzbums-Opéra versteht man meist nur, wenn man in Birsfelden wohnt.Kenneth Nars

Die 22. Blätzbums-Opéra begeisterte mit feiner Satire und vorfasnächtlichen Tönen. Diese versteht aber meist nur, wer in Birsfelden wohnt und das Geschehen mitverfolgt.

Sie ist älter als die Birsfelder Fasnacht und lockte am Wochenende bei ihren drei Vorstellungen über 600 Besucher in die Aula des Rheinpark-Schulhauses: die Blätzbums-Opéra.

Bei der Ouvertüre am Freitagabend war von den sieben Exekutiv-Mitgliedern nur gerade SP-Gemeinderat Walter Märki anwesend. Wahrscheinlich ahnten der Gemeindepräsident Claudio Botti (CVP) und sein Kollege (und Intimus) Claude Zufferey (SVP), dass sie in den insgesamt neun Rahmestiggli die Hauptprotagonisten sein würden. Denn der Birsfelder Polit-Alltag ist turbulent und unberechenbar. Dies aber nicht erst seit der Regentschaft von Botti.

Die Blätzbums-Opéra (BBO) ist ein wunderbarer Mix aus feiner Satire, die man jedoch meist nur versteht, wenn man in Birsfelden wohnt und das Geschehen verfolgt. Die BBO ist kurzweilig, denn die Bühnenkost wird mit Auftritten von Pfeifern, Tambouren, Schnitzelbänggen und der Guggemuusig Birsblootere aufgelockert.

Eifriger als Christian Constantin

Das siebenköpfige Ensemble (Bettina Scheibler war kurzfristig krankheitshalber ausgefallen) auf der Bühne monierte die stete Personalfluktuation auf der Gemeindeverwaltung. Böse gesagt könnte man behaupten, dass «Blätzbums» und deren Verantwortlichen – womit wir wieder beim «Preesi» wären – mehr Eifer als der FC-Sion-Präsident Christian Constantin bei «Transfers» entwickelt … Auch der Juwelierladen von Zufferey, in dessen Geschäft schon mal «höhere Mächte» zu spüren sein sollen, wurde aufs Korn genommen.

Schön, dass mit Luca La Rocca (17) ein neues Gesicht auf der Bühne zu sehen war. Der Gymnasiast hatte letztes Jahr erstmals die BBO besucht – und wurde für ein Mitmachen angefragt. Seit jeher mit von der Partie ist Martin Mangold – er ist Insidern auch als Schnitzelbänggler («Dr Uffgweggt») bekannt. Die zehn Bängge von Mangold, die allesamt fein, und doch pikant gewürzt, die Birsfelder Politik thematisierten, riss das Publikum zu spontanem Beifall hin.

«Unterhaltsam und anregend»

Karl Oberle (59), im Dorf schlicht «Karli» genannt, wohnt seit 32 Jahren in Birsfelden und ist ebenso lang Werkhof-Mitarbeiter. Er hat praktisch sämtliche BBO-Aufführun besucht und lobte die diesjährige als «gut geglückt, mit vielen Pointen gespickt und unterhaltsam wie zum Denken anregend». Einzig von den «Birsblootere» hätte ich er sich einen peppigeren Auftritt gewünscht, so Oberle. Diese Meinung teilten noch einige Besucher. Wir sind aber sicher, dass diese 1959 gegründete Gugge bis zur Birsfelder und Basler Fasnacht zur gewohnten Hochform auflaufen wird.

Dass die BBO seit über zwei Jahrzehnten das kulturelle Birsfelder Leben bereichert, ist auch Reto Caccivio zu verdanken. Seit 20 Jahren auf der Bühne aktiv, ist er auch für Inhalt und Programm (mit)verantwortlich. In seinem Vorwort im Programmheft schrieb der Lehrer: «Die einzige Waffe gegen die aufkommende Verzweiflung ist das eigene Denken». Er meinte damit, sehr subtil umschrieben, auch den Polit-Alltag in seiner Gemeinde.

Heuer stehen zehn Kandidaten für sieben Plätze zur Verfügung. Das Stimmvolk kann in vier Wochen entsprechende Korrekturen, sofern nötig, anbringen. Und mit Sicherheit wird dann die 23. Blätzbums-Opéra im Februar 2013 einen Rückblick auf die Gemeinderatswahlen werfen …

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