Kommentar

Eigentlich müsste nur das Leimental an die Urne

Die wenigsten Baselbieter wissen, wo sich die Langmattstrasse befindet. (Archivbild)

Die wenigsten Baselbieter wissen, wo sich die Langmattstrasse befindet. (Archivbild)

Eine Analyse zur kantonalen Abstimmung über die Langmattstrasse in Oberwil von bz-Redaktor Michel Ecklin.

In Basel käme niemand auf die Idee, ein Projekt zu präsentieren, das einseitig den Autoverkehr fördert. Das würde vom Volk hochkant verworfen. In ländlichen Gebieten hingegen wird für das Auto als Hauptverkehrsmittel geplant, daran stört sich niemand. Und irgendwo in der Mitte befindet sich die Agglomeration. In den Vororten hat man noch kein patentes Mittel gefunden, um den Pendlermassen Herr zu werden. Seit Jahrzehnten baut man dort immer neue Strassen, was meistens dazu geführt hat, dass sie bald selber verstopft waren. Und Massnahmen im öffentlichen Verkehr haben auch noch nicht die Massen zum Umsteigen bewegt – obwohl die Trams und Busse ungefähr gleich voll sind wie die Strassen.

Denn unter dem Strich führen all die erhofften Verbesserungen meist nur dazu, dass sich die Gesamtverkehrsmenge ausweitet. Dieses weltweit beobachtbare Phänomen zeigt sich nirgends so deutlich wie in der Agglomeration von Städten. In diesem Spannungsfeld stimmt am 24. November das Baselbiet – und zwar der ganze Kanton – über die Verlängerung der Langmattstrasse in Oberwil ab.

Die Argumente dafür und dagegen betreffen aber nur die Leimentaler, viele sogar nur Oberwil und Therwil. Die Geschäfte im Gebiet Mühlematt würden besser erreichbar, sagt zum Beispiel das Gewerbe; eine beliebte Veloroute werde zerschnitten, sagen die Gegner. Für die Stimmbürger rund um die Strasse geht es um Fragen, die sie in ihrem Alltag direkt betreffen, etwa wo sie einkaufen oder wie ihr Kind zur Schule gelangt. Man merkt in diesem Wahlkampf: Die autokritische Haltung aus der Stadt dringt immer tiefer in den Agglomerationsgürtel. Blind durchgewinkt werden Autoprojekte hier schon lange nicht mehr. Nur: Dieser lokalen Auseinandersetzung können viele Stimmbürger in anderen Kantonsteilen wenig abgewinnen. Vermutlich wissen die wenigsten im Oberbaselbiet oder im Laufental, wo sich die Langmattstrasse überhaupt befindet. Sie kennen die konkreten Probleme, um die es bei diesem Projekt geht, kaum. In Duggingen oder Ormalingen sind die Ortskerne nun mal selten so verstopft, wie sie es in Oberwil oder Bottmingen täglich sind. Für viele Stimmbürger ausserhalb des Leimentals ist der Urnengang über die Langmattstrasse deshalb eine reine Entscheidung für oder gegen den Autoverkehr. Und an diesem Wochenende stehen im Baselbiet fünf weitere Abstimmungen an, die den meisten wohl wichtiger erscheinen. Was auch nicht gerade zur fundierten Auseinandersetzung anregt: Es geht bei der Langmattstrasse (noch) nicht um ein konkretes Bauprojekt, sondern erst um einen strategischen Eintrag in den kantonalen Richtplan. Definitiv entschieden ist auch nach dem 24. November noch nichts.

Idealerweise würde nur das Leimental über die Strassenverlängerung abstimmen. Zwar ist gerade in diesem Teil des Kantons die Regionenbildung mit Leimental Plus weit vorangeschritten. Doch bevor diese Einheit einen eigenen Urnengang organisieren darf, wird es zwischen Binningen und Ettingen noch manchen Stau geben – mit oder ohne Langmattstrasse.

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